DELBO – Energie trifft Melodie

Auf Konzerte mit mir noch nicht so gut bekannten Bands habe ich derzeit ja am meisten Bock. Insbesondere wenn sie mich positiv überraschen. Das taten damals beispielsweise THE LOW FREQUENCY IN STEREO und zuletzt die Noise-Rocker FITNESS aus Köln. Heute war auch so ein Tag, denn Michael hatte mit Lorbeeren für DELBO ja nicht gerade gegeizt. Ich hatte die Band vor zwei Jahren auf dem Immergut mehr verpasst als wahrgenommen und zu Unrecht als deutschsprachige Lala-Band abgetan. Aber live davon erfahren, sollte ich erst nach SEIDENMATT aka SDNMT. Die sah ich heute bereits zum dritten Mal in diesem Jahr, aber lohnenswert sind ihre Konzerte trotzdem immer wieder. Und auch jedes Mal anders besetzt. Bei der „Tour de Sinnbus“ war eine fünfte Person für die Samples zuständig, beim Konzert auf dem Reeperbahn-Festival eine Cellistin mit dabei. Die fehlte heute auf der Bühne, war aber im Publikum auszumachen. Grund: Die Berliner spielten fast ausschließlich neue Songs, die noch nicht in der kompletten Besetzung durchgeprobt wurden. Egal, musikalisch bewegte man sich auf der sicheren Seite, allzu große Veränderungen zu den alten Sachen waren dabei nicht auszumachen. Am Ende gab’s die Ansage der folgenden „großartigen DELBO“, die alsbald zu dritt die Bühne enterten.
Habe ich etwas von lala gesagt? Von wegen, nicht ansatzweise! Denn das, was DELBO da als Trio fabrizierten, war ganz, ganz großes Kino. Deutschsprachig ja, auch sehr melodieverliebt, aber gleichzeitig musikalisch sehr versiert. Und das in jeder Hinsicht: die Texte eher interpretierbar, die Melodien so miteinander verwoben, dass man sich ständig fragt, wie man dies mit zwei Saiteninstrumenten anstellen kann, achja, bis zu zwei Gesangsstimmen kamen ja noch hinzu. Und rhythmisch, nicht nur am Schlagzeug, allererste Liga. Mensch, hier passte einfach alles. Musikalisch kamen mir da neben Bands wie BARRA HEAD, 18TH DYE und RADIOHEAD auch die älteren NOTWIST in den Sinn. Mit ersteren waren sie passenderweise ja auch zu Beginn der Tour zusammen unterwegs, mit letzteren verband sie nicht nur eine musikalische Ähnlichkeit, sondern auch eine optische. Tobias sieht nicht nur ähnlich aus wie Micha Acher, er bewegt sich mit seiner Gitarre auch genauso wie der NOTWIST-Bassist. Sehr energisch, der ganze Auftritt, nur leider mit einer guten halben Stunde Spielzeit viel zu kurz. Aber für die nörgeligen Nachbarn können ja weder DELBO noch die 73 was. Fortsetzung folgte zu Hause auf CD, und hier könnt Ihr auch noch ein Interview mit den Jungs nachlesen.