Reeperbahn-Festival 2011 (Hamburg)

Das Reeperbahnfestival ist nicht nur ein Musikfestival, sondern gleichzeitig, mit dem tagsüber stattfindenden Reeperbahnfestival Campus, ein Treffpunkt für Vertreter der Musik- und Kreativwirtschaft. Mit dem Bereich „Arts“ widmet sich das Festival zudem mit musikbezogenen Ausstellungen, Filmvorführungen und Lesungen der Schnittstelle zwischen Musik und anderen künstlerisch-kreativen Bereichen.
Und das Reeperbahnfestival hält einen ganz schön auf Trab. Wenn abends in über 20 Clubs gleichzeitig Konzerte stattfinden, fällt die Wahl nicht immer leicht. Zumal, wenn der Ansatz des Festivals ist, vielversprechenden, aber relativ unbekannten Bands eine Bühne zu bieten, erfordert es entweder einen hohen Recherche-Aufwand im Vorfeld oder eine entsprechend gelassene Bereitschaft, sich einfach treiben zulassen. Letzteres wird nicht nur deshalb zu einer Alternative, weil aufgrund des guten Bookings die Wahrscheinlichkeit echte Überraschungen zu erleben, keinesfalls gering ist, sondern weil das Drumherum des Festivals in dieser Form recht einzigartig ist. Man bekommt Clubs von innen zu sehen, an denen man seit Jahren vorbeigelaufen ist, ohne deren Existenz überhaupt registriert zu haben und darf sich über ungewöhnliche Auftrittsorte wie die St.Pauli-Kirche freuen. Und da es sich anders als bei anderen Festivals nicht um ein eingezäuntes Areal handelt, sondern um den Kiez, auf dem das alltägliche Treiben währenddessen unvermindert weiterläuft, verschwimmen die Grenzen des Festivals schnell in der üblichen, wochenendlichen Kiez-Melange aus ballermanneskem Party-Tourismus mit Absturz-Zwang inklusive Kegelvereinen und Junggesellenabschieden, Hipstertum, studentischer Feierkultur, Obdachlosigkeit, Straßen-Business- und Zuhälter-Sphäre, FC St. Pauli und Millerntor-Verehrung, ungestümer Jugendlichkeit, und den ewigen, immer auf der Suche nach dem „echten“ Kiez befindlichen Reisegruppen, die das Geschehen mit dem Museumsblick sezieren, zu einem nicht immer funkelnden, aber stets erlebnisvollen Koloriten der Unvorhersehbarkeiten.
Was bietet sich bei dieser Ausgangslage mehr an als eine schlaglichtartige Betrachtung, in einer dem Stil des Festivals adäquaten Betrachtungsform als Cut-Up-Kollage? Hier der Reeperbahnfestival-Ticker von Janine, Jens und Frieder:

Donnerstag

Lesung mit Torsun – Imperial Theater
(jg) Bevor das Musikprogramm startet, lassen wir uns im Imperial Theater nieder, wo normalerweise Krimis aufgeführt werden. Gruselig soll es heute nicht werden, dafür aber unterhaltsam, wenn Torsun aus seinem Doku-Roman „Raven gegen Deutschland“ vorliest. Dass es sich bei dem Titel nicht bloß um einen Song seiner Band EGOTRONIC handelt, sondern viel mehr um eine Kampfansage, wird deutlich, wenn man seinen Erzählungen zuhört. Ziemlich offenherzig gibt der Südhesse aus seinem Leben preis, und man stellt schnell fest, dass Drogen, Linksradikalismus und Techno dabei die zentralen Themen sind. Wirklich lachen kann man nicht, die Erzählungen ähneln eher einer Tragikomödie. Mit gemischten Gefühlen geht es weiter in die Meanie Bar.


THE DODOZ – Meanie Bar
(fd) THE DODOZ sehen aus, als hätten sie „Frankreich sucht die Superstar Indie Band“ gewonnen, klingen aber viel besser. THE DONNAS huschen mir durch den Kopf. Aber mit der Tanzbarkeit von den FOALS. Zumindest so ähnlich. Die Meanie Bar ist brechend voll und viele offensichtlich nicht freiwillig draußen Stehende luken durchs Schaufenster rein. Das geht ja spitzenmäßig los!

DIE HEITERKEIT – Angie’s Nightclub
(fd) Mit Jens zu DIE HEITERKEIT in Angie’s Nightclub. Bin etwas unaufmerksam, weiß aber nicht, ob es an meiner Verfassung oder der Musik liegt. Mir fehlen die Höhen und Tiefen, alles etwas zu gleichförmig, so scheint mir. Würde die Hamburger Formation aber nicht zuletzt wegen der Texte gerne noch mal auf Platte hören.

SOUND OF RUM – Prinzenbar
(fd) Jens angeschlossen, der will in die Prinzenbar. Alles richtig gemacht. SOUND OF RUM aus London sind schlicht atemberaubend. Überwiegend instrumentaler HipHop mit Gitarre und Schlagzeug und einer MC Kate Tempest, die mit fantastischer Präsenz und noch besserem Flow alles in Grund und Boden rapt. Schade, dass mein manchmal etwas limitiertes Englisch nicht ausreicht, alles zu verstehen. Nichtsdestotrotz spürt man das dringliche Verlangen, dass ihre Message beim Publikum ankommt, was später dadurch unterstrichen wird, dass sie in einem bestimmt fünfminütigen a cappella-Track immer wieder kurz innehält, um Slangwörter oder exotische Vokabeln zu erklären. Wahnsinn! Allerdings meine ich, das erste Mal auch ein gewisses, eher unbehagliches Showcase-Feeling auszumachen, was sich im Laufe des Wochenendes noch häufiger einstellen wird.

TOUCHY MOB – Angie’s Nightclub
(fd) Zurück in Angie’s Nightclub. TOUCHY MOB gucken. Mir war so, als berichtete mir jemand von einem grandiosen Auftritt auf der Fusion, hm… In der Beschreibung steht PANTHA DU PRINCE, SIVA, BEN HARPER. TOUCHY MOB spielt in seinen Geburtstag rein, das Publikum gratuliert anständig mit Happy Birthday und vorher ausgeteilten Luftschlangen und Konfetti. Der Vorzeigebartträger ist sichtlich gerührt. Kann musikalisch unterm Strich die (vielleicht zu) hoch gesteckten Erwartungen meinerseits leider nicht ganz erfüllen. Trotzdem ein schöner Ausklang des ersten Tags.

Freitag

(fd) Heute schon früher aufgebrochen, um auch noch etwas vom Reeperbahnfestival Campus und dem Arts Bereich mitzubekommen. Nachdem ich trotzdem viel zu spät für das anvisierte Panel „Media Landscapes – Von alten und neuen Plattformen, Musik und Medien“ komme, entscheide ich mich spontan für den Besuch des BEATLES-Museums, in dem auch die Reeperbahnfestival-Ausstellung „AMOS Showtime“ untergebracht ist.
Auf dem Weg dreimal am Eingang irgendeines Eros-Centers vorbeigekommen und jedes Mal vom um Kundschaft werbenden Türsteher gesagt bekommen, dass AUCH ich hereinkommen dürfe. Es riecht nach Urin, und die penibel gesäuberten Straßen verweisen umso stärker auf die Ereignisse der letzten Nacht. Sowieso: Kiez am Tage. Bemerkenswert surreal. Fast erscheint es wie eine Illusion von Freiheit, die nur nachts grell und bunt auferstehen kann, während sie einem tagsüber umso stärker als geplatzter Traum und Eingeständnis eines nicht einzulösenden Versprechens ins Bewusstsein drängt und verkatert auf dem Bordstein zurücklässt, bis die nächste Nacht beginnt.
Während ich noch überlege, wie ich wohl das Wörtchen „AUCH“ in der Einladung des Türstehers zu verstehen habe, aber scheitere, begebe ich mich zum Start des chronologisch die Geschichte der BEATLES nacherzählenden Rundgangs. Insbesondere der erste Teil der Ausstellung, ihre Hamburger Zeit interessiert mich. Stuart Sutcliffe und Astrid Kirchherr. Exis und Rocker. Kaiserkeller und Indra. Ich ertappe mich, wie sich meine Vorstellungen zu einem wahrscheinlich stark romantisierten und verklärten Bilds des Kiezes der damaligen Zeit zusammenbrauen. Von wegen Illusionen und so. Besser schnell weiter.

Das wirklich interessante der AMOS Ausstellung „One Album – Hundreds Of Artworks“ ist zum einen, wie unterschiedlich die Entwürfe verschiedener Künstler zum gleichen Album ausfallen können, zum anderen aber auch, wie man unvermittelt darauf gestoßen wird, sich Gedanken über die Rolle des Artworks für die Musik und vor allem für die Musik als Produkt und Ware zu machen. Fast erschreckt darüber, wie seltsam verschwommen das Bild über ein Album in der eigenen Vorstellungswelt wird, wenn man keinen alleinigen visuellen Bezugspunkt mehr hat, sondern Hunderte, mache ich mich wieder auf Richtung Spielbudenplatz, zur Flatstock Poster Convention.
Zwar kenne ich jene limitierten, künstlerisch hochwertigen Siebdruck-Band-Poster, die meist als Konzertankündigung dienen, mir war jedoch bislang nicht klar, dass es eine ganze Szene gibt, die unter dem Begriff „Flatstock“ zusammengefasst wird. Laut Infoheft ist es auch die größte Convention bisher in Europa und entsprechend viele amerikanische Künstler sind angereist. Nicht alles gefällt, vieles aber sehr. Meine Favoritin ist Piccione (http://www.piccione.nl/). Schöner Nachmittag. Jetzt schnell noch etwas Kraft für das umfangreiche Abendprogramm tanken.

WHEN SAINTS GO MACHINE – Café Keese
(jf) Schon allein das Café Keese ist einen Besuch wert – schnieke, schick und mit viel Tamtam. Passend zu WHEN SAINTS GO MACHINE, die grandios den Festivalabend eröffnen und sich ganz in Loops und Stimmgewalt verlieren. Welch perfekter Einstieg, den mir diese blutjungen Dänen da bescheren, ganz lässig und etwas unnahbar. Entsprechend ist die, entgegen meinen Erwartungen, recht lichte Menschenversammlung zu Beginn etwas verhalten. Doch spätestens nach dem ersten tanzbaren Stück wird auch dem zurückhaltenden Karohemdträger ein kleines Mitwippen entlockt. Welch toller Start!

THE GET UP KIDS – Docks
(jg) Mir persönlich gefielen die Dänen heute nicht so gut wie auf dem Appletree Garden Festival – vielleicht lag es am frühen Beginn oder der zu hell ausgeleuchteten Bühne. Also rüber zu den GET UP KIDS und zurück in die Vergangenheit! Wir fragen uns, ob die Besucher wegen der Musik kommen oder um sich an die verblichene Jugend zu erinnern. Dass die Menge keine Lust auf ihre neuen Sachen hat, wird klar, wenn man den Applaus nach den einzelnen Songs vergleicht. Ich will mich da selbst nicht ausschließen. Ach, schön, auch wenn die GET UP KIDS etwas müde und zu alt für ihre Musik wirken. Spielfreude sieht jedenfalls anders aus, was uns später in der Prinzenbar erst richtig bewusst wird.

FRIENDLY FIRES – Uebel & Gefährlich
(jg) Aber zunächst müssen wir weiter ins Uebel & Gefährlich. Etwas verspätet geht es los, und in der Zwischenzeit hat sich der Laden so gut gefüllt, dass wir kaum noch was sehen. Also ab nach hinten, da gibt es Treppen und eine bessere Sicht. Wie gut die Jungs um Ed Macfarlane vor allem live sind, wird klar, wenn man allein die Tresenkräfte beobachtet. Trotz Hochbetrieb wird jeder freie Moment genutzt, um mitzutanzen. Wahnsinn!

TURBOSTAAT – Docks
(fd) Schnell noch Freunde bei TURBOSTAAT im Docks treffen. Die spielen leider schon ihre letzten Songs, gewohnt solide und jedes Mal aufs Neue geil. Andreas packt den Fingerpointer aus und wenn das passiert, ist eigentlich schon alles gesagt. TURBOSTAAT freuen sich und finden, dass es sich weniger nach Festival, sondern eher nach alleinigem Club-Gig anfühlt. Stimmt.

APPARAT ORGAN QUARTET – Moondoo
(jf) Da ich schon seit vielen Jahren das isländische Quartett mit Begeisterung höre und sich für mich an diesem Freitag das erste Mal die Chance eröffnet, die Band sehen zu können, bin ich natürlich relativ voreingenommen. Zudem setzt die meterlang aufgebaute Elektronik auch beim Rest des Publikums hohe Erwartungen frei. Aber im Anbetracht des Konzertes, bei dem die vier Herren mit viel Charme, kryptischen Handzeichen und dem gewohnten Konsolen-Sound überzeugen, ist die Voreingenommenheit genau an der richtigen Stelle. Die mittlerweile in die Jahre gekommenen Isländer um Multiinstrumentalist Jóhan Jóhansson zeigen an diesem Abend, wie viel Spaß und gute Laune Musik machen kann.

JOHN VANDERSLICE – Imperial Theater
(jg) Wir legen auf Wunsch einer Freundin einen kleinen Zwischenstopp bei JOHN VANDERSLICE ein. Was als klassisches Songer/Songwriter-Konzept mit Gitarre, Schlagzeug und Gesang startet, wird im Laufe des Gigs immer lauter und rockiger. Gute Idee, so bleibt es spannend!

REPTILE & RETARD – Prinzenbar
(jg) In der Prinzenbar ist der Bär los. REPTILE & RETARD hatte ich auf meinem persönlichen Zeitplan mit den Stichworten „Elektro, ähnlich JUSTICE“ vermerkt. Stimmt aber nicht ganz – was die Dänen auf der Bühne lostreten, ist zwar recht stumpf, aber wahnsinnig effektiv. Voll auf die Zwölf, alles im Stile von Audiolith und Co, inklusive Stagediving mit Mikro! Genau das Richtige zu so später Stunde, und das Publikum gibt die Energie euphorisiert zurück. Danach erst mal durchatmen…

EMA – Knust
(fd) Habe vor einiger Zeit die Platte von EMA besprochen und für gut befunden. Sowieso ordentlich Hype um die gute Erika M. Anderson. Auch ich, wie offensichtlich viele andere, möchte sie auf keinen Fall verpassen und bin gespannt wie Flitzebogen, wie sie wohl die im positiven Sinne studiolastige Produktion live umsetzen wird. Und das klappt nicht zuletzt wegen ihrer spitzenmäßigen Band richtig gut. Da dürfen von mir aus auch so muckermäßige Sachen ausgepackt werden, wie durchs Funkgerät sprechen und das zweite mit dem Lautsprecher auf die Tonabnehmer der Gitarre gerichtet halten. Erika übt sich derweil in der Affirmation sämtlicher (wie man weiß, ja leider männlich geprägter) Rockklischees und spielt am Ende auf Knien mit der Zunge Gitarre. Super!

HUNDREDS – Große Freiheit 36
(jg) Unser letzter Act für heute sind HUNDREDS. Gut, um nach einem doch recht anstrengenden Tag wieder etwas runterzukommen. Ich habe die beiden Geschwister aus Hamburg in diesem Jahr bereits zum vierten Mal gesehen – spricht nicht nur für ihre allgegenwärtige Präsenz, sondern auch für das gewisse Etwas in ihrer Musik und der Show, das mich jedes Mal wieder fesselt. Heute hat Eva irgendein grün blinkendes Make-Up aufgetragen, was perfekt zu der kühlen, unnahbaren Musik des Duos passt, die seit ein paar Monaten ja von Live-Percussions unterstützt werden. Meine Gäste von außerhalb sprechen am nächsten Morgen vom besten Act des Tages.

Samstag

DUSTIN O´HALLORAN – St. Pauli Kirche
(jg) Klang der Abend gestern verhältnismäßig ruhig aus, soll er heute genau so beginnen. DUSTIN O´HALLORAN kommt gebürtig aus L.A., wohnt aber mittlerweile in Berlin. Nach zwei Piano-Soloalben lässt er sich auf seinem aktuellen Album „Lumière“ von Streichern begleiten, die auch heute seine Stücke musikalisch untermalen. Dabei bildete die großartig beleuchtete St. Pauli Kirche die perfekte Kulisse für seine traumwandlerische Post-Klassik-Klänge.

STRIVING VINES – Silber
(jg) Nachdem ich mir nicht sicher war, ob ich „Can´t win them all“, das Debütalbum der Dänen, nun gut fand oder nicht, will ich mich live von ihnen überzeugen. Das Silber, die ehemalige Tanzhalle, ist brechend voll, während sich der Beginn wegen technischer Schwierigkeiten verzögert. Und als das Konzert endlich beginnt, ist alles von Beginn an präsent: die glasklare, helle Stimme von Sänger Jonas Miller, die poppige, aber nicht eintönige musikalische Untermalung und eine Menge Theatralik. Live irgendwo zwischen MUSE und TIGER LOU anzuordnen – ziemlich perfekt, aber auch ziemlich aalglatt.

RETRO STEFSON – Uebel & Gefährlich
(jf) Zugegeben, der Name der Band ist mir schon einige Male über den Weg gelaufen und so will ich nun die Chance wahrnehmen und mich von der Band einmal berieseln lassen. Kurzes Reinhören bei Grooveshark wies vorher darauf hin, dass die Sachen von denen, irgendwo angesiedelt zwischen Afro-Beat und Synthie-Klängen, gar nicht mal so schlecht waren. Doch auf einen Auftritt, der mich an einen Schülerband-Contest erinnert, bin ich nicht vorbereitet. Mag sein, dass es dem ein oder anderen gefällt, aber ich werde ob des überschäumenden jugendlichen Spieltriebs an die frische Luft gedrängt und gebe der Band für mich somit eine Chance, sie weiterhin zumindest auf Platte gut zu finden.

BRATZE – Große Freiheit 36
(jg) Bei BRATZE machen wir kurz Halt, weil uns nach DUSTIN O´HALLORAN und STRIVING VINES doch nach etwas Action gelüstet. Mission erfüllt. Die Menge vor der Bühne tobt, die Bässe wummern und die Message wird ins Publikum geschrien. Schnell weiter in die Meanie Bar zu ME AND MY DRUMMER – oh, kein Reinkommen mehr. Also weiter in die Prinzenbar zu SIZARR…

SIZARR – Prinzenbar
(jf) Nun, SIZARR. Man hört viel Munkeln und ab und zu meint man, Worte wie „Geheimtipp“ und „Hipstermusik“ wahrzunehmen, wenn es darum geht, wer denn SIZARR eigentlich sind. Ich gestehe gerne ein, dass mich schon allein der Bandname unheimlich beeindruckt. So allein freistehend wirkt er ziemlich catchy und sexy, und was ist dann besser als eine Band, die ihren Namen idealerweise repräsentiert. In der Prinzenbar stehen die Besucher dicht gedrängt an diesem Samstagabend und jeder spitzt seine Ohren, als die drei jungen Herren, gerade mal ihr Abi in der Tasche, die Bühne betreten. Dass sie so jung sind, kann man allerdings nur optisch wahrnehmen – die Musik siedelt sich irgendwo undefinierbar im Bereich der Disharmonien und ausgefeilten Loops und rhythmisch wechselnden Drums an und ist genauso betörend wie der tiefe Gesang des Frontmannes. Dass sie unter 20 sind, verdrängt man dabei gerne, denn eigentlich möchte man gar nicht zugeben, dass so jung schon so gut Musik macht.

BLITZKIDS MVT. – Prinzenbar
(jg) Ich bin genauso beeindruckt wie Janine. Und wo wir schon mal in der Prinzenbar sind, bleiben wir doch gleich zu BLITZKIDS MVT. Zuvor fielen bereits Vergleiche zu LADY GAGA – was zählt, ist die Show! Allerdings geht alles etwas holprig los. Ist das noch der Soundcheck oder schon die Band? An den Turntables ein dunkelhaariger Mann, der vom Publikum größtenteils ignoriert wird, obwohl die Beats gar nicht übel sind. Nach einer Viertelstunde erscheinen mit viel Pomp und Maskerade Sängerin Nomi und zwei Background-Tänzerinnen – es kann losgehen! Eine ausgeklügelte, choreographierte Show, nicht ganz unähnlich zu SANTIGOLD, aber längst nicht so gut. Die Texte recht simpel, Musik ebenso. Elektropop eben. Die Show endet wie sie begonnen hat, mit dem Mann an den Turntables. Und das gefällt mir wesentlich besser, ist richtig tanzbar und modern. Scheint der Kopf der Band zu sein. Wird allerdings nach einer weiteren Viertelstunde abrupt von einem hauseigenen DJ abgelöst. Schade.

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