HUSTEN – Aus allen Nähten

Aus allen Nähten erinnert mich derzeit leider am meisten an mich selbst und meinen Anzug-Kauf für den Abiball meiner ehemaligen Klasse. Nun ja. Egal. Jedenfalls: HUSTEN – Aus allen Nähten. GISBERT ZU KNYPHAUSEN und seine Mitstreiter hatten bereits weit vor der Pandemie angekündigt, dass es eine Tour geben solle, die nun – wie so viele andere – eben der Pandemie zum Opfer gefallen ist. Also, dann lieber mal ein Album machen, nach vier EPs ja auch nicht die schlechteste Idee.
Gewohnt großartige Texte treffen sich mit herrlichen Arrangements, um gemeinsam einen Song zu schaffen. Einen? Nein, zehn. Und ja, es gibt die Momente, wo man weiß: “Der hier wird weh tun!”, es gibt die Songs, die eben das sagen – und es ist nicht nur der dementsprechend betitelte. “Aus allen Nähten” erzählt wieder einmal Geschichten. Geschichten, die wir alle vielleicht schon einmal erlebt haben, oder solche, die wir vielleicht noch erleben. Oder auch nicht. Das spielt auch nicht wirklich die große Rolle. Viel wichtiger ist das, was uns HUSTEN mitteilen wollen – und wie sie es tun. Musikalisch zwischen Pop und Indie, Gitarre und Keyboard, textlich immer ganz weit vorne. HUSTEN überzeugen auch auf Albumlänge (und nicht nur mit diesem wunderschönen SOPHIE HUNGER Gastsong!), und man ist froh, dass die Pandemie eine Pause macht, damit es vielleicht doch noch zu der längst angekündigten Tour kommt. Denn diese Songs verdienen es, live gespielt und gehört zu werden. Ich hoffe, die Säle platzen aus allen Nähten.
 

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Mensch. Musiker (#Nullmorphem). Schauspieler (#BUSC). Rezensent (#blueprintfanzine). Come on, @effzeh! AFP-Fan. (#Amandapalmer). Lehrer. Und überhaupt. Und so.