Musikclubs auf dem Kiez – Ein Blick hinter die Kulissen

Anlässlich des Reeperbahnfestivals überlegten wir uns, nicht nur den Bands unser Interesse zu widmen, sondern über den Tellerrand zu blicken und auch mal die Personen hinter den Kulissen zu Worte kommen zu lassen. In diesem Rahmen sprachen wir mit Andi, seines Zeichens Betreiber des Molotow Club direkt am Spielbudenplatz, über den Fortbestand, die Veränderung und die spezielle Lage auf dem Kiez.

[F] Seit wie vielen Jahren gibt es das Molotow eigentlich schon, und seit wann ist die Meanie Bar eine Etage weiter oben mit dabei? Werden beide Clubs einheitlich oder autonom verwaltet?
[A] Das Molotow gibt es seit 1990, die Meanie Bar seit 1997. Beide Clubs gehören zusammen, werden aber als separate Läden behandelt – mit eigenem Profil und eigenem Programm, aber größtenteils demselben Personal.

[F] In den letzten Jahren sind u. a. mit der Tanzhalle und der Weltbühne ein paar Clubs verschwunden, mit dem Uebel & Gefährlich, der Prinzenbar, dem Haus 73, der Pony Bar, etc. aber auch eine Vielzahl kleiner neuer Clubs hinzugekommen. Gab es im Laufe der Jahre auch kritische Zeiten für’s Molotow? Wie wirkt sich die Konkurrenz aufs Geschäft aus? Wie ist die Lage momentan?
[A] Haus 73 und Ü&G sind ja nun nicht gerade kleine Clubs, und die Prinzenbar gibt es länger als das Molotow. Konkurrenz ist generell immer gut fürs Geschäft, allerdings gibt es leider immer weniger coole Läden auf dem Kiez, weil die Stadt ja lieber an Penny und Lidl vermietet als an Clubbetreiber. Sie schmückt sich zwar auf der einen Seite gerne mit ihrer Musikszene, sieht aber Musik Clubs immer noch in dem gleichen Licht wie Stundenhotels.

[F] Wie wichtig ist für euch der Standort Kiez? Profitiert ihr viel von der Laufkundschaft und den Touristen? Wie wichtig ist ein Stammpublikum?
[A] Der Kiez wird dank der von der Stadt geförderten Entwicklung immer asiger und beliebiger. Discountläden und Systemgastronomie locken ein Publikum, das an einem wertigen Club und Konzertprogramm überhaupt kein Interesse hat. Dennoch sind wir natürlich lieber auf dem Kiez als in Wilhelmsburg oder der Vorstadt, wo man uns von Seiten der Politik ja gerne hinhaben will.

[F] Ist für einen Club wie das Molotow das Wochenende mit der Disco oder die Woche mit Konzerten wichtiger, um bestehen zu können?
[A] Beides ist sehr wichtig.

[F] Wenn man die Vielzahl der Konzerte in Hamburg vergleicht, kann man trotz der allgemeinen Überbegriffe „Alternative“ und „Indie“ im Großen und Ganzen stets einen roten Faden beim Band-Booking der einzelnen Clubs erkennen. Ist es nötig sich abzugrenzen, oder spielt hier der persönliche Geschmack des Bookers die entscheidende Rolle?
[A] Ich denke, das spielt beides zusammen. Der jeweilige Geschmack bestimmt die Ausrichtung und somit auch die „Abgrenzung“ von anderen Venues.

[F] Viele eurer Türsteher arbeiten nebenbei auch in anderen Kiez-Clubs. Gibt es in St. Pauli tatsächlich so etwas wie eine Familie bzw. ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl untereinander?
[A] Ja, das gibt es Gott sei Dank wirklich.

[F] Das Molotow scheint auch von der Innenausstattung nie stillzustehen, sondern wird ständig umgebaut und neu gestaltet. Lebt ihr da persönliche Kreativität aus, oder ist es euer Ziel, den Club immer mehr zu optimieren und zu verschönern?
[A] So was ist heutzutage in einer immer schnelllebigeren Zeit nötig. Wenn die Leute das Gefühl bekommen, dass sich nichts ändert, kommen sie auch nicht mehr. Es muss allerdings immer das Gesicht des Ladens erhalten bleiben…

[F] Wie viele Leute stecken eigentlich insgesamt hinter dem Molotow?
[A] Ein hauptverantwortlicher Betreiber und eine Handvoll mehr oder weniger hauptberuflicher Mitarbeiter, ohne die dieser ganz schön alt aussehen würde.

[F] In der Visions seid ihr unter den besten Clubs Deutschlands gelandet. Überrascht, oder hättet ihr’s bereits erwartet?
[A] Wir landen jedes Jahr in jeder Zeitschrift unter den besten Clubs. Bestechung zahlt sich halt immer noch aus 😉

http://www.molotowclub.com/
http://www.meaniebar.de/
http://www.reeperbahnfestival.com/