HIDALGO – Hamburg war gut

Es hatte zunächst den Anschein, dass es heute Abend eher ein intimes Konzert im kleinen Rahmen werden würde. Gegen 21:30 waren knapp zehn Leute da, und losgehen sollte es ja eigentlich auch schon um 22 Uhr. Wider Erwarten füllte sich die Astrastube aber in der nächsten Stunde noch um ca. 50 weitere Personen, so dass es zum Beginn des Konzertes in dem kleinen Laden bereits ziemlich eng wurde. Es ging letztlich erst gegen halb elf los, aber da heute kein Support da war, störte das auch niemanden. Sängerin Betty Mugler warf sich vor dem Gig noch in Schale und spielte in roten Balletschuhen und einem bunten-Zigeunerrock. Dazu gab es nach jedem zweiten Song einen Schluck aus der Wodka-Flasche, da ihre Mitstreiter gestern tranken und sie logischerweise nachlegen musste.
Im Vergleich zum Konzert in Kassel vor knapp vier Jahren wurde die Band um eine zweite Gitarre und einen Mann an den Keyboards ergänzt. Da blieb für Bassist Andy nur der Platz schräg rechts hinter der eigentlichen Bühne, aber bei seinen zwei Metern stellte das kein großes Problem dar. Los ging es größtenteils mit Songs ihres aktuellen Albums „I want a girlfriend“. Und wo ich im Vergleich zum Debüt auf dem neuen Album die großartigen Melodien und Wiedererkennungswerte vermisste, fiel live auf, dass die Songs eine ganz andere Qualität haben. Denn HIDALGO sind nicht immer nur Pop, auch wenn Bettys charmanter Gesang dazu einlädt, dies vorschnell anzunehmen. Vielmehr bestehen HIDALGO auch aus einem ziemlich tighten Schlagzeugspiel, das man so eher aus dem Post-Punk kennt, einem knarzigen Bass und einer recht bluesigen Gitarre. Stand früher meist der Song im Vordergrund, scheint die Band aus Nürnberg heute mehr Wert drauf zu legen, die verschiedensten Parts unter einen Hut zu bringen und mit einer gewissen Pop-Note zusammenzukitten. Dem Publikum gefiel’s großartig, und nach jedem Song gab es genügend Applaus und manch lustige bis dreiste Zwischenrufe. Als Betty von der Gitarre ans Keyboard wechselte und den folgenden Song als TORI AMOS-Song ankündigte, nur dass sie nicht so gut Klavier spielen könne, wurde dies mit einem „Aber dafür gibt’s Brüste“ quittiert. Na, ich darf doch sehr bitten! Aber egal, die Stimmung war insgesamt wirklich ausgelassen, und so kam die Band auch nicht drum herum, insgesamt drei Mal für eine Zugabe zurückzukehren – wobei sie die Bühne aufgrund der Fülle eigentlich gar nicht wirklich verlassen konnten. „Ihr ward ganz gut“ ein abschließender Zuruf aus dem Publikum, „Ja, Hamburg war gut“ die entsprechende Antwort der Band.