BRAUSEPÖTER – Selbstauslöser

Im Dezember 1979 fand in der Hamburger Markthalle das legendäre „Geräusche für die 80er“-Festival statt. Was eigentlich als gut gemeinter Versuch gedacht war, die damals strikt getrennten Fraktionen der Hardcore-Punks auf der einen und der Musik-Avantgardisten auf der anderen Seite zusammenzubringen, endete in heftigen Tumulten, da die zahlenmäßig überlegenen Punks ihre Scheuklappen nicht ablegen wollten und missliebige Bands gnadenlos ausbuhten, mit Bireflaschen bewarfen und teilweise sogar von der Bühne prügelten. Mitten drin im Geschehen waren auch BRAUSEPÖTER, die als eine der ersten Bands Punk und New Wave mit deutschen Texten verband und schließlich auf dem wegweisenden ZickZack-Label eine Single veröffentlichte, ehe sie sich im Jahre 1982 auflöste. Soweit zur Vorgeschichte. Nachdem BRAUSEPÖTER seit 2008 wieder in Originalbesetzung einige Konzerte gespielt haben, folgt nun ein neues Album, das sich ungefähr zur Hälfte aus Live- und Studioaufnahmen zusammensetzt und allein schon deswegen aus dem üblichen Rahmen fällt. Unabhängig von dieser ungewöhnlichen Maßnahme wechseln die Bielefelder mittlerweile zwischen den Polen Rock und Pop hin und her, schrecken allerdings auch nicht vor ein paar musikalischen Skurrilitäten zurück, wie etwa der spacigen Nummer „Ich hör jetzt nur noch Pink Floyd“ oder einem eingedeutschten RAMONES-Cover in Form von „I wanna be sedated“, welches hier (un-)sinnigerweise in „Geh mir weg mit Edith“ umgetauft wurde. Leider können mich BRAUSEPÖTER dabei nur selten mitreißen, denn Lieder wie „Marcie, Marcie“ oder „Mach mir die Hölle heiß“ sind leider nicht mehr als Durchschnittskost, die weder in puncto Songwriting, noch mit ihren Texten wirklich überzeugen können. Somit dürften sich auch 35 Jahre nach dem Auftritt in der Markthalle die Geister an dieser Band scheiden, wenngleich die Zeiten der fliegenden Bierflaschen zum Glück vorbei sind.

Bewertung: 4,5/10

Veröffentlichungsdatum: 06.02.2015

Über Bernd Cramer 1594 Artikel
Konzert-Junkie & Vinyl-Liebhaber. Schreibt über Musik, ohne zu Architektur zu tanzen.