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Illustration: Neele Jacobi // http://www.illustriert-von-neele.com

20 Jahre Sounds of Subterrania

„Integrität ist Arbeit“ hat Klaus Walter einmal in einem Nachruf auf Martin Büsser geschrieben. Eine Feststellung, die gar nicht besser passen könnte, auf das, was Gregor Samsa (was natürlich ein Alter Ego, entnommen aus Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“, ist) mit Sounds of Subterrania macht.
Nahezu jeder Satz von ihm in unserem über dreistündigen Interview macht deutlich, wie sehr er die Materie zwischen linker Politik, Labelarbeit und dem eigenen Ich gedanklich durchdrungen hat, wie sehr dies alles für ihn zusammengehört und wie wichtig es für ihn ist, diese Auseinandersetzung mit sich selbst und dem Außen fortlaufend zu führen. Gregor Samsa macht es sich nicht leicht. Diese sich selbst und andere konstant reflektierende, existente Strukturen offenlegende, Dogmatismen und reaktionäre Tendenzen aufdeckende und auch auf die eigene Szene bezogene kritisch hinterfragende Denkarbeit ist aufreibend, anstrengend und ja: echte Arbeit.
Es ist ihm dabei anzumerken, wie sehr er damit hadert, dass Mechanismen und Strukturen, gegen die der subkulturelle und soziale Zusammenhang, in dem er groß geworden ist, einst angetreten ist, sich mittlerweile in eben diesen eingeschlichen und unhinterfragt und weitestgehend kritiklos manifestiert haben. Er kann sich nicht damit abfinden, wenn Begriffe wie „DIY“ zu bloßen Worthülsen einer gesellschaftlich-kapitalistischen Schein-Alternative verkommen, die Bedeutung und Inhalt nur noch an der Oberfläche suggerieren, darunter jedoch längst faulig riechen. Sich mit den herrschenden Verhältnissen arrangieren oder abfinden, das wird im Laufe des Gespräches deutlich, ist das letzte was Gregor Samsa will. Gregor Samsa fordert Integrität ein, aber er ist auch jemand, der sie vorlebt wie wahrscheinlich nur wenig andere. Unkorrumpierbar.
All dies muss man wissen, wenn man über Gregor Samsa und Sounds of Subterrania spricht, denn es ist untrennbar miteinander verbunden. Mit Sounds of Subterrania verhält es sich, wie es mir häufig beim Betrachten zeitgenössischer Kunst geht: natürlich lässt sie sich einfach nur so anhand von ästhetischen und geschmacklichen Gefallenskategorien bewerten. Ein tiefgreifendes Verständnis und häufig sogar eine damit einhergehende eigene Veränderung der Bewertung stellt sich aber erst ein, wenn man über das Umfeld, die Intentionen und den Hintergrund der betreffenden Künstler*in Bescheid weiß. Bestenfalls regt die Kunst dazu an, sich zu wundern, zu überlegen, neue gedankliche Pfade zu bestreiten und gegebenenfalls vorhandene kritisch zu beleuchten.
Wobei wir schon wieder bei Sounds of Subterrania angelangt wären. Denn genau dies möchte Gregor Samsa auch mit seinen Label-Veröffentlichungen erreichen. Selten wurde dabei die eigentlich eher administrative Tätigkeit des Plattenveröffentlichens so künstlerisch interpretiert wie von Gregor Samsa, in aufwendigen zumeist handgefertigten Special Editions, die in Form und Idealismus ihresgleichen suchen.
Sounds of Subterrania feiert nun seinen 20-jährigen Geburtstag und begeht diesen Anlass mit einer ganzen Woche abendlicher Konzerte vom 26. März bis zum 1. April im Hamburger Hafenklang, in dessen Räumlichkeiten das Label auch seit 2008 zu Hause ist.
Die Gründe für ein Interview könnten also vielfältiger nicht sein, darum haben Jens und ich Gregor einige Tage vor dem Start seiner Geburtstagswoche auf ein Gespräch bei sich zu Hause in einer beschaulichen Wohngegend im Hamburger Nordwesten getroffen.
Nicht nur aus einem praktischen Grund (wie bekommen wir über drei Stunden Gespräch in ein Interview verpackt) sondern auch als sozusagen geburtstägliche Hommage an Sounds of Subterrania wollten auch wir uns etwas Besonderes überlegen und haben die Form des klassischen Interviews aufgebrochen und in verschiedene Themenstränge aufgeteilt, die wir während der Geburtstagswoche nach und nach veröffentlichen werden. Quasi als Special Edition.
Doch jetzt erstmal: Alles Gute Sounds of Subterrania und viel Spaß bei der Lektüre!

Teil 1: Gregor Samsa über: Special Releases
Teil 2: Gregor Samsa über: Konzerte
Teil 3: Gregor Samsa über: Tapes
Teil 4: Gregor Samsa über: DIY
Teil 5: Gregor Samsa über: Arbeit
Teil 6: Gregor Samsa über: Särge
Teil 7: folgt bald

Und hier geht es zu unserem Nachbericht der Sounds of Subterrania-Labelwoche im Hafenklang.