SCHROTTGRENZE – Château Schrottgrenze

Seit einigen Jahren schon geistert das mehr oder weniger Hamburger Quartett SCHROTTGRENZE schon durch die deutschen Clubs – mit ständig wachsender Fangemeinde. Und nun nach knapp 12 Jahren zwischen den Alben kommt das neue Album bei Motor. Lasst uns gemeinsam das „Château Schrottgrenze“ betreten.
Ungewohnte Klänge ertönen in den Räumen, Frauenstimmen im Hintergrund, Popmusik, die an BLUMFELD oder vielleicht sogar schon DELBO erinnert. Vorbei sind die Zeiten, als mancher noch den Vergleich mit DIE ÄRZTE heranzog, vorbei die Zeiten, als Lila heim wollte und die Band Reibung brauchte.
Das hier ist alles, was die Vorgänger nicht waren, sondern eine neue Festung, die er zu erkunden gibt. Beginnt das Album mit „Nichts ist einsamer als das“ und der Single „Am gleichen Meer“ noch relativ flott und eingängig, so entwickelt sich bis zum letzten Song sphärischen „Schrottgrenze“ ein Indiepop-Album, das ich so auf keinen Fall erwartet hätte und das es mir auch nicht wirklich leicht macht. In nur 10 Songs versuchen SCHROTTGRENZE ihre Jugend und manchmal auch die Leichtigkeit der alten Stücke hinter sich zu lassen und legen den Fokus weg von rockigen Nummern hin zu Songs, in denen die Gitarre oft nur im Hintergrund agiert, während die Stimme immer präsenter wird. Textlich muss man sagen, dass sich Sänger und mittlerweile auch Gitarrist Alex angenehm in den Vordergrund bringt. Einzig das wirre „Kongress“ fällt hier etwas aus dem Rahmen. Und eben dieser Song, genauso wie ein zähes Ende bei „Schrottgrenze“, in dem mechanisch die Buchstaben des Namens gesprochsungen werden, relativieren einen eigentlich guten Ersteindruck. Und auch nach häufigem Hören kommen immer wieder Zweifel an diesem Kurswechsel der Band. Man muss irgendwann seine Jugend hinter sich lassen und darf nicht musikalisch in einer Endlosschleife versinken, allerdings kommt „Château Schrottgrenze“ ein wenig zu zäh daher, nach sehr gutem Anfang und einem großartigen „Alaska“, beiße ich mir doch die Zähne an den Mauern des Albums aus. So richtig kann es mich nicht überzeugen, aber es enttäuscht mich auch nicht.

Bewertung: 6,5/10

Veröffentlichungsdatum: 31.03.2006