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ROCK AM DEICH-Festival 2004

Das Immergut-Festival in Neustrelitz gilt ja so ungefähr als Startschuss der Festival-Saison. Da die Uhren in Ostfriesland jedoch bekanntlich anders schlagen, läutet man hier die Draußen-Zeit mit dem Rock Am Deich Festival bereits eine Woche früher ein. Da bleibt dem Festivalgänger nichts anderes übrig, als dem Wetter zu trotzen und trotzdem, oder gerade deshalb, richtig Spaß zu haben. So taten es am vorletzten Mai-Wochenende in Leer auch tatsächlich ca. 7.000 Kids (das Publikum war für ein Festival wirklich erstaunlich jung) und pilgerten aufs Nesse-Gelände um einem recht durchmischten Programm zu lauschen. Während der lokalen Bands IGNITION und SUBSONIC machte das Gelände seinem Namen alle Ehre und es kübelte aus einem dichten grauen Wolkenteppich. Grund genug für uns, dass wir uns erst etwas später herauswagten, doch leider gelingt es SHE-MALE TROUBLE immer wieder, von mir verpasst zu werden. Mist! Zumal das Tourtagebuch der fünf PunkrockerInnen auf wasteofmind.de wirklich unterhaltsam war. Nun ja, die Hoffnung stirbt zuletzt.
Als nächstes enterten UNION YOUTH die Bühne. Die Band, die früher zu Teilen unter dem Namen JONAS unterwegs war, und anno dazumal noch von TOCOTRONICs Jan Müller unter Vertrag genommen wurde, bleibt ihrem musikalischen Stil treu und fabriziert auch heute noch unglamourösen Grunge im NIRVANA-Stil. Bodenständigkeit nennen das die einen, Langeweile die anderen. Insbesondere, wenn sie anfangen zu improvisieren, stellt der aufmerksame Hörer fest, dass viele Bands das einfach besser können. Egal – die Typen scheinen trotzdem ganz in Ordnung und kamen auch beim Publikum gut an.
Im Anschluss daran durften die mittlerweile ja auch schon außerhalb Norddeutschlands bekannten ONE MAN AND HIS DROID ihr Können präsentieren. Neben den Songs ihres aktuellen Albums "Party people" wurden bereits einige neue Stücke angestimmt, bis der Gig schließlich mit QUICKSANDS "Thorn in my side" abgeschlossen wurde. Selbst wenn der Sound heute nicht ganz stimmte, und Sänger Matze nicht jeden Ton richtig traf, wurden sie von ihren Fans abgefeiert und fuhren einen klaren Sieg ein – wenn auch mit Heimvorteil.
Während der Umbaupause entschlossen wir uns, mal schnell bei Kochlöffel Quartier zu machen und Essen zu fassen. Nicht nur wegen Hunger, sondern auch, weil es mittlerweile schon schweinekalt war. Das Sparmenü 1 verhalf jedoch nur zu einer kurzen Aufwärmung, und so bekamen wir auch noch das Ende der EMIL BULLS mit. Klar, die Musik kickt – mich jedoch genauso wenig wie THE RASMUS und 4LYN.
Viel mehr wartete ich auf KETTCAR, die dem Publikum mit "Ausgetrunken" (…home is where your heart is…) auch gleich einen absoluten Kracher vor den Latz knallten. Herr Wiebusch bedauerte anschließend noch das Publikum ob der mittlerweile auf 5°C gesunkenen Temperatur, bevor sich selbiges zu Hits wie "Landungsbrücken raus", "Im Taxi weinen" und "Money left to burn" eng aneinander kuschelte. Erstaunlich auch, wie viele Leute den tollen Text zu "Balkon gegenüber" kannten. Auch wenn sich ein Kumpel bei mir beklagte "KETTCAR seien mittlerweile die männlichen WIR SIND HELDEN und schlechter als die SPORTFREUNDE STILLER" – ich mag sie! Und auf Titel, wie "Mein Skateboard kriegt mein Zahnarzt, den Rest kriegt mein Friseur" muss man erst mal kommen. Von FETTES BROT bekamen wir leider nur noch die erste halbe Stunde mit, da langsam schon die Kältestarre einsetzte. Schade, denn sie sind wahre Unterhaltungskünstler. Auch zwischen den fetten Beats, wo sie mich jedesmal an eine Hörspiel-Kassette erinnern. Ich wäre gern noch länger geblieben, aber nach ihrer annektierten Hymne "Nordish by Nature" war für uns gezwungenermaßen Feierabend. Bleibt nur noch zu hoffen, dass der Wettergott im nächsten Jahr ein wenig gnädier gestimmt ist. Gute Nacht!