BLEIBENDE SCHÄDEN – Vintage Karma

BLEIBENDE SCHÄDEN sind wieder da. Ihr zweites Album „Vintage Karma“ fällt zuallererst durch den ungewohnten Klang auf. Die Band verzichtet bewusst auf die modern fette Produktion und setzt auf natürliche Instrumentenklänge und -dynamik. Hat man das erstmal kapiert und den Verstärker etwas aufgerissen, kommt man auch in den vollen Genuss der sehr räumlichen und transparenten Produktion. Musikalisch hat sich vier Jahre nach dem Debüt einiges getan. Die Band bewegt sich auf keinem geraden Pfad, sondern biegt eigentlich in jedem Song mal nach rechts oder links ab und verweilt in kleinen Dörfern die da heißen Surfbeat, Deutschrock, Liedermacher, Jazz, Chanson oder Americana. Neben dem üblichen Rockinstrumentarium kommen einige akustische Instrumente und Bläser zum Einsatz. Pluspunkte sammeln BLEIBENDE SCHÄDEN mit ihren Texten, die deutliche Einflüsse alter deutscher Agit-Rocker wie TON STEINE SCHERBEN oder IHRE KINDER, aber auch die deutscher Liedermacher (z.B. HANNES WADER) tragen („Wolkenloser Himmel“). Handwerklich sind die Songs allesamt blitzsauber umgesetzt, die Arrangements abwechslungsreich und originell; Musik, die auch gut unterm Kopfhörer funktioniert. Minuspunkte fährt „Vintage Karma“ hingegen mit der grundlegenden Ausrichtung der Songs ein. Das klingt alles sehr gesetzt und gediegen, fast ein wenig altmodisch, die jazzigen Ausflüge sogar etwas elitär. Eher bei frühem Lindenberg und Reiser als im Hier und Jetzt. Zeitgenössische Parallelen? Vielleicht ein TOM LIWA? Vom Gesang her kommt mir aber öfters ein Herwig Mitteregger (SPLIFF) in den Sinn. Als Bonussong gibt es einen fast 12-minütigen Jurda Schlant-Remix namens „Would you cum to my place“, das in der ersten Hälfte mit seinen leicht dubbig psychedelischen Endlosschleifen wie eine frühe Aufnahme der LOW FREQUENCY IN STEREO klingt, im zweiten Teil mit orientalischem Touch in den Untiefen Electronicas versinkt, letztendlich nervt, wie ein Fremdkörper wirkt und einem keine andere Wahl lässt, als den Abspielvorgang frühzeitig abzubrechen. Als Anspieltipps seien jedoch das verschmitzte „Der Punk im Überraschungsei“, „Exil“, „Haifischzahn“ und das „Vintage Karma Intro“ empfohlen, obwohl es nach 1.15 Minuten völlig unmotiviert und gefühlfrei abgewürgt und ausgeblendet wird.

Bewertung: 6/10

Veröffentlichungsdatum: 25.05.2009