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THE MORNING STARS – A hymn without a sound

Wenn sich Musikerinnen und Musiker aus etablierten Bands neu formieren, schwingt immer ein unausgesprochener Erwartungsdruck mit. Eine Art Supergroup-Bonus, der schnell zur Bürde wird: Es soll bitte mehr sein als die Summe der einzelnen Teile. Selbst wenn sich die vorherigen Bands nicht durch allzu kompliziertes Songwriting ausgezeichnet haben.
Meine erste Begegnung mit THE MORNING STARS – als Support für OSTZONENSUPPENWÜRFELMACHENKREBS – ließ mich entsprechend ratlos zurück. Das war zweifellos interessant, was Barbara Morgenstern, Alex Paulick, Sebastian Vogel und Felix Müller da auf die Bühne stellten. Aber zwischen aufblitzenden Pop-Momenten und sperrigen Strukturen wirkte das zunächst eher wie ein kluges Konzept als wie Musik, die sich unmittelbar öffnet.
Ein Blick auf die Vita der Beteiligten – KREIDLER, SPORT, KANTE, BARBARA MORGENSTERN, BRITTA usw. – erklärt diese Reibung vielleicht. Stilistisch lagen diese Projekte nie eng beieinander, Experimentierfreude war jedoch allen gemein. Und so verweigern sich auch THE MORNING STARS jeder klaren Zuordnung. Indie, Pop, Kraut, Dreampop, Shoegaze, Elektronik, Postrock, ein Hauch Prog – vieles ist hörbar, nichts dominiert. Besonders prägend sind die choralen Passagen, vor allem im letzten Stück „The everything“, die dem Album eine fast sakrale Weite verleihen.
Ja, man darf diese Musik durchaus als komplex bezeichnen, meinetwegen auch als Post-Postrock, wie ich irgendwo las. Aber die anfängliche Distanz ist kein Ausschlusskriterium, sondern Teil des Konzepts. „A hymn without a sound“ fordert Geduld, mitunter auch Durchhaltevermögen – schon allein wegen der bis zu neunminütigen Stücke. Radiotauglichkeit steht hier nicht auf dem Zettel. Doch genau darin liegt die Stärke dieses Albums: Es wächst. Mit jedem Durchgang verschieben sich die Koordinaten, werden Melodien greifbarer, Spannungsbögen schlüssiger. Was zunächst kühl und konstruiert wirkte, entfaltet eine eigene, stille Sogwirkung. Ein zweites Konzert würde ich heute mit anderen Ohren hören. Und vermutlich auch mit größerer Begeisterung.

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