ALLAH-LAS – s/t

Das gleichnamige Album der Band ALLAH-LAS startet relativ unscheinbar: Zwei Gitarren, die mit Halleffekten nicht gerade geizen, schlagen vereinzelte Akkorde an, bevor dann der leicht schleppende Schlagzeugrhythmus einsetzt. Es wabert ordentlich, das für diese Spielart der Musik obligatorische Tambourine fehlt nicht und schnell wird klar, was hier zu erwarten ist: Beatmusik mit klirrenden Twanggitarren, Echos en masse, gelegentlich einer souligen Orgel, rumpelnden Drums und fernen Ahhahh-Chören. Eigentlich ganz cool, nur…ja was nur? Es bleibt leider genau so das komplette Album hindurch. Eine kleinere Ausnahme stellt nur das instrumentale „Ela navega“ dar, das einen Bossa Nova anzitiert, ehe es mit Meeresrauschen ausfadet und in der Mitte des Albums eine angenehme Verschnaufpause bringt.
Der Sound ist definitiv authentisch, klingt rau und roh. Es wird auf Hochglanz verzichtet, was der Musik sehr gut zu Gesicht steht und was man sich bei diesem Stil wünscht. Die Songs funktionieren alle zweifellos, sind rund, denn schließlich hat sich die hier verwendete Songstruktur weit über ein halbes Jahrhundert bewährt. Nur ist gerade das das große Problem dieser Platte, denn wer will heutzutage genau das zum xten mal bestätigt haben, was ohnehin schon klar ist?
Gut, man könnte noch einen anderen Ansatz hinter der Musik überlegen: Die Musik nimmt sich zurück, um den Texten, den Geschichten, Raum zu lassen. Jedoch läuft diese Idee schnell ins Leere. Die Texte sind allzu genretypisch und banal, als dass man sich länger mit ihnen beschäftigen müsste. Sie stören nicht. Ja, warum stören sie eigentlich nicht mal? Und wo bleiben die im Infotext angekündigten Psychedelic-Passagen? So stampft sich das Album durch seine zwölf Stücke und hört genau so unscheinbar auf, wie es begonnen hat. Seltsam irgendwie.
Im Großen und Ganzen machen Allah Las bei dem, was sie uns hier darbieten, nichts falsch, aber sie wagen auch nichts. Sie wirken eher in ihrem Klangkostüm gefangen. Die Musik hat etwas leicht Verstaubtes an sich, denn hier gibt es zwar soundästhetisch 1A stimmige, jedoch aber auch alles, was sich nach 1970 in der Popkultur ereignet hatte, komplett ignorierende Beatmusik. Es stellt sich die Frage: Soll ich nicht lieber in einen Plattenladen gehen und mir die Originale besorgen oder doch die Kopie kaufen, weil das vier gut aussehende Jungs sind, die noch dazu aus dem hippen L.A. kommen? Zu Zeiten der Retromania kann man so etwas wohl machen, aber auf Innovation oder Überraschung sollte man nicht hoffen. Es ist eben doch ein wenig so, wie wenn man auf dem Dachboden der Großeltern die Kleiderkisten durchwühlt: Es sind coole Stücke dabei, aber dennoch riechen sie alle komisch.

Bewertung: 4,5/10

Veröffentlichungsdatum: 26.10.2012