Im Vergleich zu früher, als man nie so recht wusste, wann Konzerte tatsächlich beginnen – und selbst unter der Woche nicht selten erst nach Mitternacht endeten –, hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Zum einen finden Shows inzwischen (zum Glück) früher statt, zum anderen kann man sich auf die offiziellen Angaben zu Einlass und Beginn meist verlassen. Die einzige Ungewissheit: Spielt noch ein Support – oder geht es direkt mit dem Main Act los?
Bei L.A. SALAMI war 20 Uhr angekündigt, und der Bühnenaufbau ließ vermuten, dass es keine Vorband geben würde. Zunächst passierte: nichts. Erst um 20:30 zeichnete sich erstmals Bewegung hinter der Bühne ab, um 20:45 stand die Band schließlich auf der Bühne. Nun gut – Soundcheck, Catering, die üblichen Verzögerungen. Als Lookman Adekunle Salami dann jedoch minutenlang damit beschäftigt war, sich Gitarre und Mundharmonika anzulegen, lag der Verdacht nahe, dass hinter der Bühne noch kurzfristig an der Entschleunigung gearbeitet wurde.
Diese Haltung spiegelte sich auch in der Musik des britischen Singer-Songwriters wider, der von Bass und Schlagzeug begleitet wurde. Für die ersten drei Songs brauchte das Trio gut eine halbe Stunde – nicht zuletzt, weil auch zwischen den Stücken Zeit verging: etwa, wenn beim Gitarrenwechsel das Instrument erst einmal aus dem Ständer fiel und wieder aufgerichtet werden musste. Ein langer Abend schien sich anzudeuten.
Doch nach etwa 30 Minuten stellte sich eine gewisse Dynamik ein – oder vielmehr: eine gemeinsame Frequenz. Als Publikum passte man sich allmählich dem Modus an, den die drei Briten ausstrahlten: zurücklehnen, treiben lassen, Tempo rausnehmen. Und tatsächlich gelang es ihnen, im Molotow eine angenehm entspannte Atmosphäre zu erzeugen – irgendwo zwischen Wohnzimmerkonzert und Lagerfeuer am Strand.
Während Lookman nach nahezu jedem Song Mundharmonika oder Kapodaster neu justierte, agierten seine Mitmusiker unauffällig, aber präzise. Man musste unweigerlich an die alte Musikerweisheit denken: Sind die Drums tight, verzeiht man vieles – umgekehrt eher nicht. An diesem Abend schien sich das zu bestätigen. So eindrucksvoll Lookmans Stimme auch ist, seine Gitarre war nicht immer sauber gestimmt – was dank Effektpedalen jedoch selten wirklich störte.
Beim vorletzten Stück „Why?“ suchte er eine Weile nach den richtigen Akkorden, während der Drummer geduldig wartete, bis der Song schließlich einsetzte. Für das abschließende „Deformation days“, solo vorgetragen, war die Gitarre schließlich doch zu weit daneben: Abbruch, kurzer Neustart – dann gelang auch das.
Am Ende bleibt ein schönes, ungewohnt relaxtes Konzert. Eines, wie man es im Molotow eher selten erlebt.
photo: Ibi Köster