V.A. – Jubilee 2004

Weil ich mich morgen zum ersten Staatsexamen fürs Lehramt der Oberstufe an Allgemeinbildenden Schulen anmelde, nehme ich mir alle Bands dieser 3xCD Comp vor und werde Sie mit Schulnoten beglücken, inklusive kurzem Statement und so tollen Begründungen, wie Motivation etc. Ganz klar, dass mir dabei die gleichen Fehler unterlaufen, wie allen anderen Lehrern auch, aber das müsst ihr dem System zuschreiben. Ich kann da rein gar nichts machen.

Bei diesem Sampler, verstehe ich einige Dinge und viele nicht. Bands (meist aus Österreich und meist unbekannt) bekommen ihre erste Chance auf ein größeres Publikum und finanzieren diese mit. Aber wieso sind nicht alle Bands im booklet? Konnten oder wollten einige das nicht finanzieren? Wieso muss Österreichs größte Punk Shop Kette diesen Sampler rausbringen? Und was zum Henker ist eine Punk Shop Kette?

[Kleiner Hinweis in eigener Sache: ich hasse JIMMY EAT WORLD nicht. Ich finde einige Songs sogar ganz nett, aber das rechtfertigt auf keinen Fall unzählige Coverbands von denen. Die sind genauso überflüssig, wie der dritte und vierte Ausguss der POPSTARS (eigentlich auch der erste Durchgang, aber da wusste man ja nicht, was da auf einen zukommt)]

RANDOM: Cooles Riff, viel zu melodischer Gesang und insgesamt zu sauber, aber die sind ja noch jung genug, um das zu ändern; 3

SKEPTIC ELEPTIC: Schreckliche Kuhglocke zu Anfang, 08/15 Riffs und „hach was sind wir wild“ Pipi-Gesang, dazu Texte aus dem Rock’n Roll Handbuch für Bankangestellte; 5

GUADALAJARA: Ska, bisschen holprig zu Beginn, macht Spaß, und das soll Ska ja auch, cool, gefällt, könnte auch ’ne Spur mehr Gossenschmutz und Kneipendreck gebrauchen; 2

NO MORE ENCORE: NO USE und SUM 41 T-Shirts sagen alles: Langweilig! 5

RED LIGHTS FLASH: Sehr gute Mischung aus Punk und Hardcore, eben nicht sauber, nicht gewöhnlich und deshalb auch: 2

PBH CLUB: Ska, lustiger Anfang, bisschen viel „Fuck“ im Text, außerdem auch ’n bisschen zu poppig; 3

THE PETTICOATS: Bisschen rockig, bisschen melancholisch (kein Emo!) und bisschen ungewöhlich, 2- (zur Motivation!)

MAXEEN: Sind ja angeblich schon ’n bisschen größer, nur warum? Schreckliche Quietsche-Stimme + „JIMMY EAT WORLD wollen wir auch sein“ Musik = macht bei mir 200% Kotze im Klo; 6, setzen!

Y REBELLION: Rock Musik und Crust/Metal Gegrunze ist zwar eine ungewöhnliche Mischung, leider gibt es einen sehr guten Grund, dafür, dass dieser Mischung so selten gefröhnt wird – sie ist scheiße!; 5

WITTY RABBITS: BLINK T-Shirt und Texte über Sonne und Girls – Musik ist ebenfalls igitt; 5

BEATBRATS: Zunächst dachte ich, das ist kacke, aber auch Zuhören will gelernt sein, ganz coole Melodien, Punk Rawk; 3

THE MIGHTY MIGHTY BOSSTONES: Schon wieder so ’ne Band, die auf einen Trend aufspringen will 😉

GINO’S EYEBALL: „Rock“ zu rufen, gehört zu den großen Verboten in meinem kleinen (wirklich!) Regelbuch, das heißt „Go“ oder „Fuck“, aber nicht „Rock“, denn Rock ist genau das, was Punk immer zerstören wollte, deshalb „rocken“ Punk Bands auch nicht! Ansonsten ganz nette Melodien und so, ’n bisschen zu nett vielleicht; 4+

CHUZPE 77: Metal Schlagzeug und österreichischer Akzent; nee, das geht nicht, auch wenn’s gut gemeint ist; 5

NOWISE NICE: Was soll denn der Bandname bedeuten? Insgesamt bemüht, aber scheiße; 5

EXEED-EXCESS: Best looking act, Punk Rock zwischen Schweinerock und Asselpunk, nicht schlecht, Herr Specht; 3+

TRIBUTE TO NOTHING: Cool, wer SOMMERSET kennt und schätzt, wird die hier auch mögen, melodischer Punk weit weg von Trends und VIVA; 2+

MENTALLY DISTURDED: 08/15 revisited, im Party Keller für die Clique bestimmt ’n Spaß, nur was soll ich damit?; 4- (weil wir alle so angefangen haben)

5BUGS: Schlechte Wortspiele als Bandnamen sind so wie zu viele Rechtschreibfehler, eigentlich gibt’s dann höchstens ’ne 5, aber leider ist das hier die JIMMY EAT WORLD Coverband II; 6, setzen

BRIGÀD: Klassischer Melodic-Core, lange nicht mehr so geradlinig und „altmodisch“ gehört, cool; 3

JUPITER JONES: Wieso ein englischer Name, wenn man doch deutsch singt? Diese Band wäre ein Schüler, der von mir aus persönlichen Gründen immer schlechte Noten kriegen würde, aber ich kann dieses Selbstdarstellungs/pseudo-rebellisches Gehabe einfach nicht ab, in zwei oder zehn oder 50 Jahren kann man diese Platten alle auch hören, sich selber sagen, wie rebellisch man doch war und auch noch ist (man hört die Platten ja noch!) und trotzdem die ganze Zeit ein gut geöltes und funktionierendes Rädchen im Motor der Gesellschaft gewesen sein, Selbstbetrug im besten Fall, musikalisch übrigens eine weitere Band des poppigen Emo-Quarks; 4- (weil mir bewusst ist, das hier eher persönliche Probleme walten)

FORTY WINKS: Nein, nicht schon wieder, eine weiter Emo/Pop Band, die alle JIMMY EAT WORLD Videos auswendig kennt; 6, in Ecke und schämen

PLAYPUNK: Oh toll „hasserfüllte Texte“ braucht die Welt genauso, wie diesen Brei aus 08/15 Melodic-Core und Rock; 5

LITTER BASKET: Schrecklicher Stimme, schrecklich gequält auf kalifornisch gemachtes Gesinge, und das ganze auch noch in einer Geschwindigkeit, die selbst meine Omma als lahmarschig bezeichnen würde; 5

100% MESKALIN: Ska (zeigt der unglaublich einfallsreiche Name ja schon), aber mit ganz doll ekligem Rock gemixt und ganz und gar nicht lustig; 4 –

DIE BÖSLINGE: Uralte Hasen im Punk mit einer Hommage an RUNNING WILD, unglaublich unnütz; 6 (und sie werden das bestimmt als Lob auffassen – zu Recht ;))

3 FEET SMALLER: Die Stimme erinnert mich zu sehr an CREED und ähnlichen Dreck … verdammt, die Musik auch, ekelig!; 5

THRILLA IN MANILA: Ska Punk, ’n bisschen sehr holprig und ungelenk; 4+

ASSTRONAUTS: Rawk von Leuten, die bestimmt TURBONEGRO toll finden, leider hört sich das hier an wie 3.klassiger Bikerclubrock; 4 – (als letzte Warnung)

STRONG VOLITION: Emo, Hardcore und Punk steht groß im Booklet, aber außer etwas Gebrülle und schlechten Metalbreaks ist auch das hier nur 08/15 Pop Punk, typischer Fall von großem Anspruch, der sich nicht in die Wirklichkeit transportiert, üben, üben, üben; 4

DMP: Seltsames „Radio“ Intro, unglaublich schlechtes Englisch und Gesang in der gleichen Liga, dazu Rockmusik auf Festzelt Niveau; 5

MY MANNER: Coole, melancholische Melodie (zum Glück kein Emo!), Punk und Hardcore Gebräu, das funktioniert; 2

HÉTKÖZNAPI CSALÓDÁSOK: Ich tippe mal auf ungarisch, echter Punk, ’n bisschen getragen manchmal, gut; 3

TINTIFAX: Kapfenberger Knüppelpunx steht im Booklet, und der Skinhead der Band macht überraschenderweise einen unsympatischen Eindruck, Deutschpunk in lahmarschig aus Österreich, Gute Nacht; 5

DALTONZ: Ach Gott (mit Bedacht wählte ich diesen Ausdruck), diese Knilche haben doch glatt die Melodie von dem Kirchensmasher „Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer“ vertont; wenn GREEN DAY auf schlechtem Gras hängen geblieben wären, wären sie noch blitzeschnell, verglichen mit diesen Schnarchnasen; 5

HORACE PINKER: Musikalisch ganz netter Pop mit Gitarren, wenn ich nur drauf kommen würde, an welche 80’er Helden mich die Stimme des Sängers erinnert; 3

SCAB: Ska in Viererbesetzung und entgegen vieler Kollegen mit angezogener Handbremse, klingt so ’n bisschen wie Kaffee- oder Kurhaus Musik; 3-

CAPSIZED: Ganz seltsame Mischung aus Melodic Core ohne Geschwindigkeit im Arsch und Schweinerock ebenfalls ohne Feuer im Arsch; 4-

SNUH: So kurz, Melodic Core Clone Nummer 1.345.234.579, aber wenigstens wissen sie, das Melodic Core schnell gespielt wird; 3-

FIGHT YOUR FEAR: Lustiges Wortspiel im Titel („Center Antman“), aber sonst gibt’s eher nichts zu lachen, Frau singt über den Tag, an dem sie heiratete, Jungs brüllen im Hintergrund und dazu gibt es rockig-funkige Breaks; 5+ (das Plus gibt’s damit es auch ja weh tut)

SNUFF: Früher mal gut, dann als GUNS ’N WANKERS wahrlich unerreicht und dann wieder unter altem Namen besser als zuvor, heute leider ebenso beliebig, wie so viele andere; 4

TPUNKTERROR: Habe ich schon genug zu gesagt (siehe Reviews), dieser Song gehört bestimmt zu ihren besseren; 3

HALITOSIS: ÄRZTE und GREEN DAY gemischt mit schlechten deutschen Texten; 4

THE SUICIDE MACHINES: Ska Punk; deren Song „S.O.S.“ von anno Dunnemal finde ich auch heute noch Bombe, dieser hier ist eher Durchschnitt und das ist bekanntlich der Tod jeder Sache; 4– (nur wegen der Erinnerung und dem Wissen, dass sie das viel besser können)

PAIN INC.: Gebrülle zwischen Metal und progressive Hardcore mit Promozettel-mäßgem Booklet Beitrag (so aus dem Handbuch der Musikjournalisten á la Visions und ähnlicher Knalltüten), aber sehr weit ab von Trends; 3 –

PSY-9: Bestes Booklet Foto, Song über Joey Ramone und so ungefähr geht es musikalisch auch ab, sehr cool, auch nachmachen will gelernt sein, coole Melodie im Refrain, 2 +

ECCO: Englische Texte, die jedem Englischlehrer die Fußnägel aufrollen, dazu Trompeteneinsätze, die zu einem anderen Song gehören müssen und insgesamt Rockmusik für die Abiparty, außerdem glaube ich fordert der Text einen ausgeglichenen Haushalt von Vadder Staat … motherfucker say what?; 4

SADIRRITY: Diese Granaten versuchen ganz doll BOYS SETS FIRE u.ä. zu sein und scheitern kläglich an der Anfangshöhe von 0,75 cm; 5

THE GOGETS: Pop Punk, manchmal etwas bemüht, aber insgesamt gar nicht mal so gut; 4

ASTPAI: Songs gegen Faschismus kann es eigentlich nie genug geben, nur dieser ist irgendwie so harmlos; Faschismus sollte kein Trend sein? Na ach nee! Musikalisch auch keine Offenbarung; 4

SUPERCOIL: Ganz niedliche Burschis, die auch einen Visions Redakt€ für ihren Booklet Text angestellt haben, musikalisch sehr um Eigenständigkeit bemühter Emo Kram mit Metal und Punk Einflüssen, leider nicht wirklich gut; 3 – (Motivation!)

COMPILED: Schreckliche Stimme, Pop Punk, nicht so schlecht wie sich das jetzt anhört, Versetzung (noch) nicht gefährdet; 4

THE CASUALTIES: Wahrscheinlich die einzigen echten Punks auf diesen CDs, ihre CD „On the frontline“ fand ich cool (siehe Reviews), aber dieser Song stinkt; 5

PIKESTAFF: Deutsch gesungene Musik zwischen Rock und … mmh … äh … tja Rock; 5

HSD: Ohaueha, der „Sänger“ knödelt ungekonnt ganz „wild“ und „dreckig“, die Musik quält sich zwischen Innovation und Metal zum Rock durch und endet im Nirgendwo; 5

SLICK SHOES: Die „Punk Rocker“ im Auftrage des Herrn, cooler Song in der richtigen Geschwindigkeit mit Breakdowns, wo sie hin gehören, alle Schüler (Bands) mal aufpassen: so wird’s gemacht! 2+

CATCHY TUNE: Wer ist eigentlich das Schwein, das diesen armen Jungs den Bären aufgebunden hat, dass sie sich schon aus dem Proberaum trauen dürfen? Du blödes Arsch, jetzt machen die sich zum Arsch mit dieser „besser nie das Licht der Öffentlichkeit erblickt“ Aufnahme; 5

LÜKOPODIUM: Gutes Thema (Dubs’ Irak Krieg), vertont im Deustchpunk-Kleid, aber etwas mehr Pfeffer im Arsch hätte dem Song so unendlich gut getan; 3

LOS DEEPEST: Können sich leider nie zwischen Schweinerock und SOCIAL DISTORTION entscheiden, und der Sänger sollte aufhören so verzweifelt rauchig-heiser klingen zu wollen, entweder man hat so ’ne Stimme oder man lässt es; 3

AS FINAL KILLJOY: Hat der etwa auch “Rock” am Anfang gebrüllt? Metal und Emo treffen sich bei Hardcore, und Crust guckt kurz vorbei; bis sie versuchen, melodisch zu singen, dachte ich noch, ich gebe denen ’ne 2-, aber so … ; 3 –

SIDE EFFECT: Beats aus dem Computer und dazu „Raps“ die DJ BOBO erblassen lassen, demnächst auf Delta Radio oder RTL II, da der Song aber „Summer Sellout“ heißt und der Text teilweise echt urkomisch ist, halte ich das für einen fantastischen Witz; 1 mit Sternchen

PRIVATE: Der beste Beweis, dass nur Geschwindigkeit keinen Song retten kann, der hier ist schnell, aber belanglos und doof; 5

LURID LISHAPED: Watt soll der Name? Metal Crossover mit ganz evil Gebrülle, Crustrap oder what? HILFE; 5

THE OIKOLEROS: Nennen sich selber räudige Sauhunde und das macht schon mal sympathisch; der fette deutsche Akzent auf dem Englisch stört überraschenderweise nicht, auch nicht, dass das hier ’ne Live Aufnahme ist, lustiger Ska Punk; 2

VANILLA SKY: Allein das Foto im Booklet beraubt mich der Kontrolle sämtlicher Körperöffnungen, hach wie niedlich, und musikalisch gibt es geklaute BLINK ohne Scham; raus zum Nachsitzen! 6

SAPONARIA OFFICINALIS: Deutschpunk aus Österreich mit dem Herz am rechten Fleck; auf einem Demo- oder Mix-Tape bestimmt gerne gesehen, noch etwas holprig, aber mit Potential; 2 – (Motivation, again)

Fazit: Bei so vielen nicht gerade empfehlenswerten Bands frage ich mich: wieso nicht eine 7“ oder CD mit den guten Bands machen statt das hier? So gehen die wenigen guten Bands zwischen dem Mist völlig unter. Den meisten Bands hätten ein paar Tipps zur musikalischen Entwicklung viel besser getan, als diese Comp. Wer kauft überhaupt einen 3CD Sampler mit fast nur unbekannten Bands für 15€? Ich fühle mich jedenfalls ziemlich mitgenommen nach dem Durchhören, allein schon durch die Menge. Andererseits schein ich aber auch überhaupt nicht den Geschmack der Massen zu treffen, denn fast alle „erfolgreichen“ Bands finde ich schrecklich. Also nur Mut an alle, die sich jetzt verrissen vorkommen, vielleicht kommt bald der Plattenvertrag und die Tour mit den DONOTS oder watt weiß ich, was heute noch erfolgreich, aber nicht „sellout“ ist. Apropos, SIDE EFFECT mit ihrem Song „Summer sellout“ dürfen die Schuljahresabschlussrede halten und ziehen ins Finale von „Jugend singt für Olympia“ ein.

Bewertung: 3/10

Veröffentlichungsdatum: 24.05.2004