THE HOBOS – Walk all night

Wer vom Namen THE HOBOS auf ein Country- oder Southern-Rock-Album schließt, liegt ziemlich daneben. Der Bandname leitet sich lediglich von den Tingeljahren des Bandleaders Roland Utris als Straßenmusiker ab.
Schon das Eröffnungsstück „walk all night“ kommt als hochmelodisches Wohlklangmonster à la Eagles oder Chris Rea daher. Ich gebe zu, bevor ich durch die Idiotenmucke norddeutscher Radiosender in den Wahnsinn getrieben werde, würde ich lieber dieses Stück in Geduld über mich ergehen lassen. Schon im nächsten Stück „Summer´s gone“ verraten uns THE HOBOS dagegen, dass ihnen das eine oder andere Cracker-Stück bekannt ist.
Mit dem etwas schmierigen Beginn der Ballade „thanks“ verlieren sie gerade mühsam gewonnene Pluspunkte, holen sie dann aber dank Einsatzes einer hübsch sägenden Gitarre wieder zurück. Das folgende „lost in space“ hingegen erinnert unangenehm an den seligen „Goldenen Reiter“. Der aufmerksame Leser merkt spätestens jetzt, dass THE HOBOS viele Stile auftischen, aber keinen eigenen haben. Richtig, denn im Folgenden gibt es mal etwas Southern-Rock-Anleihen („she sounds like a little child“), Stromlinienpop `a la REAMONN („Flying away“), mal etwas angefunktes oder gar irgendwie Verqueres („Outhouse“), aber keinen roten Faden. Lediglich der nette Einfall mit dem Lied aus der Sicht eines Haustieres („domestic animals“) überzeugt mit eigener Note.

Handwerklich ist das alles sauber, die Produktion zwar ungewohnt, aber nicht ohne Reiz, weil durchaus ein paar Ecken und Haken vorhanden sind, doch die Stimme von Roland Utris bleibt gewöhnungsbedürftig.
Liegt es daran, dass THE HOBOS aus Lettland kommen ? Dort sind sie ein sehr bekannter Act mit bisher 3 Veröffentlichungen, diversen Auszeichnungen (bestes Rock und Pop Album 1999, bestes Video 2000, bestes Rock-Album 2001, bestes Rock Album und bester Rock Song 2002) und einer großen Fanschar. Rührt der Genre-Mischmasch aus der Tatsache her, dass „walk all night“ quasi ein Best of-Album darstellt ? Für den internationalen Markt dürfte es jedenfalls nicht reichen. Doch wie immer gilt letztendlich : Bild Dir DEINE Meinung.

Bewertung: 5,5/10

Veröffentlichungsdatum: 24.05.2004