TRIP FONTAINE – Und plötzlich ist man dabei

Ohne uns selbst auf die Schulter klopfen zu wollen, aber es soll ja ein paar Redakteure geben, die das Potential, das in TRIP FONTAINE schlummert, bereits vor der Veröffentlichung von „Dinosaurs in rocketships“, ihres zweiten Full Length, erkannt haben. Doch inzwischen wird die Band, die mittlerweile von Frankfurt nach Berlin umgezogen ist, vollkommen zurecht von vielen Seiten bejubelt und darf in diesem Jahr zum Beispiel um halb acht das Publikum auf dem Immergut-Festival unterhalten. Vielleicht liegt das an der guten Presse (u.a. „Schönheit der Ausgabe“ in der Visions), möglich auch, dass es mit der Studiowahl in Weilheim zu tun hat, wo zuvor immerhin Bands wie THE NOTWIST und SLUT ihre Musik auf Tonträgern bannten. Hier also ein kleines Update aus dem Hause TRIP FONTAINE von Bassist Flo, und wer danach mehr über die Band erfahren möchte, findet hier noch ein altes Interview.

[F] Wie waren Eure Reaktionen, als ihr in einigen nicht ganz kleinen Magazinen richtig abgefeiert wurdet?
[A] Wir haben uns gefreut. Diese Reviews sind wichtig, weil sie viele Leute dazu bringen, sich die Platte anzuhören und der ganze Musikladen ja doch ein Zirkel aus Medienpräsenz, Verkäufen und Konzerten ist. Wenn also eine Sache gut läuft, geht es meistens auch bei den anderen besser. Das ist im Prinzip überall dasselbe, egal ob DIY-Szene oder Big Business. Es nervt aber schon, dass irgendwelche Leute, deren Geschmacksurteile mich eigentlich auch nicht mehr interessieren als die von sonst wem, so eine Macht haben. Ansonsten kommt es sehr auf das einzelne Review an. Interessant sind die von Leuten, die die alte Platte auch schon kennen und sich dann darauf beziehen.

[F] Wie seid ihr auf Mario Thaler als Engineer gekommen? Wie war die Arbeit mit ihm?
[A] Das war unspektakulär. Wir haben im Voraus entschieden, mit Christian ein anderes Studio zu buchen, um aus dem gewohnten Umfeld rauszukommen und neue Geräte zu probieren. Mario war der beste Typ mit dem interessantesten Background und auch gleich interessiert. Dann sind ein paar von uns zu ihm gefahren, haben sich mit ihm getroffen und gesagt, dass wir das machen sollten.
Die Arbeit war anstrengend, aber angenehm konzentriert. Es war total gut, dass wir mit Mario und Christian zwei Leute dabei hatten, weil sich Mario viel um die Technik gekümmert hat und Christian so mehr mitproduzieren konnte. Wir haben versucht, alles sehr schnell umzusetzen – zum einen aus Kohlegründen, zum anderen, um nicht in so einen Studiokoller zu kommen, wenn auf einmal keiner mehr weiß, was gut ist und was nicht.

[F] Und wie kamt ihr auf die Idee, euer Album in Amerika von Ue Nastasi [GYM CLASS HEROES, PANIC! AT THE DISCO, TOKIO HOTEL; Anm. d. Verf.] mastern zu lassen?
[A] Wir hatten das bei zwei Songs, die wir zwischen den Platten aufgenommen haben, schon mal ausprobiert und waren sehr zufrieden. Außerdem hat Christian einen recht guten Draht zu Sterling Sound, und Mario hat auch dazu geraten.

[F] Ich habe gehört, dass ihr auf eurem neuen Album keine Gitarren gedoppelt habt. Wie ist euer Sound trotzdem so fett geworden (z.B. „Vicemagazinegestalt“)?
[A] Fuuh… keine Ahnung. Danke fürs Kompliment! Ich könnte Klaus bitten, dir die Verstärker, Verkabelungen und technischen Details der Aufnahme zu erklären, aber ich würde dringend abraten.

[F] Wie kamt ihr auf die schiefen Bläser im letzten Song? Hat euer Label sich da kritisch geäußert?
[A] Die Posaune haben wir auch schon im Proberaum immer gespielt, als wir den Song schrieben. Ich hätte am liebsten so ’ne ganze schrullige, eiernde Blechbläserkapelle gehabt, aber Christians Bruder war leider zu unrockig, und letztendlich war zu wenig Zeit, um Leute zu finden. Also mussten wir es selbst machen. Warum sollte sich das Label dazu kritisch äußern?

[F] Ich habe den Eindruck, dass ihr mit den Album- und Songtiteln und dem Artwork die 08/15-Emoscheitel-Hardcore-Fanschar auf den Arm nehmt. Ist dies tatsächlich als Kritik am Selbstdarstellertum zu werten? Oder gibt es nähere Erklärungen zu den merkwürdigen Songtiteln?
[A] Es gibt verschiedene Erklärungen zu den verschiedenen Songtiteln. Der Albumtitel ist aus ’nem „Calvin & Hobbes“-Comic und hat nix mit Emoscheitel-Hardcore zu tun. Und nee, wir wollen da niemand gezielt auf den Arm nehmen. Wir machen halt die Sachen, so wie sie uns gefallen, und es kann sein, dass wir uns da manchmal von gewissen Stereotypen abgrenzen, aber Verarsche soll das nicht sein.

[F] Ist Klaus tatsächlich euer Mastermind? Wie gestaltet sich euer Songwriting im Allgemeinen? Wieviel Einfluss nehmen die einzelnen Bandmitglieder?
[A] Hmm nee, dass stand nur im Bandinfo, weil er so ’nen geilen Namen hat und Mastermind so ein beknacktes Wort ist. Hätten wir gewusst, dass da alle drauf anspringen, hätten wir es auch rausgenommen – Klaus ist nämlich nicht so happy damit. Die Songs sind sehr unterschiedlich entstanden. Bei „Dinosaurs“ haben wir im Gegensatz zu „Lilith“ auch ein paar Songs, die mehr oder weniger von einem allein geschrieben wurden, aber grundsätzlich spielen und bearbeiten wir immer alles gemeinsam im Proberaum, und jeder kann auf alles Einfluss nehmen. Der Song ist fertig, wenn alle ihn gut finden und keine Verbesserungsvorschläge mehr haben.

[F] Wie lange dauert es, bis ein Song für die Aufnahme fertig ist?
[A] Das ist total verschieden.

[F] Hat der Umzug von Rodgau nach Berlin Einfluss auf’s Proben und eure Musik? Wohnen denn jetzt alle in Berlin?
[A] Das hat natürlich einen großen Einfluss, weil alles viel mehr geplant werden muss. Um normal proben zu können, müssen ja immer einige reisen. Früher wohnten wir alle im Umkreis von 2 km um unseren Proberaum, und es war fast immer irgendwer da. Das ist aber jetzt auch schon ungefähr drei Jahre her. Seitdem ändert sich die Wohnsituation eigentlich ständig, und wir versuchen uns halt, so gut es geht darauf einzustellen. Mal schauen, wie es in Zukunft wird. Wir sind gerade zu dritt in Berlin, Timo ist in Paderborn und Klaus in Frankfurt.

[F] Wie schwer ist die Konsensfindung beim Musizieren?
[A] Wir hatten ’ne harte Zeit vor dem letzten Album, als wir anfingen, Lieder zu schreiben und irgendwie nicht wussten, wie wir es machen sollten. Alle hatten Angst, sich gegenseitig auf die Füße zu treten, und wenn es Konflikte gab, wurden die auf einmal persönlich. Das hat sich aber geklärt, und gerade fühlt sich eigentlich immer alles sehr harmonisch an.

[F] Was hört ihr selbst, wen würdet ihr als wichtigen Einfluss nennen?
[A] Ich würde als wichtige Einflüsse für die Anfänge und Attitüde der Band mal REFUSED, AT THE DRIVE-IN, ON THE MIGHT OF PRINCES und die späten BEATLES nennen. In letzter Zeit waren FROM MONUMENT TO MASSES das Highlight für uns alle. Und persönlich finde ich noch LES SAVY FAV und PINBACK wichtig.

[F] Auch wenn eure Musik ja stilistisch sehr vielfältig ist, wird man eure größte Zielgruppe wahrscheinlich unter den Post-HC-Fans ausmachen. Etwas schade, oder?
[A] Nö, wieso? Ich mag die.

[F] Mit wem seid ihr gern aufgetreten, mit wem würdet ihr gern auftreten?
[A] Gerne aufgetreten: SIXTY STORIES, JULITH KRISHUN, KENZARI´S MIDDLE KATA, ANTITAINMENT, ALIAS CAYLON, LACK, A CASE OF GRENADA, DIMITRIJ, SDNMT u.v.m. Noch gerne auftreten: siehe Einflüsse, TER HAAR, KATE MOSH.

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