A DAY IN BLACK AND WHITE – Auf lange Songs kann ich gar nicht mehr

Bands mit langen Namen neigen ja dazu, in die Länge gezogene Musik zu machen (EXPLOSIONS IN THE SKY, GODSPEED YOU BLACK EMPEROR) oder ziemlich rumzulärmen (z. B. CITY OF CATERPILLAR). Oder aber sie verbinden einfach die beiden verschiedenen Stile miteinander, wie in diesem Fall A DAY IN BLACK AND WHITE. Die Band, die erst kürzlich einen zweiten Gitarristen aufgenommen hat, schließt in diesen Tagen ihre einmonatige Europa-Tour ab, und hatte dabei nur einen einzigen Off-Day. Entsprechend müde und erschöpft saß Sänger und Gitarrist Daniel (Ex-A SPECIAL KIND OF FALL) mir vor dem Konzert im Oldenburger Alhambra gegenüber und beantwortete mir bereitwillig meine Fragen. Bei dem anschließenden Konzert waren, trotz schlechter Werbung und obwohl es sich um einen Montagabend handelte, gut 30 Zuschauer da, die nach dem indierockigen Support GOLDEN BIRDS eine kraftvolle Show der vier Herren aus Washington sahen. Von „My heroes have always killed cowboys“, der letzten EP der Band, wurden allerdings nur drei Songs vorgetragen.
Daniel: „Ich glaube, die Leute wären ziemlich überrascht, wenn sie wüssten, was wir gerade so hören. Momentan bin ich weit weg von Sachen wie MOGWAI und FRODUS. Ich höre zur Zeit fast gar keine Bands mehr mit langen Songs. Das habe ich mit meiner vorigen Band gemacht, und darauf stand ich als ich jünger war, aber im Moment kann ich da gar nicht mehr drauf! Stattdessen interessiere ich mich fürs Songwriting, mit kürzeren, poppigeren Songs. Unser Schlagzeuger Ian, der ja wirklich hart spielt, hört beispielsweise neben HC auch Sachen wie die BEACH BOYS. „Pet sounds“ ist sogar sein Lieblingsalbum. Der andere Gitarrist begeistert sich für wirklich kranke, obskure Musik und ich höre momentan viele „classic“ Alben, wie THE BEATLES, diverse 80er Sachen und auch die BEACH BOYS.“
Na, das scheint dem alten Bandnamen ja nicht mehr ganz gerecht zu werden. In einer Review las ich, dass „black and white“ die Gegensätze ziemlich gut umschreibt, die in Eure Musik einfließen, wie z. B. laut/leise-Parts, kurze und lange Songs. „Bei der Wahl des Bandnamens haben wir nicht bewusst über die Gegensätzlichkeiten nachgedacht, sondern eher darüber, dass eine Band oder auch eine spezielle Person einen bestimmten Charakter und Klang hat. Zu Beginn waren wir wirklich hart und verrückt, mit der Zeit haben wir uns aber verändert und heutzutage ist es schon gar kein HC mehr. Viele Leute sind darüber verwirrt bis verärgert, aber das ist OK. Wir wurden mehrfach gefragt, warum wir nicht den Namen wechseln, aber ich, als einzelne Person, mag schließlich auch die verschiedensten Musikrichtungen.
Es nervt mich an, dass Punk und HC zur Zeit den Mainstream erobert hat, und dass die Leute heutzutage die ursprüngliche Idee aufkaufen und denken, sie wüssten, wie diese Musik zu klingen hat. Dabei hören sie oft nicht gut genug zu und scheinen die Kunst dahinter häufig nicht zu erkennen. Einige Kids kaufen ja auch alle Sachen eines bestimmten Labels, weil sie sich damit identifizieren und scheinen sich nicht daran zu stören, wenn alle Platten einer Band gleich klingen. Das fänden wir allerdings fürchterlich und superlangweilig. Wir wollen nicht, dass unsere Kunst wie ein Produkt konsumiert wird und deshalb streben wir auch nach Veränderung. Auch wenn das viele nicht nachvollziehen können.“

Was hat es denn mit dem Titel „My heroes have always killed cowboys“ auf sich? „Während der High School und des Studiums habe ich viele Papers darüber gelesen – das war ein Grund, warum wir das Album so genannt haben. Aber der Titel gefiel uns auch, weil sich der Begriff „cowboys“ auf die heutige Kultur und die politische Situation unseres Landes übertragen lässt.“
In der Tat ist Politik eine Sache, die Daniel sehr interessiert. Früher engagierte er sich für Amnesty International, und auch heute fallen seine Texte noch ziemlich kritisch aus. „Ja auf jeden Fall, aber das kriegen viele nicht mit. Es ist zwar in Ordnung, wenn den Leuten die Musik gefällt, und sie nicht auf die Texte achten, aber besser wär’s, wenn sie auch die wahrnehmen würden.“

Bislang haben ADIBAW erst eine eigene EP, aber noch kein komplettes Full Length aufgenommen. Das ist jedoch direkt im Anschluss an die Tour geplant, wo sie sich abermals im GodCity-Studio von Kurt Ballou (CONVERGE) niederlassen werden. Erscheinen wird das Album voraussichtlich im Oktober. Stattdessen gibt es aber bereits zahlreiche Split-Singles und –EPs, wobei ADIBAW schon des öfteren mit der jeweils anderen Band zusammen auf Tour waren. „Schön, dass Du das ansprichst. Ich denke, normalerweise macht man Splits ausschließlich mit Bands, mit denen man gut befreundet ist. Die NAVIES sind tatsächlich gute Freunde von uns, und Mike spielt ja auch jetzt bei ADIBAW mit. Das machte also Sinn! Von den GOLDEN BIRDS kannte ich aber nur Hrishikesh, der mal bei ihnen Schlagzeug spielte und jetzt mit ONE A.M. RADIO‘ seine eigene Sache am Start hat. Aber BLACK CASTLE kennen wir so gut wie gar nicht. Und das finde ich schon etwas strange.“
Die Entscheidung, das Trio um einen zweiten Gitarristen aufzustocken, hatte indes verschiedene Gründe: „Wir wollten es, weil es live besser klingt, weil wir auf der letzten Tour nur zu dritt waren und auch, weil ich beispielsweise auf der NAVIES-Split bei zwei von drei Songs alle Instrumente selber eingespielt habe, mit Ausnahme der Drums. Es macht zwar Spaß so zu arbeiten, und man muss sich dabei um nichts Sorgen machen, aber ich wollte trotzdem auch mal jemanden haben, mit dem ich zusammenarbeiten kann.“
Das klingt aber dennoch ganz so, als ob Daniel auch nichts gegen eine Ein-Mann-Band einzuwenden hätte… „Auf keinen Fall! Ich habe einen Freund in Norwegen, Thomas von KAOSPILOT, mit dem ich zusammen eine Split-7“ machen will. Ich mag einerseits gerne alleine arbeiten, weil das einfach schneller geht, aber andererseits mag ich auch Bands, wo jeder seinen Teil beiträgt, wie bei SONIC YOUTH und FUGAZI.“
A propos FUGAZI: wie sieht eigentlich die aktuelle DC-Szene aus? Meist spricht man ja eher über die Vergangenheit. „Ich denke und hoffe, dass es gerade ein Comeback gibt. Die letzten Jahre waren wirklich schwach, mit Ausnahme der BLACK EYES – super Musik und dufte Typen. Die Leute von FUGAZI, THE EVENS usw. kennt man zwar, aber wir hängen nicht mit ihnen zusammen rum. Allerdings scheint es mir, als ob sich gerade eine neue, junge Szene dort entwickelt.“

Na, das hält die Spannung doch aufrecht. Und auch auf das neue Album von A DAY IN BLACK AND WHITE darf man sich freuen. Denn ganz so poppig wie zuvor erwartet, fiel die Live-Umsetzung dann doch nicht aus. Warten wir’s ab!