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Dockville Festival 2012 – ohne Regen!

Wer mit offenen Augen durch Hamburg läuft, kann die Prozesse der Umstrukturierung nicht übersehen. In der Schanze und St. Pauli steigen die Mietpreise ins Unermessliche, gleichzeitig machen sich immer mehr Modeläden und Bio-Märkte breit, während sich viele alteingesessene Einzelhändler aufgrund steigender Ladenmieten nicht mehr halten können. Man passt sich halt den neuen Mitbewohnern an. Ähnliches gab es vor ein paar Jahrzehnten bereits in Eppendorf, aktuell wird vor allem in Wilhelmsburg viel Brachland erschlossen. Damit man pünktlich zur Bundesgartenschau 2013 ein „lebendiges Wohn-, Arbeits- und Freizeitquartier mit innovativen Wohnungsbauprojekten“ präsentieren kann (Quelle: IBA Hamburg).
Davon nicht ganz unbetroffen bleibt das Dockville Festival, das sich seit 2007 vom kleinen, charmanten Indie-Festival zu einem der bedeutendsten Newcomer-Festivals in Deutschland entwickelt hat. Manch einer wirft dem Dockville-Festival vor, die Gentrifizierung in Wilhelmsburg nur vorangetrieben zu haben, was zwar nicht ganz falsch ist, doch ist kulturelle Enthaltsamkeit sicherlich keine Lösung, um der Verstädterung entgegenzuwirken. Konkret geht es um die zukünftige „hafenbezogene“ Nutzung des Dockville-Geländes durch die Hamburg Port Authority (HPA). Immerhin konnte sich die Kultur-und Wirtschaftsbehörde mit der HPA darauf einigen, dass die Fläche auch in den zwei kommenden Jahren weiterhin von den Veranstaltern genutzt werden kann, langfristig lässt sich eine anderweitigere Nutzung des Areals wohl nicht verhindern. Den Umbauprozessen und der Verkleinerung des Geländes kann man bereits seit Jahren beiwohnen, interessanterweise ähneln die neugebauten Stufen hinter der Bühne „Maschinenraum“ auf gewisse Weise der Hafencity-Promenade.
Das Dockville Festival 2012 konnte im Gegensatz zum letzten Jahr erfreulicherweise mit großartigem Wetter aufwarten, dafür bot es jedoch weniger Kunstprojekte als in den Jahren zuvor. So zumindest mein persönlicher Eindruck. Wobei man beim Dockville die Kunst auch erst einmal als solche erkennen muss. Ist die neue „Autobahn-Anbindung“ durch Ole Utikal und Hannes Mussbach in Form eines drei Meter langen maßstabgetreuen Autobahnstreifens nach Bauvorlage RQ28 noch als Kunst offensichtlich, muss man sich bei den Krautzungen erst einmal schlau machen, was da genau passiert. Literatur kreuzt Festival: Tolstois „Krieg und Frieden“ wurde hier Wort für Wort auf Körperteile der Festivalbesucher geschrieben, in fragmentarischer Form abfotografiert und anschließend wieder als Roman zusammengepuzzelt. Das Ergebnis findet ihr hier: http://dockville.krautzungen.org/

Doch kommen wir zur Musik. Wie in den Jahren zuvor, empfahl es sich, vorab die einzelnen Bands durchzuhören, da viele Sachen doch noch recht unbekannt, deswegen aber nicht weniger interessant sind. Auf unserer persönlichen Liste fanden wir Markierungen unter anderem bei ONE MILLION STEPS und TELLAVISION, doch leider ermöglichte es uns der Beruf erst, bei SLEEP PARTY PEOPLE anwesend zu sein.

(db) Aus anderen Musiksparten kennt man bereits die Maskierung als zweifelhaftes Markenzeichen diverser Künstler, seien es Totenkopf- oder Pandabärmasken. SLEEP PARTY PEOPLE hingegen präsentierten sich dem Publikum als schwarzgekleidete Hasen, die seltsam in sich gekehrt auf der Bühne agierten und samt ihrer durch Synthies, Gitarre und Schlagzeug geprägten Musik wie aus einer anderen Welt wirkten. Die psychedelischen, introvertierten Songs und die leicht verträumte Düsterkeit, die das ungewöhnliche Projekt umwehten, entwickeln zu späterer Stunde sicher ihren Reiz, waren für mich aber nicht so recht in Einklang zu bringen mit der strahlenden Sonnigkeit des Freitagnachmittags. Da musste was Unbeschwerteres her.
Rein musikalisch einfacher gestrickt und noch dazu passend zu Wasser, Wind und Sonne: VIERKANTTRETLAGER. Die Jungs aus Husum muteten in blau-weiß-gestreifter Kluft und einem Dreimaster als zentrales Bühnenelement matrosig an. Das „Seebär“-Motiv ist in der Musik der Nordlichter ebenfalls unüberhörbar: dreivierteltaktige Melodien und der Einsatz eines Akkordeons („Fotoalbum“) erinnerten sachte an Shantys und luden phasenweise zum Mitschunkeln ein, während der gitarrenlastige Sound und der betont aggressive Gesang nach TURBOSTAAT light klangen. Sowohl sängerisch als auch motorisch verbreitete Frontmann Max Richard Lessmann Energie und Unruhe, wirkte dafür aber etwas übermotiviert und forciert – ein bisschen anstrengend auf die Dauer.
Wir brauchten eine Pause und bummelten in Richtung „Nest“ – inmitten eines kleinen Wäldchens, auf einer Lichtung befand sich diese kleine, gemütliche Bühne, die mit der schwedischen Elektroband THE TOUCH am Freitagabend zum Tanzen einlud, aber auch Sitzmöglichkeiten auf diversen Bänken und Gerüsten sowie einen Aussichtspunkt bot, von dem aus man das bunte Treiben des Indie-Völkchens beobachten konnte.
Nächster Programmpunkt auf unserer Favoritenliste: WE HAVE BAND am Vorschoot. Das britische Quartett sorgte mit tanzbaren, beatlastigen Elektropopsounds, guten Stimmen und viel Bewegung auf der Bühne für Partystimmung im Publikum und klang ein bisschen nach Disco und Achtzigern. Optische Aufmerksamkeit erregte vor allem die außergewöhnlich akrobatischeTechnik des Schlagzeugers, der das Becken oben aufgehängt hatte. Akrobatisch betätigte sich auch die Frau in der Band, die, abgesehen von einigen Vocal Backings, Turnübungen mit Percussioninstrumenten durchführt. Man fragte sich… aber: das Publikum tanzte!

(jg) Ein kleiner Abstecher bei MAXIMO PARK bestätigte, was man sich nach dem Omas Teich Festival bereits denken konnte: die Show wurde eins zu eins wiederholt. Musikalisch zweifelsfrei Profis wirkte die Show der Briten so allerdings nicht wirklich authentisch. Schade.
Deshalb rüber ins Butterland, um einen Blick bei den Sinnbus-Neulingen LA BOUM FATALE zu riskieren. Eine leichte Nervosität konnte man den beiden jungen Hamburgern anmerken, ihre noch nicht ganz abgeklärte Show hatte aber durchaus ihren eigenen Charme. Leider dröhnten FRITTENBUDE von der Seite, so dass man nicht alle Melodien und Soundabläufe des Dubstep-/House-Duos nachvollziehen konnte. Dass sie die Songs ihres Debütalbums geschickt modulierten, ihnen teilweise eine völlig andere Note verliehen und auch Songs ihrer Labelkollegen HUNDREDS gekonnt remixten, lässt erahnen, dass es sich hierbei nicht um ein One-Hit-Wonder handelt. Von den Jungs ist sicher noch einiges zu erwarten!
Beim Headliner am Freitag hatte man die Qual der Wahl. HOT CHIP oder APPARAT? Wir entschieden uns für letztere, und die Entscheidung war sicher keine schlechte. Sein letztes Album „Devil´s walk“ deutete bereits an, was Sascha Ring heute Abend samt Band umsetzte: weg von der Elektronik, hin zu analogen Sounds. Dass die Songstrukturen erkennbar elektronische Wurzeln aufweisen und es sich dabei genau genommen mehr um aneinander gereihte Patterns handelt, die vorrangig dazu dienen, eine bestimmte Atmosphäre zu erschaffen, ist keinesfalls negativ zu werten. Ich fühlte mich mitunter an SIGUR RÒS, +/-, gelegentlich sogar an RADIOHEAD erinnert – was sicherlich nicht die schlechtesten Vergleiche sind. Schön war´s und ein guter Abschluss für den ersten Abend.

Samstag

(db) Das Gute am Dockville: man kann daheim im bequemen Bett schlafen. Der Nachteil jedoch am Festival-Pendeln: Wir waren leider wiederum einen Tick zu spät, um SOLEY und LAMP SHADES zu sehen. Aber wir waren nicht die einzigen, die sich Zeit ließen: Um drei Uhr nachmittags zeigte sich das Festivalgelände noch relativ leer, dafür sonnig und vor allem staubig. Von der Londoner Folk-Formation LAMP SHADES erwischten wir immerhin noch den letzten Song. Zweistimmiger Frauengesang, Ukulelenbegleitung und Handclaps: feiner Folk, der gute Laune verbreitete und den passenden Soundtrack zum Sommernachmittag lieferte.
Nach kurzer Ess- und Sitzpause (und einer phantastischen Falafel!) warfen wir einen Blick auf RETRO STEFSON auf der Hauptbühne am Großschot.

(jg) Musikalisch wurde hier so ziemlich alles und noch viel mehr durcheinander geworfen. Folk? Muss. Pop: Natürlich. Seventies Funk & Soul? Na klar. Vor allem aber: Massenbegeisterung. Sich auf der Bühne ausziehen und den sexiesten Tanz bieten, den man kann. Das kommt gut. Und das Publikum immer schön mit einbeziehen. Singen, hinsetzen, in der Runde tanzen. Dann beklatscht sich die Menge am Ende auch selbst. Die Rechnung der verrückten Isländer ging auf wie auf dem Appletree Garden Festival im letzten Jahr.

(db) Zu den Klängen des amerikanischen Duos WYE OAK genossen wir an der Hauptbühne die strahlende Sonne. Von der samtigen, dunklen Stimme der Sängerin Jenn Wasner getragene, sanft durch akustische Gitarre und Tambourin begleitete Melodiepassagen wechselten sich mit eher rockigen, schlagzeuglastigen Teilen mit schrammeligen E-Gitarrenriffs ab, geräuschartige Synthie-Effekte lösten sich in gefällige Folk-Melodien auf: Indie-Folk-Rock in bester Manier, der dem strahlend sonnigen Tag eine wehmütige Note verlieh. Hut ab, dass zwei Musiker eine solch dichte Klangkulisse herstellen können!
Die DIAGRAMS passen in keine Schublade. Ursprünglich als Soloprojekt von Sam Genders, Gründungsmitglied der britischen Folkband TUNNG, konzipiert, mutierte dieses auf der Bühne zur siebenköpfigen Band, die sämtliche Genregrenzen überschritt. Die Folk-Wurzeln des Frontmanns Genders blieben dabei unverkennbar: mehrstimmige, fröhlich-folkige Melodielinien durchzogen die Songs, treibende Basslinien und Gitarreneinwürfe ließen keine Melancholie aufkommen. In den bläserbegleiteten Passagen klang das dann manchmal funkjazzig, manchmal choralartig, nur, um in der nächsten Minute durch rockige Riffs der Gitarre unterbrochen zu werden, unterlegt mit schepperndem Schlagzeug und elektronischen Beats: absolut discotauglicher Funk-Folk, musikalisch spannend und wunderbar tanzbar! Hurra, DIAGRAMS!

(jg) WHOMADEWHO standen schon seit längerem auf meiner Liste der Bands to must see.
Die Videos gefielen, die Musik der Dänen zu abwechslungsreich für Pop, aber auch nicht zu verkopft. Sie würden sicher auch eine passende Support-Band für RADIOHEAD abgeben, kamen auf der Hauptbühne aber nicht an die Qualität ihrer Videos ran. Ich weiß nicht, ob es am Wetter lag und WHOMADEWHO besser im Dunkeln funktionieren oder ob sie zu dritt nicht ganz umsetzen können, was sie im Studio auf CD festhalten.
Bei den JEZABELS schauten wir nur kurz vorbei. Die Singles klingen gut, aber die Sängerin gebarte sich auf der Bühne wie eine Rockröhre à la GIANNA NANNINI, was so gar nicht zur Musik passt. Also weiter zu URBAN CONE. Die kommen aus Schweden und machen, wie so viele junge und hippe Bands zur Zeit, Elektropop mit eingängigen Melodien. Dedde erinnerten sie an I HEART SHARKS, Christian an FRANZ FERDINAND, mich an DELPHIC und TWO DOOR CINEMA CLUB. Tolle Steigerungen in der Songstruktur, schöne Gesangslinien – sollte man im Auge behalten!
Dass sich METRONOMY inzwischen unumstritten als Headliner eignen, haben sie bereits im letzten Jahr unter anderem auf dem kleinen, feinen Appletree Garden bewiesen. Man hatte sogar den Eindruck, dass sie in Sachen Live-Präsenz noch dazu gelernt haben. Allein die Ausstrahlung von Gbenga Adelekan: dieser Mann spielt kein Bass, dieser Mann ist Bass. Im Set folgte Hit auf Hit: „The Look“, „She wants”, „Radio ladio“ und „The bay“… man hatte beinahe den Eindruck, dass die vier Briten rein gar kein Füllmaterial produzieren. Tolle Show!

(db) Die berückenden Gesänge eines JAMES BLAKE entließen uns in die Nacht. Fast schon zu introvertiert für die Großschotbühne verzauberte der Elektropopkünstler das Publikum, indem er mit seiner flexiblen, warmen Stimme Melodien intonierte, die, genial geloopt und mit Beats unterlegt, zum Ausgangspunkt für längere pulsierende Dubstep-Passagen wurden. Für Gänsehaut sorgten nicht nur die extremen Spannungsverläufe der Stücke, sondern auch überraschend stille Momente von rührender Intimität. So verzichtete BLAKE bei seiner Zugabe – das schon oft gehörte „In case of you“ – auf sämtliche Elektronik und sang einfach. Kein Wunder, dass JAMES BLAKE als Liebling der Kritiker gilt – das Publikum lag ihm zu Füßen!

Sonntag

(jg) Unsere erste Band am letzten Tag waren HERE IS WHY, die mit ihrem dunklen, kraftvollen Synthie-Pop um 14:30 Uhr definitiv zu früh gebucht worden sind. Man stelle sich JOY DIVISION oder DEPECHE MODE in der Mittagssonne vor. Irgendwie befremdlich.

(db) DIE HEITERKEIT kam hingegen wenig heiter und vor allem wenig überzeugend rüber.
LASSIE SINGERS in langweilig: „Alles ist so neu und aufregend“ – oder eben nicht. Ziemlich gleichförmige Musik und betont unaufgeregt vorgetragene Songtexte strahlten Lethargie aus und führten zum Widerspruch zwischen Ausdruck und Inhalt, was zumindest den zitierten Songtitel wohl eher unfreiwillig komisch wirken ließ. Vielleicht habe ich DIE HEITERKEIT aber auch falsch verstanden: Langeweile? „Nein, Gelassenheit“. So heißt nämlich ihr neues Album. Der Auftritt leider etwas zu gelassen für meinen Geschmack.

(jg) Das letzte Mal hatte ich ME SUCCEEDS vor ziemlich genau einem Jahr beim Kultursommer auf Kampnagel gesehen. Ihr damaliges Konzert wimmelte nur so vor verpatzten Einsätzen, Verspielern und fehlerhaften Absprachen. Ob es daran lag, dass sie sich ein neues Set zusammengestellt hatten, ließ sich also heute überprüfen. Tatsächlich verlief die erste Hälfte des Auftritts relativ fehlerfrei, bis von ihnen unbeabsichtigt der Bühnenstrom ausfiel, was sie zu einer zehnminütigen Pause zwang. Ärgerlich. Als es schließlich weiterging und die schief gestimmte Klarinette ausgepackt wurde, wünschte man sich jedoch, der Fehler wäre besser nicht behoben worden. In den guten Momenten erinnerten die Hamburger mit ihren verträumt-verspulten Songs aber vor allem an BJÖRK, was zu einem großen Teil Mohna Steinwidders Stimme und ihrer Art zu singen geschuldet ist.

(db) Für Gänsehaut im positiven Sinne sorgten dafür die fein gesponnenen Klangnetze von ME AND MY DRUMMER im Maschinenraum. Das Duo überzeugte durch ungewöhnliche Besetzung (Orgel, Schlagzeug, Gesang) und perfekt aufeinander abgestimmtes Musizieren. Dabei entstanden klanglich vielseitige, ruhige Popsongs, die in der von der Abendsonne beleuchteten Elbe ihre perfekte Kulisse fanden. Bestechend vor allem die Stimme von Sängerin und Organistin Charlotte Brandi, die sich sehr sympathisch über die Zuhörermenge freute und in ihrem nur mit Schlagzeugbegleitung vorgetragenen Gospel ihr Lampenfieber nicht ganz verbergen konnte – authentisch und rührend. Schön.

(jg) IN GOLDEN TEARS scheinen so etwas wie die Hamburger Senkrechtstarter zu sein. Und das schon seit geraumer Zeit, da sich die Veröffentlichung ihres Debütalbums bereits ziemlich lange zieht. Nicht nur in dieser Hinsicht gibt es Ähnlichkeiten mit SIZARR. Beide Bands sind noch sehr jung, beide werden aktuell recht hoch gehandelt und von beiden Bands hört man düstere, tiefgreifende Songs mit einer außergewöhnlichen tiefen Stimme. Dass IN GOLDEN TEARS auch finster wahrgenommen werden wollen, drückten sie in einheitlichem schwarzen Bühnenoutfit aus. Dazu passte jedoch so gar nicht die versuchte Stimmungsmache von der Bühne. Aber man mag es ihnen als Unerfahrenheit auslegen. Jedenfalls passten sie besser ins dunkle Zirkuszelt vom letzten Jahr als auf die Draußen-Bühne.

(db) TEAM ME: das ist Lebensfreude und Musikerlebnis pur – diese Band ist Festival! Bei strahlender Sonne sorgten die Newcomer aus Norwegen für einen grandiosen Auftritt, indem sie das Publikum mit Musikalität und Energie, ausgefeilten Songs und überbordender Spielfreude mitrissen. Stirnbänder, farbenfrohe Gitarren, Jeanswesten, bunte Riesenluftballons – rein von der Optik erfüllen TEAM ME alle Klischees der typischen Indieband: ziemlich bunt und ziemlich hip(pie). Aber: diese Band bedient sich keiner Masche! Sympathisch und authentisch wirkten die sechs Musiker, verbreiteten auf musikalisch hohem Niveau gute Laune und Unbeschwertheit. Wer den Werdegang der Band schon länger verfolgt, konnte außerdem feststellen, dass sie sich auf der Bühne mittlerweile eine große Professionalität erspielt hat: selbstbewusst und trotzdem ungekünstelt wurden die Songs kommentiert, die Musik, nicht die Bühnenshow stand im Mittelpunkt. Musikalisch fabriziert sie ihren ganz eigenen, spezifischen Sound – vom Schlagzeug getriebene, durch Synthies und Gitarren erzeugte Klangkaskaden, eingängige Gesangslinien – , der insbesondere vom großartigen Zusammenspiel der sechs Musiker lebt. Individuell. Und besonders. Und was fürs Herz. Einer der schönsten Momente des Festivals: bunte Riesenluftballons steigen von der Bühne am Vorschoot hinauf in den blauen Sommerhimmel, vom Publikum immer wieder hochgeworfen und in der Luft gehalten – klingt kitschig, war aber sooo schön…

(jg) Ein Geheimtipp am Sonntag waren die FORGOTTEN BIRDS um Judy Willms und Jan Gazzara, die sich die kleine Bühne im Butterland teilten. Und dies war genau die richtige Bühne für sie. Auch wenn die schönen Gesangsstimmen von Jan und Judy leider nicht immer synchron gingen – ihr Auftritt überzeugte vor allem durch Sympathie. Keine Show, dafür viel Lächeln auf der Bühne und bezaubernde Songs, die unter die Haut gingen. Weil die Single noch nicht rechtzeitig fertig war, wurden zum Ende ihres Konzertes Papierschnipsel mit einem Download-Code verteilt, den wir euch hier nicht vorenthalten möchten:
http://forgotten-birds.drawingblanks.org/demo.zip

Zum Abschluss erhaschten wir noch einen kurzen Blick bei TOCOTRONIC, MEMORYHOUSE und NIELS FREVERT. Vor allem letzterer hatte, was die Zahl der Zuschauer betrifft, unter den parallel stattfindenden Konzerten zu leiden, was sich aber keineswegs auf die Stimmung auswirken muss. Wir machten uns auf den Heimweg und freuen uns bereits aufs nächste Jahr – zur selben Zeit am selben Ort.