ANDREAS DORAU – Todesmelodien

"Er war quasi intellektuell". ("Größenwahn")
ANDREAS DORAU, eine dieser vielen verbliebenen Ikonen aus der NDW-Zeit (sprich: aus meiner Jugend), bringt sein nunmehr achtes Studioalbum auf den Markt. Und klingt immer noch in den Melodien der frühen 80er verhaftet, teilweise ("Edelstein") mag man sogar leichte Andeutungen von "Fred vom Jupiter" vernehmen. Textlich allerdings wirft ANDREAS DORAU Licht auf die dunklen Seiten des menschlichen Lebens. Ohne dabei den ihm seit 30 Jahren anhaftenden Humor zu verlieren oder sich komplett in Richtung Dunkelheit zu verbiegen. MOUSE ON MARS haben nochmals Hand angelegt, um den düsteren Texten diese luftige Frische zu geben, die eine ANDREAS DORAU-Veröffentlichung ausmacht. Da begegnet der Tanzschulen-Pop ("Stimmen in der Nacht") dem Alleinunterhalter mit Hang zum Neuen Deutschen Todeskult. Nur, dass der Musiker dahinter das alles nicht wirklich ernst meinen kann, denn dafür gibt es einfach zu viele Stellen, die den Hörer lachen machen. Alleine die musikalisch eher an eine Barschlacht aus der Stummfilmzeit erinnernde Moritat "Es tut so weh" fordert einfach zum Grinsen heraus.
Zudem ist jeder Song auf "Todesmelodien" irgendwie eingängig, sei es nun die Hookline, der Refrain oder auch einfach nur der überzeugende Beat. Mal ist die Musik absolut im Hintergrund, mal malt sie bunte Farben auf die schwarzhumorigen Texte, gerade so, wie es passt. Da schaut durchaus mal ein früher PETER LICHT oder aber auch FUNNY VAN DANNEN auf einen Sprung vorbei. Und dann singt INGA HUMPE auch noch die Studiochöre.
Am Schluss gelingt ANDREAS DORAU sogar so etwas ähnliches wie eine Ballade ("Gehen"). Wer hätte das gedacht?
Fazit: ANDREAS DORAU hat seinen Humor nicht verloren, es gelingt ihm allerdings, eine gewisse, unerwartete Tiefe in seine Texte zu bringen. Musikalisch wenig Überraschendes, aber das hätte man ja auch nicht wirklich erwartet, oder?
Ein letztes – wie mein Lieblings- – Zitat:
"Im Altenheim gibt’s viele Menschen / die haben miteinander nichts zu tun / doch eines eint sie alle / sie leben hier, um auszuruhen." ("Ausruhen")

Bewertung:

Veröffentlichungsdatum: 17.06.2011

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