INCUBUS – Light grenades

Oha … INCUBUS die Sechste! Die Leute, die INCUBUS eine kurze Karriere vorausgesagt haben, müssen nun endlich eingestehen, falsch gelegen zu haben. Schon seit ein paar Jahren sind die Amerikaner eine feste Größe der alternativen Rock-Szene in den USA und einigen anderen Märkten der Welt.
Die Frage nach dem letzten, meiner Meinung nach zwar guten, aber ersten Album mit Schwächen war natürlich: was haben die Jungs diesmal gemacht? Einen ähnlichen Kurs beibehalten, mehr stimmige Songs geschrieben oder gar zu ihren Anfängen zurückgekehrt? Eine Frage, die man nicht ohne weiteres beantworten kann.
Fakt ist, und das sagen die Künstler auch selbst, jeder der neuen Songs steht für sich. Genau das ist das Problem, für sich selbst genommen sind die Songs alle stark. Ob das nun die erste, PEPPERS-mäßige Single „anna molly“ (mit Ohrwurm-Gesang von Brandon) ist, oder die FAITH NO MORE-Erinnerungsminuten in Form des Openers „a kiss to send us off“, lässt man das Intro mal außen vor. Das gefühlvolle „dig“, bei dem Erinnerungen an den Hit „drive“ vom „Make yourself“-Album wach werden, oder das erwachsene, durchdachte „diamonds and coal“ – alles scheint im Einzelnen zu stimmen.
Nun, was vermisse ich dann, wenn die Lieder an sich allesamt gut sind und Ausfälle vergessen lassen? Mir fehlt die Einheit, der Fluss des Albums, der rote Faden. „Light grenades“ wirkt auf den Hörer mehr wie eine Compilation einer begnadeten Band voller talentierter Musiker, deren Songwriter-Qualität schon seit Jahren beachtlich ist.
Auffällig ist auch, dass DJ Kilmore immer mehr in den Hintergrund gerät und den Sound nicht mehr mitprägen kann. Dafür hat sich Bassist Ben Kenney inzwischen gut eingeführt und weiß durch sein mal virtuoses, mal funkiges Spiel der vier Saiten durchaus zu gefallen.
Zwar ist die Platte keine Einheit, doch sind die Songs an sich stark, und fast jeder dürfte heutzutage in der Lage sein, sich seine eigene Reihenfolge des Materials zusammenzustellen. Es gibt nämlich eine besser funktionierende Playlist als die auf CD vorgegebene. Welche das ist, müsst ihr für euch selbst herausfinden!

Bewertung: 8/10

Veröffentlichungsdatum: 24.11.2006