Kurz & schmerzlos (Juli – September 2021) – CD-Besprechungen in aller Kürze

(so) Testzentren. Man kann es ja kaum noch hören, oder? Und wenn man in einer Schule arbeitet, dann hat man auch noch das große Glück, quasi in einem Testzentrum zu arbeiten, zumindest an drei Tagen in der Woche. Über tausend Schüler:innen werden dann getestet, vielleicht demnächst, nach der letzten Impfaktion, ein paar weniger. Dennoch ein ganz schön logistischer Aufwand, der da betrieben wird. Gibt es eine positive Testung, müssen Eltern, Sitznachbar:innen, Kolleg:innen usw. informiert werden. Immer was los. „Und all die Unterrichtszeit, die dadurch verloren geht!“ … ja, genau, das ist jetzt das Wichtigste, stimmt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut unsere doch als so problematisch empfundenen Schüler:innen es mit all den Regeln und Abläufen hinbekommen, dafür gebührt ihnen hoffentlich nicht nur mein Respekt.
Warum ich das erzähle? Nun ja. Irgendwie sind wir ja auch beim blueprint-fanzine eine Art Testzentrum. Auch wir geben positive oder negative Ergebnisse heraus, auch wenn bei uns die Bedeutung wieder umgedreht ist. Zwar werden nicht dreimal wöchentlich 1000 Alben getestet, aber doch so einige Monat für Monat. Auch dies ist ein ganz schöner logistischer Aufwand. Informiert werden die Bands, die PR-Abteilungen usw. Und ich bin immer wieder erstaunt, wie viele gute und interessante Alben uns erreichen. Leider schaffen es nicht alle in eine volle Rezension. Doch auch denen, die es „nur“ ins Testzentrum “kurz und schmerzlos” schaffen, gebührt hoffentlich unser aller Respekt dafür, sich in die öffentliche Kritik zu werfen.
Hier nun also die Ergebnisse unserer letzten Testungen, von verschiedenen Musikologen durchgeführt:

 

ANGRUSORI – Live at Tou (Label: Hudson Records, VÖ: 07.05.2021)
(jg) Früher galten Weltmusik und experimentelle Musik für mich als unhörbar. Aber früher mochte ich auch keinen Jazz. Zeiten ändern sich eben, und hinter ANGRUSORI stecken zum einen das KITCHEN ORCHESTRA aus Norwegen und zum anderen Musiker aus der slowakischen Romamusik-Community, die hier zusammen improvisieren. Hier wird also ethnische Tradition mit zeitgenössischer Klassik verbunden. Die Kombination geht musikalisch durchaus auf, dass hier zwei sehr verschiedene Stile miteinander vermischt werden, fällt dabei kaum auf. Und dennoch kann ich mit dem Ergebnis nur recht wenig anfangen. Zu mystisch und transzendent, ganz so als ob ich mich weit nach Mitternacht auf einer großen Feier im Balkan wiederfinde, wo seit Stunden Julischka gebechert wurde und die Stimmung bereits zu eskalieren droht. Schräg.
https://angrusori.bandcamp.com/album/live-at-tou

DIEMEN SNIEP – „Life without adrenaline“ (Label: Jaune Orange, VÖ: 02.09.2021)
(bc) Mal wieder so ein experimentelles Multi-Instrumentalisten-Post-Rock-Ding, mit dem ich persönlich so gar nix anfangen kann. Als Vergleiche werden im Infoschreiben SWANS und DAUGHTERS herangezogen. Wer mit denen etwas anfangen kann, liegt auch mit den Belgiern von DIEMEN SNIEP möglicherweise goldrichtig. Für meinen Geschmack klingt „Life without adrenaline“ hingegen zu sphärisch und langatmig.
https://www.facebook.com/diemensniep/

ESTER POLY – Wet (Label: Hummus Records, VÖ: 20.08.2021)
(so) Hm, tja, nun. Das Duo ESTER POLY aus der Schweiz ist sehr sozialkritisch (alleine schon der Opener „Respect my Speck“ macht das sehr deutlich) und musikalisch keinem Experiment verschlossen. Letzteres macht „Wet“ allerdings leider auch ziemlich anstrengend, teilweise sogar enervierend. Monoton-konsequente Basslinien bilden die Gleise für alle anderen Effekte und Anteile der Songs. Mit dem, was sie sagen, haben die beiden Frauen aus Zürich und Genf absolut recht, ob sie nun die Gleichberechtigung oder das Wiedererstarken des Nationalismus ansprechen. Dennoch hätte ich mir mehr EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN und weniger quirligen Noise gewünscht. Fällt für mich unter die Kategorie „Kunst“.
https://www.facebook.com/esterpolymusic

GHOST TWIN – Love songs for end times (Label: Artoffact, VÖ: 04.06.2021)
(so) Synthpop mit Frauengesang. An sich eine echt gute Sache. Musikalisch können GHOST TWIN mich auch tatsächlich ziemlich beeindrucken, das sind wundervoll verspielte Synthielinien, wie sie S.P.O.C.K. in etwas härter und DEPECHE MODE in etwas dunkler auch hervorgebracht haben. Mein persönliches Aber ist dann jedoch die Frauenstimme. Diese ist mir zu sehr im Bereich des Goth-Metal angesiedelt und würde eher zu NIGHTWISH passen. Ja, das ist durchaus hymnisch, macht das Gesamtbild meiner Meinung nach jedoch einfach zu triefend-süß. Der männliche Part hätte hier (tut mir leid) ausgereicht, um deutlich mehr Stimmung zu erzeugen. Dennoch eine Synthpop-Scheibe, die man durchaus hören kann, insbesondere die instrumentalen Parts. Wenn da nur nicht… ach, egal.
https://ghosttwin.bandcamp.com/

GIBRISH – „Adalsbanan“ (Label: Paraply Records, VÖ: 24.09.021)
(bc) Die Musik von GIBRISH kann man wohl am treffendsten als Southern- oder Blues-Rock bezeichnen, wobei die Besonderheit ist, dass die Schweden im Gegensatz zu den allseits bekannten Genre-Größen in ihrer Muttersprache singen. Und das ist noch nicht alles in puncto Heimatbezug, denn thematisch handelt es sich hier wohl um eine Art Konzeptalbum, das sich mit dem im Jahre 1931 in Nordschweden stattgefundenen Arbeiterstreik und dessen blutiger Niederschlagung durch das Militär auseinandersetzt. Insofern doch recht speziell das Ganze.
https://www.facebook.com/gibrish2

GREGARIO – Nomads on hold-EP (Label: Eigenregie; VÖ: 25.06.2021)
(jg) Die Vermischung von Piano und Electronics ist mittlerweile ja nicht mehr allzu neu, ein Klavier aber einzig und allein mit einem Schlagzeug zu kombinieren, ist gewiss ungewöhnlich. Diese Kollaboration geht im Fall von GREGARIO aber sehr gut auf. Während David André am Klavier zwischen verträumten Momenten und düsteren Arpeggios wechselt, wird er an den Drums von Paul Fox, einem renommierten Luxemburger Jazzschlagzeuger, unterstützt, der die Stücke mal dezent, mal dynamisch ergänzt. Dass auch David André zuvor bereits verschiedene Instrumente (Bass, Gitarre, Synthies) in unterschiedlichen Bands zwischen Post-, Indie- und Math-Rock gespielt hat, fließt hier als Erfahrung durchaus fruchtbar mit ein. Nach der zweiten EP sollte sich für ein Album nun doch hoffentlich auch ein interessiertes Label finden, das hier zuschlägt.
https://gregario.bandcamp.com/album/nomads-on-hold

JENNIFER PORTER – Sun come and shine (Label: Cougar Moon Music, VÖ: 18.06.2021)
(so) Hm. Ein Album, bei dem ich mich ernsthaft frage, warum es bei mir gelandet ist. Ich mag weder Soul, noch Jazz, noch was auch immer das ist, was wir auf „Sun come and shine“ hören. Und bei Bläsern, die hier auch noch eingesetzt werden, werde ich dann endgültig latent wahnsinnig. Nette Fahrstuhlmusik, die ich aber nur vom ersten bis zum zweiten Stock ertrage, bevor ich dann doch die Treppen nehme (und das will wahrlich was heißen!). JENNIFER PORTER lässt bestimmt einige Herzen mit ihrer sanft-erotischen Stimme höher schlagen, meines ist dafür zu kalt und schwarz. Somit finden wir beide wohl nicht zusammen, zumindest nicht in diesem Leben. Nun ja. Schicksal.
https://www.facebook.com/JenniferNicholePorter

JOSEPHINE JOHNSON – Double high five (Label: Kick A$$ Taking Names, VÖ: 10.09.2021)
(so) Tja. Der Refrain des Openers „Built to last“ beschreibt eigentlich ganz schön, wie die Musik von JOSEPHINE JOHNSON auf mich wirkt: „Lalalalalalalala“. Nette Nebenher-Musik, Americana-geprägt und gespickt mit Pickings auf der Akustikgitarre. Sobald die Sängerin in den leicht rauchigen Bereich hineingeht, wird es zumindest kurzfristig interessanter, und man möchte sich mit ihr auf einen Whiskey an den Tresen setzen. Ansonsten recht 08/15-Singer/Songwriter-Musik amerikanischer Prägung, mit einigen Peaks und einigen Flatlines. Oft schlicht zu wenig spannend, um wirklich dauerhaft hängen zu bleiben. „Double high five“ bekommt von mir einen netten Schulterklopfer, aber kein High Five.
https://www.facebook.com/JosephineJohnsonMusic

LA JUNGLE – „Fall off the apex“ (Label: Rockerill Records, VÖ: 21.05.2021)
(bc) Irgendwie habe ich den Eindruck, dass bei uns in letzter Zeit vermehrt seltsame Tonträger eintrudeln. So auch im Fall des belgischen Duos LA JUNGLE: Bereits das Artwork mit seiner skurrilen Kombination aus Kühen und König Artus-Kulisse irritiert mich schwer. Die Musik, die eine experimentelle Mischung aus monoton-hypnotischen Soundscapes und Noise-Ausbrüchen ist, wirkt ähnlich verstörend. Oder wie es das Info umschreibt: „Their music may even include brief oriental doom pulses or metal diversion bag in the middle of some kraut rock epic trip”. Mehr fällt mir dazu auch nicht ein…
https://de-de.facebook.com/lajungleband/

MITCHELL MANBURG – „Laplace resonance“ (Eigenvertrieb, VÖ 18.06.2021)
(bc) Hm, wäre dies hier keine CD, sondern eine Schallplatte, würde ich erstmal nachschauen, ob sie tatsächlich in der richtigen Geschwindigkeit läuft, oder auf 45RPM umgeschaltet werden muss. Denn die hier vertretenen fünf Songs des kalifornischen Singer/Songwriters klingen doch sehr bedächtig und ziehen sich gefühlt ganz schön in die Länge. Aber wenn ich das Infoschreiben richtig verstehe, gehört dies durchaus zum Konzept: MITCHELL MANBURG versucht, mit seiner Musik persönliche Lebenskrisen zu bewältigen und in Zeiten sich überschlagender Ereignisse einen Ruhepol entgegenzusetzen. Ich wünsche ihm dabei viel Erfolg.
https://mitchellmanburgmusic.com/

MR. DIAGONAL – North Pacific (Label: Eigenregie, VÖ: 23.07.2021)
(so) Ist das furchtbar. Verhallte Musik mit Ukulele und anderem Beiwerk, das einfach nur wie draufgesetzt klingt. Dazu eine Stimme, die mich überhaupt nicht bekommt, so nahezu emotionslos, wie MR. DIAGONAL seine Songs vorträgt. Bestimmt ist auch dieses Album mit viel Elan und Motivation aufgenommen worden, und bestimmt gibt es Menschen, denen dieser krude Mischmasch aus einfach Allem gut gefällt. Für mich war spätestens bei „Hyoryo no tegami“ Schluss, welch ein peinlicher Versuch, irgendwie nach Japan zu klingen. Und so hallt (wie die Musik) auch die Frage wieder in meinem Kopf nach… „Wieso habe ich diese CD bekommen?“
https://blacklightorchestra.bandcamp.com/

MY SWEETEST PUNCH – 2 (Label: Paraply Records, VÖ: 28.05.2021)
(so) Ach ja. Leider muss ich auch hier wieder das Wort „nett“ benutzen. Ganz nette Nebenbeimusik, die MY SWEETEST PUNCH hier machen, unspektakulär, gut gespielt, poppig, ein bisschen Indie für das Besondere und viel „kenn ich, hak ich ab.“. Auf Dauer ist „2“ leider auch etwas langweilig, weil es eben so gar nicht aus der Masse heraussticht. Mit deutschen Texten würde es sehr gut in die Sparte „Deutschrock“ passen. Aber MY SWEETEST PUNCH kommen aus Schweden, da wird das wohl nix. Schweden? Moment, da kommt doch sonst immer so viel Gutes her… Ausnahmen bestätigen hier natürlich auch die Regel. Aber schlecht ist’s wirklich nicht, nur halt auch nicht überzeugend.
https://www.facebook.com/mysweetestpunch/

PAUL DUTTON – Parallel spark (Label: Eigenregie; VÖ: 25.06.2021)
(jg) Zuvor in Bands wie STRANGE PILGRIM, JOSHUA BARNHART, SPIRIT FOX und ANDREW VICTOR unterwegs, legt PAUL DUTTON mit “Parallel spark” sein Solo-Debüt vor, das aber überhaupt nicht “solo” und schon gar nicht nach Singer/Songwriter klingt. Stattdessen schafft der Mann aus New Jersey eine interessante Mischung aus Grunge, Psychedelic, Blues und Heavy Rock. Klingt erst mal nicht einladend, aber irgendwie vereint Dutton hier die besten Momente von ALICE IN CHAINS, neueren MOTORPSYCHO und KARMA TO BURN miteinander, kombiniert mit einer angenehm ruhigen Stimme, die mich ein wenig an Maynard James Keenan (A PERFECT CIRCLE, TOOL) erinnern lässt. So bietet der Gesang auf der einen Seite einen schönen Kontrast zur Musik, hält das Ganze im selben Moment aber auch toll zusammen. Ich bin selbst etwas überrascht, dass mir das Ergebnis ziemlich gut gefällt.
https://pauldutton.bandcamp.com/album/parallel-spark

PETER PIEK – Paintings
(jg) “Hey Sebastian! Du hast mir von PETER PIEK nur einen Katalog mit Bildern zugeschickt, aber kein neues Album. Sicherlich ein Versehen, oder?” “Huhu Jens, nee, das war tatsächlich so geplant. Es gibt keinerlei physisches Produkt hier. Halt außer dem neuen Katalog von ihm, der in enger Verbindung mit dem Live-Album steht. Die Bilder sind zur selben Zeit im selben Raum entstanden.” Oh je. Was soll ich bitte dazu schreiben, der in der Grundschule ausschließlich Zweien im Zeugnis hatte, außer in Kunst – dort eine Drei. PETER PIEK scheint tatsächlich ein Künstler durch und durch zu sein. Sein letztes Album hat er auf der Fahrt der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Peking produziert und gleichzeitig alles von HipHop bis Avantgarde, LoFi-Indiepop und Singer/Songwriter verwurstet. Ähnlich verschlungen soll auch sein neues Album klingen. Seine Bilder? Sehr farbenfroh, ähnlich verspielt wie die Musik. Ich erkenne Kreuze, Augen, Schraffuren, Türme, eine schiefe Nase und vor allem: sehr viele Farben. Alles sehr locker, scheinbar spontan und ohne Vorgaben, in sich aber doch einheitlich. Parallelen zur Musik? Auf alle Fälle! Alles leuchtet, comichafte Szenen von Farbklecksen überdeckt. Ob die Bilder auf einer rechteckigen weißen Leinwand festgehalten wurden oder die Außengrenzen ausgeschnitten wurden? Man weiß es nicht. Ein Bild, das er vor die Zschopau hält, lässt Letzteres vermuten. “Ich dachte es wäre mal nett, etwas Anderes auszusenden und damit Peters Bandbreite zu veranschaulichen”, schreibt der nette Mensch von der Promoagentur noch. Das ist Dir eindrücklich gelungen, Sebastian!
https://www.peterpiek.com/#/home

SUNCRAFT – The flat earth rider (Label: All Good Clean Records; VÖ: 06.08.2021)
(jg) Das nennt man wohl “Heavy Rock”. Irgendwo zwischen BLACK SABBATH, SPIRITUAL BEGGARS und HAWKWIND sind SUNCRAFT aus Oslo einzuordnen, die ihr Debüt “The flat earth rider” komplett in der Corona-Zeit geschrieben und aufgenommen haben. Aber was an den Norwegern interessant ist: irgendwie sind sie eingängiger, vielleicht auch besser produziert als viele Genre-Kollegen, zudem technisch recht versiert und im Songwriting ziemlich abwechslungsreich. Sechs Songs mit einer Gesamtspielzeit von einer guten halben Stunde – das darf man durchaus schon als ihr Debüt-“Album” bezeichnen.
https://suncraftband.bandcamp.com/

THE BEAUTIFUL ART OF DECAY – „Sounds of a promosing future“ (Label: Paraply Records, VÖ: 17.09.2021)
(bc) Dem Info zufolge sollen die Mitglieder von THE BEAUTIFUL ART OF DECAY in der Vergangenheit in diversen Stockholmer Punk- und Post-Punk-Formationen mitgewirkt haben. Dies hört man den Songs auf dieser EP allerdings kaum an: Der Opener geht vielleicht noch als Indie durch, im Anschluss kippt das Ganze dann eher Richtung Americana und Blues-Rock. Für meinen Geschmack klingt „Sounds of a promosing future“ somit letztendlich viel zu unspektakulär – allerdings dürfte das strategische Ziel der Band auch eher darin liegen, ein möglichst großes Publikum zu erreichen, als die Schreiber unbedeutender Online-Fanzines von sich zu überzeugen.
https://de-de.facebook.com/TBAoD/

THE UPTIGHTS – It’s for them that the lights twinkle (Label: keepsecretrecords, VÖ: 25.06.2021)
(so) Der Opening-Track ist einfach nur beängstigend und könnte der Vorspann zu einem ziemlich guten Horror-Game oder -Film sein. Stell dir mal vor, jemand spricht so auf deinen AB… danach wird es fast schon zerstörerisch bei THE UPTIGHTS, krachende Gitarren, eine Kakophonie aus Lärm und Melodie, irgendwie faszinierend, irgendwie seltsam und kaputt. Ist das noch Wave? Ist das schon Noise? Ist das vielleicht beides? Die Antwort darf sich jeder selbst suchen auf „It’s for them that the lights twinkle“. Wobei ich ehrlich sagen muss, hier blinkt kaum mal ein Licht, zumindest kein helles. Hier geht es eher hinab in die Dunkelheit, bewaffnet mit einem tropfenden Kerzenhalter und viel Lärm. Das ist irgendwie echt faszinierend, ich kann mich nur wiederholen. Vielleicht der beste Soundtrack zu einem Albtraum, den ich bisher gehört habe.
https://theuptights.bandcamp.com/

TRIPTONUS – Soundless voice (Label: Triptonus Records, VÖ: 30.07.2021)
(jg) TRIPTONUS sind bereits seit 2012 gemeinsam unterwegs und vereinen seitdem die verschiedensten Einflüsse aus Rockmusik, Psychedelic, Weltmusik und Metal miteinander zu einem akustischen Kaleidoskop. Hier kommen neben dem klassischen Rockinstrumentarium auch ausgefallene Instrumente wie Hackbrett, Didgeridoo und eine hawaiianische “Frying Pan” zum Einsatz. Genauso künstlerisch wertvoll wie die Musik fällt auch das psychedelische Coverartwork aus. Natürlich ist dies Musik von Muckern für Mucker mit Songlängen von gerne mal neun Minuten. Aber gemeinsame Konzerte mit RADIO MOSCOW, KARMA TO BURN und ROTOR zeigen zugleich auf, dass die potentielle Zielgruppe gar nicht so klein ist, wie man zunächst einmal denken könnte.
https://triptonusband.bandcamp.com/album/soundless-voice

V.A. – „Prokrastinierende Revolutionäre Vol. 3“ (Eigenvertrieb, VÖ: 11.09.2021)
(bc) Auch wenn der Titel dieser Compilation den 20 vertretenen Bands unterstellt, die Revolution zu verschleppen – Deutschpunk-Fans kommen hier dennoch auf ihre Kosten! Bekannte Namen sucht man hier zwar vergeblich, dafür offenbart der dritte Teil der „Prokrastinierende Revolutionäre“-Serie ein buntes Genre-Sammelsurium, das von an Spät-Neunziger-Jahre-Ostpunk erinnernde Schrammelkombos (FREI STATT SICHER, FUCK’IT’HEAD) über potentielle „Schlachtrufe BRD“-Kandidaten (RAFFNIX, ANSCHLAG), Punk-Rap- und Elektro-Trash-Formationen (BAßGOLD, E-ALDI) bis hin zu eingängigen Pop-Punk-Verfechtern (DIE ERWINS) reicht. Der Sampler wird kostenlos bzw. gegen Spende sowohl als CD als auch digital unters Volk gestreut, alle Erlöse gehen dabei an die Stuttgarter Hilfsorganisation STELP, die humanitäre Projekte in Krisenregionen realisiert. Alleine schon deswegen eine gute Sache.
https://deutschpunksampler.bandcamp.com/album/prokrastinierende-revolution-re-vol-3

Über Simon-Dominik Otte 922 Artikel
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