JOSEPH ARTHUR – The ballad of Boogie Christ

Opulent ist wahrscheinlich eines der letzten Wörter, die dem geneigten Hörer zu JOSEPH ARTHUR einfallen. Opulent ist jedoch das, was er mit „The Ballad of Boogie Christ“ schafft, zwei Alben à zwölf Songs, „Act 1“ und „Act 2“ der Geschichte eines erfundenen Charakters, der den einen oder anderen Bezug zur Person JOSEPH ARTHUR aufweist. Los geht es beschwingt mit „Currency of Love“, orchestral instrumentiert und mit nahezu hymnischem Gesang, der in einem Gedankenblitz doch glatt TOM JONES aufleuchten lässt. Also extrem untypisch für den Songwriter aus Ohio, der sich nun sein Nest in Brooklyn gebaut hat. Er erzählt von Liebe, Sucht und den kleinen Momenten, die das Leben anstrengend oder lebenswert machen. Der Fokus liegt wie immer bei JOSEPH ARTHUR auf dem Erzählen. Die Lyrics sind stets einen Extrablick wert, das bleibt auch bei diesem Album so. Musikalisch changiert er dabei zwischen orchestralem Pop und zurückgenommenem Folk sowie einem sympathischen Hauch Americana, hält die Spannung hoch, und von Song zu Song steigt die Vorfreude auf den nächsten. Ob er nun U2 mit NICK CAVE mischt wie beim Titelsong, sich mit TOM WAITS ans Piano setzt oder auch die Einflüsse des neueren Folk zulässt und in den 60er Jahren buddelt, JOSEPH ARTHUR macht das, was er macht, stets mit Begeisterung und Überzeugung, und ebendiese Gefühle überträgt er auch auf den Hörer. Ganz bei sich selbst bleibt er mit dem autobiographischen „King of Cleveland“, das trotz aller Instrumentierung zart und verletzlich bleibt, was ein weiteres Mal an der speziellen Art Arthurs liegt, Geschichten mit der zugehörigen Hingabe zu erzählen. Mit dem Schlussstück „In the city“ zeigt er dann nochmals innerhalb von fünf Minuten, zu was er alles fähig ist. Und das ist eine ganze Menge. JOSEPH ARTHUR bleibt er selbst, entwickelt sich aber immer weiter, ohne dabei an Qualität einzubüßen. Musik für jedes Lebensalter. Eben eine Lebensgeschichte.

Bewertung: 8/10

Veröffentlichungsdatum: 13.09.2013

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