ENNO BUNGER – Dann werden wir fuchsteufelswild

ENNO BUNGER dürften derzeit wohl als der heißeste Act aus Ostfriesland nach SCOOTER sein. Gerne werden sie mit COLDPLAY und anderen großen Bands verglichen. Mit dem Debüt "Ein bisschen mehr Herz" ging es nun raus aus den heimischen Gefilden. Wir sprachen mit Sänger Enno und Bassist Bernd über Tourleben, Herzschmerz und Ostfriesen-Tee…

[F] Euer erstes Album ist ja nun auf den Markt. Wie froh und erleichtert ist man jetzt? War die Produktion stressig?
[A] Enno: Wir sind sehr glücklich, dass wir das geschafft haben und erleichtert, dass es nun tatsächlich auch überall erhältlich bzw. bestellbar ist. Nun wollen wir natürlich, dass sich möglichst viele Menschen mit dem Album auseinandersetzen. Bisher haben wir von denjenigen, die das intensiv getan haben, auch nur Positives gehört. Eigentlich lief die Produktion sehr entspannt ab, weil wir mit Oliver Zülch einen Produzenten hatten, der nichts davon hält, unter Zeitdruck ein Lied aufzunehmen. Man braucht viel Ruhe dafür, und wir haben uns dementsprechend Zeit genommen und mit Liebe am Detail gearbeitet. Aber es gab natürlich auch stressige Phasen.

[F] Erstes Album, ausgedehnte Tour bis nach Österreich und mit PIAS ein großes Indie-Label im Rücken. Müsst ihr euch manchmal zwicken, damit ihr wisst, dass ihr nicht träumt?
[A] Bernd: Klar, ist das alles toll, was jetzt passiert, aber man darf auch nicht vergessen, dass uns das nicht alles in den Schoß gefallen ist. An der einen oder anderen Stelle mögen wir vielleicht tatsächlich Glück gehabt haben oder zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen sein. Wir haben aber eben auch lange daran und dafür gearbeitet.

[F] Eure Songs handeln von Herz, Schmerz und den kleinen Grausamkeiten des Lebens. Bremst das nicht manchmal die Stimmung bei den Konzerten?
[A] Enno: Ich weiß nicht, ob sie wirklich nur davon handeln. Lied- und Albumtitel provozieren dazu, uns in die Herzschmerz-Schublade zu stecken, aber wer sich genauer mit den Texten und der Musik auseinandersetzt, der wird uns dort wieder herausholen. Sicherlich sind wir keine Tanzkapelle, aber auf unserem Album gibt es keinen Titel, der das Verliebtsein oder das Verlassenwerden behandelt. Vielmehr geht es uns darum, uns selbst und den Hörer zu motivieren, ein kleines bisschen mehr an sich selbst und seine Ziele zu glauben.

[F] Werdet ihr aufgrund der Texte gerne mal als "Emos" gehänselt?
[A] Enno: Mein Vorname wird manchmal versehentlich als "Emo" gelesen. Ich selbst sehe nichts Verwerfliches darin, Gefühle zu zeigen. Aber um auf die Frage zurückzukommen: nein, bisher ist uns das nicht passiert und ich glaube, hänseln könnte man uns damit nicht. Eher, wenn jemand was Schlechtes über unseren Ostfriesentee sagt. Dann werden wir fuchsteufelswild, so, wie man das eben bei Norddeutschen nicht anders kennt.

[F] Ihr kommt ja aus dem beschaulichen Leer. Meint ihr, ihr habt deswegen einen schwierigeren Weg gehen müssen, als wenn ihr alle in Hamburg oder Berlin lebtet?
[A] Bernd: Wir haben ja im Grunde schon von Anfang an und sogar noch bevor die Bandkonstellation eigentlich feststand den Weg nach draußen gesucht und uns nicht lange in Ostfriesland aufgehalten. Bei Bands aus Berlin oder Hamburg ist es oft so, dass sie nicht wirklich aus ihrer Stadt rauskommen. Dort gibt es einfach zu viele Möglichkeiten zu spielen. Wir wussten, wenn wir nicht jedes Wochenende vor den selben Leuten spielen wollen, müssen wir gleich alles auf eine Karte setzen und z. B. auch ohne Spritgeld-Garantie mal den weiten Weg nach Stuttgart runterfahren. Durch diese Haltung haben wir einfach eine Menge Konzerte auf eigene Faust auf die Beine gestellt, was uns wahrscheinlich sogar die ein oder andere Tür geöffnet hat.

[F] Wie läuft denn so das Tourleben bei euch ab? Ihr wart ja die letzten Wochen quer durch Deutschland, Schweiz und Österreich unterwegs.
[A] Bernd: Das Tourleben bei uns unterscheidet sich bestimmt nicht viel von dem anderer Bands. Manchmal ist es durchaus mit Auf-Klassenfahrt-sein zu vergleichen. Wir haben in den letzten drei Jahren weit über 100 Konzerte gespielt und hatten somit genug Zeit, uns aufeinander einzuschießen und zu schauen, wie die anderen so ticken, denn man verbringt ja doch viel Zeit miteinander und hängt aufeinander rum.
Unterm Strich ist es das Konzerte spielen und unterwegs sein, was uns allen am meisten Spaß macht. Überwiegend ist es so, dass man nach langen Autofahrten und stressigen Tagen am Ende mit einem gelungenen Konzert und/oder einem aufmerksamen Publikum entlohnt wird.

[F] Eure Platte heißt "Ein bisschen mehr Herz". Wo und wann wünscht ihr euch mehr Herz?
[A] Enno: Ein bisschen mehr Herz steht eigentlich für eine Lebenseinstellung. Sich ein Herz zu fassen, sich ein bisschen mehr zuzutrauen, wenn es darum geht, etwas Verrücktes auszuprobieren. Nicht zu sehr darauf zu achten, was andere dazu sagen, sondern auf sich selbst und seine eigenen Wünsche zu hören, der Wunsch, sich selbst zu verwirklichen. Man könnte sagen, es die Überschrift für das, was wir vor drei Jahren angefangen haben.

NEUES


http://www.myspace.com/ennobunger