MARBLE SHEEP – Message from oarfish

Wie kleidet man das hier nur in Worte, ohne für völlig durchgeknallt gehalten zu werden? Ist es denn normal, mit dem Fön vor der Lavalampe zu hocken, damit sie gefälligst flotter in Wallung kommt? Wenn die Knie bluten, weil man die letzte Stunde headbangend auf dem Esstisch verbracht hat? „Message form oarfish” bringt Dich dazu. Besser gesagt der Opener „Tears”. Was anfängt wie ein verschollener HAWKWIND-Song, entwickelt sich zu dem verrücktesten Albumeinstieg seit ewig. Schicht um Schicht finden Gitarren in allen erdenklichen Garagenrocksounds zueinander, braten, dängeln, schreddern mit Phaser, Wah-Wah und Distortion vor sich hin, dass es eine wahre Freude ist. Ein schwer pumpender Bass treibt die Band zusammen, ein völlig entfesselter Drummer treibt sie raus ans Licht, nein, halt, Hölle, das müssen zwei sein. Es SIND zwei! Verdammt, was treiben die da? Vier Minuten, und man ist immer noch im Intro von „Tears”. Was danach kommt ist High Energy Protopunk. Sind das DINOSAUR JR. mit Killerbienen im Arsch? MONSTER MAGNET unter Speed? Nein, für so ein Zeugs bräuchte der gute Dave ein Dutzend Notärzte. Viel zu hoch das Tempo, selbst nach acht Minuten, auch nach zehn, und wenn man schon glaubt, es hier mit dem ultimativen, never ending, never boring Garagenrocker zu tun zu haben, setzen MARBLE SHEEP den Schlussakkord. Bezeichnenderweise, konsequent, ja geradezu zwingend logisch genau auf die 12.00! Okay, nun bluten die Knie, und das Hirn hat drei Wochen Bewegungslosigkeit nötig, doch dazu müsste man die Stopptaste drücken. Dummerweise ist da schon wieder so ein geiles Riff, reißt der Bass Risse ins Laminat, und die beiden Gitarristen liefern sich ein wildes Wah-Wah-Solo-Duell. „Man” heißt dieser Brocken. Egal, oder? Einziger Wermutstropfen: diese herrlich lärmige Lavawalze, die sich da aus dem Garagentor wälzt, wird ausgeblendet nach knapp vier Minuten. Gerade hatte man Lust auf einen weiteren Marathon bekommen. Geht da jetzt noch was? Oh ja, das folgende „Raise the dead” rast von den beiden wie entfesselt spielenden Drummer in Höchstgeschwindigkeit einmal von den MC5, den ganz frühen STOOGES bis zu KYUSS („100°”) und wieder zurück. „Skull cool” bietet die nächste Noiseorgie zu fast schon klassischem 70er Britpunk. „Egyptian queen” lehnt sich genüsslich bei „1969” von den STOOGES an (inkl. Handclaps) und „From the centre” mit seinem Monster von Bass, dem schleppenden Groove, den wüsten Gitarrenorgien, ruft einen in Erinnerung, wie geil doch die frühen SMASHING PUMPKINS waren. Oder waren das BLACK SABBATH? BLACKMAIL? Wie jetzt? Schon nach neuneinhalb Minuten ausgeblendet? Wie unsensibel! Lediglich der Kneipenschunkler „Saviour of street” lässt einen zwischendurch mal durchatmen, und „It´s time”, mit seinem Maschinenbeatsample, wildert in einem anderen Kosmos, erinnert eher an eine Gedichtrezitation von Blixa Bargeld.
Einziges kleines Manko ist der nur mittelmäßige Gesang, aber zum Glück wird nicht gebrüllt, gekreischt oder gegrunzt, und irgendwie gewöhnt man sich auch an ihn. Trotzdem wünscht man sich im Stillen eine Kooperation von JELLO BIAFRA mit diesem absolut wildem Fünfer aus……….Japan! Yes, Leute, Skandinavien hat verschissen! Nach „Message from oarfish” steht der Garagenrockmeisterpokal in Sushiland.

Bewertung: 8,5/10

Veröffentlichungsdatum: 23.11.2007