SOFY MAJOR / MEMBRANE – Split

Noiserock ist der Hulk der Gitarrenmusik: Grobschlächtig und –motorisch, immer gleich auf 180, aber eben auch sehr beeindruckend. Dabei ist Noiserock eigentlich ein ganz schwammiges Genre (lest euch mal den englischen Wikipedia-Artikel durch, was da alles für Bands zusammengerührt werden – das geht weit über Bands wie BIG BLACK, UNSANE und HELMET hinaus), aber der Einfachheit halber behaupte ich: Noiserock mischt Hardrock, Metal und (ganz wichtig) HC/Punk und will vor allem das Wuchtige und Schmerzhafte aus diesen Bereichen herausziehen und den Leuten um die Ohren schlagen. Der dahinterstehende Gedanke: Man muss nicht besonders filigran spielen, das schadet eher beim Transportieren der Botschaft,nämlich: Mag sein, dass die Welt uns in die Knie zwingt, wir spucken ihr trotzdem ins Gesicht.
Was nicht heißen soll, dass hier geschludert wird: SOFY MAJOR, die erste Band auf diesem Split-Album, haben ihre vier Stücke präzise arrangiert, keine Längen, so abwechslungsreich, wie es das gewählte Genre zulässt und dennoch alles aus einem Guss. Die Gitarren spielen immer mal wieder etwas verschlungenere Sachen, die mich an Southern Sludge-Bands wie DOWN, CROWBAR, EYEHATEGOD oder SOILENT GREEN erinnern.
Bei aller musikalischen Ähnlichkeit zu SOFY MAJOR verarbeiten MEMBRANE eher Einflüsse von Dischord-Bands wie HOOVER oder (späten) FUGAZI (also längere Spannungsbögen als SOFY MAJOR, dafür etwas weniger Testosteron), sind aber auch immer sehr, sehr heavy. Hin und wieder musste ich beim Hören an den guten alten Neunziger-Emo denken, als Bands wie NAVIO FORGE oder SHOTMAKER Maßstäbe setzten (die allerdings nur für eine überschaubare Anzahl Menschen relevant waren).
Kurz gesagt: Mit MEMBRANE überblickt man aus einer gewissen Höhe eine wilde, wüste Landschaft, SOFY MAJOR helfen einem, in einem überfüllten Stadtbus einen Platz zu ergattern. Richtig originell ist das alles nicht, durchgehend liebevoll gemacht aber schon und vor allem sehr intensiv. All Killer, No Filler – allerdings muss man was mit echter Rockmusik anfangen können.

Bewertung: 8/10

Veröffentlichungsdatum: 12.11.2011