SEAFOOD – Irritation als Programm

Das war wohl ein großes Missverständnis: da erschienen ein paar junge Mädchen, die ihre neueste h&m-Garderobe präsentierten, und ihre
dazugehörigen Freunde. Die Tanzhalle war nur spärlich gefüllt. Und auf der Bühne eine Band, die in bester SONIC YOUTH-Tradition wildeste Gitarren-Experimente vollzog. Das Publikum wich darauf erschrocken zurück zum Bartresen. Doch SEAFOOD ließen sich davon nicht beeindrucken. Wahrscheinlich waren sie derlei Reaktionen gewöhnt: zu sehr klaffen Album und Live-Act auseinander. Was auf CD an sanfte Stücke von RADIOHEAD, MODEST MOUSE oder COLDPLAY erinnert, ist live eine ganz andere Liga. Endlos langer Gitarrenbrei ohne jegliche Strukturen, dann powernde Rhythmen, die das regungslos starr stehende Publikum vollkommen überforderten.
Der Knaller waren dann die nicht eingeforderten Zugaben, ganze vier Songs.
Eingeleitet mit den Worten „Even if you don’t want any more“ erklingen plötzlich drei Solo-Akustik-Balladen, welche vom erneut irritierten Publikum ausgesessen werden, um mit der vierten nochmals in abgedrehte Gitarren-Experimente geführt zu werden.
Fazit: sehr cool, doch leider niemand da, der das zu würdigen wusste.