VIERKANTTRETLAGER – Gestern Schulbank, heute Tourbus

Das nenne ich mal einen kometenhaften Aufstieg: Vor nicht allzu langer Zeit haben die Jungs von VIERKANTTRETLAGER noch die Schulbank gedrückt, mittlerweile gehören sie zu Deutschlands gefragtesten Indierock-Newcomern und beackern unermüdlich die Bühnen der Republik. Vor allem jetzt im Sommer bekommt man die Husumer kaum noch aus ihrem Tourbus raus, denn an nahezu jedem Wochenende stehen sie derzeit bei irgendwelchen Festivals auf der Bühne. Bei so viel Konzertstress haben wir natürlich auch vollstes Verständnis dafür, dass die Antworten von Sänger Max auf unsere per Email gestellten Fragen teilweise ein wenig knapp ausgefallen sind…

[F] Diese Frage ist zwar gewiss kein kreativer Interview-Einstieg und wurde euch bestimmt schon unzählige Male gestellt, aber dennoch: Wie um alles in der Welt kommt man auf die Idee, seine Band VIERKANTTRETLAGER zu nennen?!
[A] Ich habe vor vielen Jahren mit einem Mädchen telefoniert, in das ich seinerzeit sehr verliebt war. Nach mehreren Stunden, in denen wir alle wichtigen Themen der Jugend durch dekliniert hatten, las sie mir ansatzlos von der Verpackung eines Einrads vor. In diesem Einrad war ein Vierkanttretlager verbaut. Ich hatte das Wort noch nie gehört und war deshalb sofort begeistert davon. Ich schickte Christian sofort eine SMS, in der ich schrieb, sollten wir eines Tages eine Band gründen, müssten wir sie Vierkanttretlager nennen. Dann legte sie auf und wir gründeten eine Band.

[F] Mit eurer EP „Penzion Kanonir“ habt ihr Mitte 2010 zum ersten Mal auf euch aufmerksam gemacht, zuvor wart ihr weitestgehend unbekannt. Seit wann gibt es VIERKANTTRETLAGER überhaupt? Wart ihr zuvor bereits in anderen Bands aktiv?
[A] Wir waren noch sehr jung, als wir zusammenfanden. Die Bandgründung fällt auf das Jahr 2008, kennen tun wir uns alle schon deutlich länger, es dauerte aber einige Zeit, bis aus der Freundschaft eine Bandschaft wurde. Die besagte EP entstand, als wir alle ungefähr 15-16 waren, sie war unser erster Meilenstein und eben auch unser erstes Projekt.

[F] Anfang dieses Jahres folgte dann das Album „Die Natur greift an“, welches fast durch die Bank weg gute Kritiken geerntet hat. Zugleich wird es bei euren Auftritten zunehmend eng im Publikum. Seid ihr von dem positiven Feedback überrascht?
[A] Wir waren uns sicher, ein gutes Produkt abgeliefert zu haben, schließlich stecken beinahe vier ganze Jahre in diesem Projekt. Die Lieder sind ohne Ausnahme neben der Schule in unserer Freizeit entstanden, die Gesangsaufnahmen sogar nach dem Unterricht in meinem Jugendzimmer. Wir haben uns auf eine sehr positive Weise an diesen Stücken abgearbeitet, kennen jedes sehr gut. Wir sind vor allem überrascht über das viele Feedback, was uns natürlich sehr freut. Hätten wir aber eine negative Reaktion erwartet, dann hätte es dieses Album wohl nicht in dieser Form gegeben.

[F] Herzstück des besagten Albums ist die aus den abschließenden Stücken „Um Schönheit zu sehen“, „Keine Menschen mehr“ und „Gib deinem Leben keinen Sinn“ bestehende Song-Trilogie, aus der sich letztendlich auch der Albumtitel „Die Natur greift an“ ableitet. Kannst Du unseren Lesern erläutern, worum es hierbei thematisch geht und welche Idee dahinter steckt?
[A] Es geht darum, sich seiner eigenen Sterblichkeit bewusst zu sein und daraus eine ganz persönliche Form von geistiger Freiheit zu beziehen. Es geht ums Menschsein und Erwachsenwerden, um Kampf und Aufgabe, darum, man selbst zu werden und zu bleiben.

[F] Hattet ihr überhaupt von Anfang an geplant, diese Stücke als konzeptionellen Themenblock in einen Kontext zu bringen, oder sind die Songs ursprünglich völlig unabhängig voneinander entstanden? Und könntet ihr euch auch vorstellen, ein komplettes Konzeptalbum zu schreiben?
[A] Wir haben bis heute noch nicht themenbezogen gearbeitet. Wir haben in erster Linie Lieder geschrieben, unabhängig von einem Albumkontext. Irgendwann war dann klar, dass unser Album fertig war, bevor wir angefangen haben, uns darüber Gedanken zu machen. Generell finde ich aber auch das andere Extrem sehr reizend und kann mir gut vorstellen, so zu arbeiten.

[F] In dem Stück „Hooligans“ darf CASPER die zweite Strophe krächzen. Bereits 2011 konntet ihr ihn als Support auf seiner Tour begleiten. Wie kam der Kontakt zustande, und wie kamt ihr als Indierocker bei den CASPER-Fans überhaupt an?
[A] CASPER war vor längerer Zeit bei einem unserer Konzerte, und wir haben uns kurz kennengelernt. Ihm schien zu gefallen, was wir da gemacht haben, denn von da an hatten wir immer wieder Kontakt. Er fragte uns, ob wir mit auf Tour kommen, wir ihn, ob er auf unser Album kommt, beide Parteien haben glücklicherweise bei beiden zugesagt. Die Tour mit ihm war trotz der Floskel einfach eine sehr schöne Zeit für uns. Interessanterweise sind die Leute, die uns von der CASPER-Tour kennen und auf unsere eigenen Konzerte kommen, oftmals die Eltern von jüngeren CASPER-Fans. Aber dass der Altersschnitt im Publikum manchmal höher ist als unser eigener, ehrt und freut uns natürlich.

[F] Wenn man sich euren Terminkalender anschaut, dann verschlägt es euch in diesem Sommer auf zahlreiche Festivals. Worin seht ihr persönlich die Vor- und Nachteile zwischen Festivalauftritten und kleinen Clubshows?
[A] Bei einem Festival kann man als relativ kleine Band nur gewinnen. Die meisten Menschen kennen nur wenig von einem, und wenn man Glück hat, kommt man mit einem Plus an Fans aus der Sache. Wenn nicht, hat sich nichts verändert. Bei Clubshows ist uns die Bindung zu unserem Publikum sehr wichtig, wir möchten nicht, dass auch nur einer enttäuscht nach Hause geht. Deshalb können wir bei Festivals befreiter aufspielen, die größte Mühe geben wir uns aber natürlich in beiden Situationen.

[F] Bei so viel Live-Aktivitäten drängt sich die abschließende Frage auf: Habt ihr derzeit überhaupt Zeit, neue Songs zu schreiben?
[A] Wir freuen uns über jede Stunde Zeit, die abfällt und nutzen sie. Wir arbeiten langsam auf unser nächstes Album hin, vielleicht wird es ja ein Konzeptalbum…

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Über Bernd Cramer 1594 Artikel
Konzert-Junkie & Vinyl-Liebhaber. Schreibt über Musik, ohne zu Architektur zu tanzen.