BOUND STEMS – Appreciation night

Was passiert, wenn man die Lieblingssongs seiner Lieblingsbands übereinander stapelt, alles gleichzeitig laufen lässt und obendrein noch am Geschwindigkeitsregler rumfummelt? Große Hektik! Puh. Wenn die vermeintlichen Lieblingsbands dann aber MODEST MOUSE oder BROKEN SOCIAL SCENE heißen, sind das immerhin nicht die schlechtesten Referenzen, um einen günstigen Senkrechtstart hinzulegen. Aber diese Hektik! Zählen Hyperaktivität und ADS neuerdings nicht mehr zu den Verhaltensanomalien? Und bedienen die BOUND STEMS somit nur die neue Normalität? Bin es am Ende bloß ich, die da nicht mehr hinterher kommt? Oder haben wir es hier womöglich gar mit einem Gegenentwurf zur allgemeinen Rastlosigkeit zu tun, wo jeder Trend im übernächsten Jahr schon mit Retro- oder Neo-Präfix wiedergeboren wird? Denn eigentlich zwingt „Appreciation night“, sich mal ordentlich hinzusetzen und wirklich zuzuhören. Ein breit angelegtes Verständnis für sehr offene Strukturen, halsbrecherische Breaks, vertrackte Arrangements und eingestreute Gimmicks sollte man aber schon mitbringen. Gleich zu Beginn bei „Andover“ schauen erst mal MODEST MOUSE durch die Tür, bevor dann die Leichtigkeit und Verspieltheit von ARCHITECTURE IN HELSINKI auspackt wird. „This is grand“ will dann aber wieder mit MODEST MOUSE spielen. Bei „Western biographic“ und „55 cross st.“ überkommt die Truppe aus Chicago plötzlich der BROKEN SOCIAL SCENE’sche Größenwahnsinn. Und überhaupt galoppiert das Schlagzeug immer irgendwie voraus. Bisschen wie bei diesem Spiel, bei dem man die Antworten jeweils um eine Frage versetzt geben muss. „Refuse the refuse“ klingt dann wieder wie MODEST MOUSE. Sowas aber auch. Insgesamt gibt sich das Ende etwas zahmer (denkt man zumindest erst mal), haut aber auch mit „Rising life and limb for the coupon“ einen der besten Songs raus. Das wechselt allerdings auch gerne mal, das mit dem besten Song. Man muss ja ständig so viel entdecken. Verdreht einen ganz den Kopf, dass man gar nicht weiß, ist das nun alles unbedingt empfehlenswert oder doch zuviel Kopie. Aber Wahnsinn ist prinzipiell immer schon mal lohnenswert. Erst mal sacken lassen.

Bewertung: 8/10

Veröffentlichungsdatum: 26.01.2007