WE ARE THE CITY – Violent

Geht gut los! Mit einem vertrackten Schlagzeugspiel, einem Xylophon, auf dem es auf und ab geht, und poppigen Gesangsmelodien. "Bottom oft he lake" ist definitiv ein gelungener Opener, der Erinnerungen an alte Sinnbus-Zeiten weckt, damals, als ich auf dem Immergut-Festival zum ersten Mal von diesem Berliner Label erfuhr, das seine CDs im Hochformat ins Regal stellte und noch keine zehn Alben veröffentlicht hatte, vorrangig aus den Sparten Post-Punk und Post-Rock. Danach ging es verstärkt in Richtung Elektronik, die Verkaufszahlen gingen nach oben, mein Interesse am Label eher nach unten. Wobei es nie vollkommen aus meinem Blickwinkel verschwand, denn schließlich waren mit RUE ROYALE, EINAR STRAY, ME & MY DRUMMER und anderen nach wie vor interessante Acts dabei. Nun aber zurück zu WE ARE THE CITY, ein Trio aus Vancouver, das mit "Violent" erstmals auf Sinnbus veröffentlicht. Neu auf dem Markt ist die Band nicht: man musiziert bereits seit fast zehn Jahren gemeinsam, hat bereits ein Album und eine EP veröffentlicht, nebenbei sind die drei Herren im Bereich Film aktiv und werden zum Teil auch als Familienväter gefordert.
Bevor nun aber ihr zweites Full Length "Violent" erscheint, haben sie mit dem gleichnamigen Film, der direkt davor erschien, zahlreiche internationale Filmpreise abgeräumt. Ob ihnen dies mit der Musik auch gelingt, sei dahingestellt. Eingängigkeit geht definitiv anders, und meine anfängliche Euphorie lässt mit der Zeit auch ein wenig nach, als die Songs immer minimalistischer, aber nicht weniger holprig werden. Schlichte Synthie-Sounds werden zum Teil nur von Handclaps oder Minimalbeats und Gesang begleitet, manches erscheint mir zu verkopft und nicht homogen genug, gerade so als ob es vorrangig um Skurrilität geht. Aber man kann "Violent" auch anders lesen: als Innovation im Bereich Indie, zum Beispiel. In dem mit gängigen Schemata bewusst gebrochen wird. Denn Potential ist definitiv vorhanden.
Vielleicht muss ich mich nur ein bisschen besser hineinhören. Oder aber den dazugehörigen Film sehen. Und mich sowieso intensiver mit den Kinsella-Brüdern beschäftigen. Wer weiß das schon…

Bewertung: 6,5/10

Veröffentlichungsdatum: 20.03.2015