SOUNDS LIKE VIOLENCE – Das neue Pferd aus dem Stall Burning Heart

Einheits-Outfit ist wieder hip! Vor zwei Wochen sah man YUCCA im Ärzte-Look, heute bei SOUNDS LIKE VIOLENCE schwarz und weiß und bei TALK RADIO TALK rote Longsleeves kombiniert mit Blue Jeans. Denn schließlich zählt heutzutage ja nicht nur die Musik, sondern auch die Optik. Und da schienen TALK RADIO TALK schon ganz ordentlich von den Großen gelernt zu haben – nicht nur kleidungstechnisch. Musikalisch gab’s ordentlich was auf die Ohren, irgendwo zwischen Nu Hardcore und Screamo. Das hat sich also auch schon bis Stade herumgesprochen. Schlecht waren die sechs Jungs, die die kleine Bühne im Molotow ganz ordentlich füllten, beileibe nicht, nur leider scheint mir ihre Musik inzwischen auch nur noch bedingt innovativ. Gut gefallen haben mir die stellenweise eingebauten, etwas ausufernden ruhigeren Parts, Probleme hatten sie leider mit dem Gitarrensound, der etwas zu leise war. Wenn man den Sänger noch dazu motivieren könnte, nicht ständig gleich zu schreien, würden sie sich auch ein wenig von der Masse abheben.
In der Umbaupause wurden die Sachen von der Vorband rechts vor die Bühne geschafft, denn Platz gab es im Molotow noch genügend. Etwa 50 Zuschauer waren da, für den Anfang der Woche bei einer neuen, noch recht unbekannten Band eigentlich schon ganz zufriedenstellend. Ungewöhnlich, dass das Publikum heute ausgesprochen jung und weiblich war – in meinen Augen fast noch jünger als beim allwöchentlichen Motorbooty-Rumhoppeln. Aber dafür auch sehr begeisterungsfähig. Wobei SOUNDS LIKE VIOLENCE mit ihrer Musik, die eine schwer einzuordnende Melange aus den HIVES, Emocore und kraftvollem, aber melodischem Gesang darstellt, natürlich genau den Nerv der Zeit treffen. Und so legte der neue Burning Heart-Ableger auch gleich mächtig los, und bot neben Songs des ersten Full Lengths auch Sachen von ihrer zuvor erschienenen „Pistol“-EP. Der Sound war gut, der Gesang ausgesprochen sicher, und das Schlagzeugspiel um einiges wilder als auf CD. Kam mir so vor, als ob Daniel Petersen da nachträglich noch so manches No Wave-Element an der Hi-Hat eingebaut hat. Und wo Sänger Andreas Soderlund in den Zwischenansagen mit seinem Englisch noch ein wenig unsicher wirkte, machte er gesanglich mit seiner kräftigen und treffsicheren Stimme alle Zweifel wieder wett. Tolle Melodien, keine Frage, aber wer mit Pathos Probleme hat, dürfte bei dieser Band eher schlecht fündig werden. Nach einer Dreiviertelstunde war dann leider schon Schluss, warum es keine Zugaben gab, weiß ich auch nicht.