CLAP YOUR HANDS TWICE – Zwischen Proberaum und Lagerfeuer

Im verregneten September 2006 schlossen sich die beiden Brüder Christian und Daniel zusammen mit einem Freund (ebenfalls Daniel) erstmalig in einen Proberaum im schwäbischen Tausend-Einwohner-Kaff Heinstetten ein. Vielleicht geschah dies in erster Linie deshalb, weil es keine Lagerfeuer mehr gab, an denen sie sonst gerne auf ihren Akustikgitarren musizierten. Fest steht jedoch: CLAP YOUR HANDS TWICE waren geboren! Nach zahlreichen Konzerten und einigen Demo-Veröffentlichungen haben die drei nun mit „Homecoming“ ihr erstes offizielles Studioalbum herausgebracht, auf dem sie 13 stimmungsfördernde Punkrock-Smasher zum Besten geben. Wir geben dieser sympathischen Band an dieser Stelle die Gelegenheit, sich in Form eines kleinen Interviews vorzustellen. Bandmitglied Christian stand Rede und Antwort.

[F] Die meisten unserer Leser dürften euch bislang noch nicht kennen. Stellt euch bitte mal kurz vor und gebt uns einen kleinen Blick in eure Bandhistorie!
[A] Wir sind eine Drei-Mann-Punkrockband aus dem tiefen Süden und spielen seit vier Jahren einfachen und ehrlichen Punkrock. Da jeder Song auf der Akustikgitarre entsteht, nennen wir unsere Musik gern Singer/Songwriter-Punkrock. Ja, an sich alles recht unspektakulär.

[F] Ihr drei wohnt mittlerweile alle in unterschiedlichen Städten. Wie funktioniert es angesichts der Entfernung bei euch mit den Proben, und wie regelt ihr den organisatorischen Aufwand, den eine Band so mit sich bringt?
[A] Wenn wir viel spielen, wird eigentlich nicht mehr geprobt, was aber gar nicht so schlimm ist, da man sich ja dann noch viel mehr auf die Gigs freut. Auch wenn kein Zuschauer da ist, macht es dann halt mega Spaß zu spielen. Neue Songs werden halbfertig ins Set eingebaut und direkt live geprobt. Da wir nur zu dritt sind, klappt das Organisatorische recht gut. Ich frage mich ja immer, wie das die ganzen Ska-Bands regeln. Neun Leute oder so. Das ginge bei uns gar nicht. Und wenn wir dann mal alle Zeit haben, treffen wir uns in unserem Heimatdorf auf einen Kaffee und proben ein wenig.

[F] Viele junge deutsche Punkrock-Bands schielen in Sachen Vorbildern nach Kalifornien. Euer Sound erinnert mich dagegen eher an einschlägige Gainesville-Bands wie AGAINST ME! oder HOT WATER MUSIC, gegen Ende des Albums scheint auch eine kleine Vorliebe für THE CLASH durchzuschimmern. Wo seht ihr eure Einflüsse, bzw. wie würdet ihr selber euren Sound beschreiben?
[A] Das mit den Einflüssen ist immer ganz schwer zu beantworten, da man das beim Songwriting ja gar nicht so richtig merkt. Ich liebe alle Bands, die du aufgezählt hast, aber bei uns ist es einfach die Kombination aus trauriger Folk-Musik, die wir alle hören, und härteren Punrock-Songs, die wir alle lieben. Auf einzelne Bands können wir uns da gar nicht festlegen. Ich mag einfach ernsten Punkrock viel lieber als diese aufgesetzte Fröhlichkeit. Gerade HOT WATER MUSIC wirken auf mich wahnsinnig ehrlich und echt. Und ich glaube, dass wir das mit unserer Musik auch gern vermitteln möchten.

[F] Worum geht es in euren Texten? Seht ihr euch auch als politische Band, oder stehen bei euch persönliche Inhalte im Vordergrund?
[A] Es stehen ganz klar die persönlichen Inhalte im Vordergrund. Wer die Texte aber genau anschaut, kann sicher einige sozialkritische und politische Themen erkennen. Songwriting ist bei uns etwas sehr Persönliches und es würde einfach nicht zu uns passen, zur politischen Band zu werden. Ich respektiere Bands, die das machen, aber ich muss ehrlich sagen, dass das andere viel besser können als wir.

[F] Auffällig ist, dass ihr euer Album als Vinyl mit beiliegender Bonus-CD veröffentlicht. Angesichts der hohen Produktionskosten und der generellen Schwierigkeit, heutzutage als kleine Band Tonträger an den Mann zu bringen, ist dies ein recht gewagtes Unterfangen. Was hat euch dennoch zu dem Schritt bewogen?
[A] Platten zu verkaufen, ist tatsächlich wahnsinnig schwer. Gerade deshalb wollten wir unbedingt ein tolles Paket zusammenstellen. Am meisten Platten verkauft man bei den Konzerten, daher auch der Preis von zehn Euro. Ein Schein sitzt einfach lockerer, keine Frage. Unser einziges Ziel ist es, irgendwie auf Null rauszukommen und so wie es aussieht, schaffen wir das auch. Ich meine, die Vorstellung, dass irgendwer zuhause sitzt und unsere Musik hört, ist doch mehr wert, als ein paar Euro mehr verdient zu haben.

[F] Wenn man sich eure Konzerthistorie anschaut, stolpert man über eine kleine Tour im Jahre 2009, die euch nach Frankreich, England und in die Niederlande geführt hat. Erzählt mal ein bisschen was darüber… Wie kam die Tour zustande, und wie kamt ihr bei unseren europäischen Nachbarn an?
[A] Auf der Tour haben wir THE STATIC AGE aus Amerika supportet, und organisiert wurde das Ganze von ihrem Label Flix Records aus Österreich. Für uns war das damals einfach das Größte, diese Möglichkeit zu haben. Die Konzerte waren meist sehr klein, und oft war fast niemand da, aber alleine die Tatsache, in England zu spielen, war der Oberknaller. Wir haben damals auch gemerkt, wie gut wir als Band funktionieren. Egal wie stressig es war und was alles schief lief, wir hatten den größten Spaß.

[F] Ihr wart im letzten Jahr zusammen mit dem Tübinger Songwriter AUTOBOT im Studio und habt dort eine Coverversion des PETER MAFFAY-Stücks „So bist Du“ aufgenommen (zu bewundern unter http://www.youtube.com/watch?v=DKEfCZ-Gf5I ). Seid ihr tatsächlich Fans der rumänischen Wanderwarze, oder was hat euch dazu getrieben?
[A] Das war voll und ganz die Idee des lieben AUTOBOT. Ich habe bis heute nicht verstanden, warum er gerade diesen Song covern wollte. Aber er hat gefragt, ob wir seine Backing Band sein wollen, und wir fanden es witzig und haben mitgemacht. Das Lustige war, dass wir uns die Akkorde einfach nicht merken konnten. Obwohl der Song mega einfach ist, brauchten wir einen riesigen Pizzakarton, auf dem die Akkorde standen. Der war mit im Studio und auch beim Videodreh. Zum Musikvideo kam es, da ich fürs Studium noch ein Video drehen musste. Hinter all dem steckt keine tiefere Message. Es war einfach nur ein riesen Spaß und das Ergebnis ist ja eigentlich auch ganz cool geworden.

[F] Sehe ich genau so! Danke für das Interview und viel Erfolg für die Zukunft! Gibt´s noch etwas, das ihr gerne loswerden wollt?
[A] Wir gehen im August zusammen mit dem wunderbaren AUTOBOT auf Deutschlandtour. Checkt einfach unsere Homepage (http://www.clapyourhandstwice.de) und werdet unsere Freunde auf Facebook, um alle Infos zu bekommen. Ach ja, wir touren zwar mit AUTOBOT, ob wir „So bist du“ spielen, steht aber noch nicht fest. Der Pizzakarton ging leider auf unerklärliche Weise verloren.

http://www.clapyourhandstwice.de/
http://www.myspace.com/clapyourhandstwice

Über Bernd Cramer 1592 Artikel
Konzert-Junkie & Vinyl-Liebhaber. Schreibt über Musik, ohne zu Architektur zu tanzen.