Kurz & schmerzlos (April-Juni 2010) – CD-Besprechungen in aller Kürze

In den letzten Tagen der Fußball-WM haben wir uns ein neues Bewertungssystem für unsere CD-Besprechungen ausgedacht: Wir haben beschlossen, dass die Krake "Paul" in unser Redaktionsbüro umzieht, wo sie dann regelmäßig mit den eingesandten Promo-CDs beschallt wird. Am Aquariumboden stehen derweil zwei Futterbehälter, von denen einer die Aufschrift "Gut" und der andere die Aufschrift "Schlecht" trägt. Je nachdem, aus welchem Behälter das putzige Orakeltier seine nächste Mahlzeit zu nehmen gedenkt, würde dann der parallel dazu abgespielte Tonträger bewertet werden. Es wäre alles zu schön gewesen: Wir müssten uns selber keine Beurteilungen mehr aus den Fingern saugen und bekämen keine hasserfüllten E-Mails mehr von Bands, die sich ungerecht behandelt fühlen (einem ehemaligen Mitschreiber wurde gar mal angedroht, ihn "bei Gelegenheit mit dem Auto zu überfahren"…). Stattdessen stünden dann in den Reviews nur noch einfache Sätze wie zum Beispiel "Die Krake meint, das neue DROPKICK MURPHYS-Album ist "gut" – also klarer Pflichtkauf!!!" oder "Paul ist mit der neuen KETTCAR-Scheibe offenbar nicht einverstanden. Daher lieber Finger weg!"
Eigentlich schien alles bereits in trockenen Tüchern zu sein, doch dann kam es zum Eklat: Nachdem sich Blueprint-Oberhaupt Olli standhaft weigerte, in seinem frisch bezogenen Domizil in der Nordheide ausreichend Platz für Pauls 20.000 Liter-Bassin zur Verfügung zu stellen und ersatzweise lediglich seine popelige Badewanne als neues Zuhause für das miesmuschelvernarrte Saugnapfwesen anbot, erklärte der Sprecher vom Sea Life Centre in Oberhausen auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz, dass Paul entgegen der anfangs getätigten Zusage doch nicht fürs Blueprint-Fanzine zur Verfügung stehen werde. Also bleibt alles wie gehabt: Wir müssen die eingesandten Tonträger nach wie vor selber durchhören, ellenlange Berichte schreiben und nach bestem Wissen und Gewissen unsere Blueprint-Sterne vergeben. Und auch die quartalsweise erscheinende Rubrik "Kurz & schmerzlos" bleibt euch und uns leider nicht erspart. Danke, Olli.

ACROSS THE DELTA – "Passports & Souvenirs" (Label: Ink Music, VÖ 28.05.2010)
(jg) Ich finde es immer sehr beeindruckend, wenn kleine Bands nach großen Bühnen klingen. Wobei es ACROSS THE DELTA in ihrer Heimat Österreich immerhin schon zum "Newcomer des Jahres" gebracht haben. Ihre Songs sind perfekt arrangiert, musikalisch irgendwo zwischen DREDG, BIFFY CLYRO und SIVA einzuordnen und, ja, das ist der Nachteil dabei, meistens sehr glatt. Aber schön sind sie trotzdem! Und dass hier gute Musiker am Werke sind, bemerkt man sofort. (6,5)
http://www.myspace.com/acrossthedelta

AMOR & OPHELIA – "Intimpiercing" (Bosworth Recorded Music, VÖ 13.04.2010)
(bc) Hilfe, Hausfrauenrock! Was auf diesem Album mit dem wagemutigen Titel "Intimpiercing" verzapft wird, klingt ungefähr so, als hätten sich ROSENSTOLZ mit irgendeiner abgehalfterten Haispray-Metal-Kapelle zusammengetan, um mal so richtig die Sau rauszulassen. Fragt sich nur, welcher arme Bauer die besagte Sau anschließend wieder einfangen muss… Grauenvoll. (1)
http://www.myspace.com/amorundophelia

BOMBEE – "Black keys” (Label: Exile On Mainstream, VÖ 28.05.2010)
(jg) Cello, Gitarre, Cajon und Gesang. Schön und düster, aber ich habe mit BOMBEE das gleiche Problem wie Philipp: der Gesang ist mir einfach zu finster und theatralisch. Für Fans von JOHNNY CASH, 16 HORSEPOWER und NICK CAVE. (4)

http://www.myspace.com/bombee666

CELESTE – "Morte(s) nee(s)” (Label: Denovali Records, VÖ 28.05.2010)
(mb) Viertes Album der Brutalos aus Frankreich. Wie immer auch kostenlos auf deren Homepage zu bekommen, aber aufgrund des ansprechenden Artworks kann sich für den geneigten Fan durchaus der Kauf dieses Tonträgers lohnen. Man sollte dafür aber schon zu den härter Gesottenen gehören, denn CELESTE mischen derben Metal mit kompromisslosem Hardcore der Marke BREACH oder NEUROSIS. Nichts für mich, aber definitiv gut gemacht. (7)
http://www.myspace.com/unhiverdeplus

COLLAPSE UNDER THE EMPIRE – "The sirens sound” (Label: Sister Jack Records, VÖ 21.05.2010)
(jg) Und dass Post-Rock eben doch nicht immer gleich klingt (vergleiche auch die Rezension zu MY EDUCATION) beweisen COLLAPSE UNDER THE EMPIRE mit ihrem dritten Album "The sirens sound". Hier entwickeln sich in den ruhigen Momenten traumwandlerische Elektronikpassagen, während in den Wall of Sounds alles aufgefahren wird, was zur Verfügung steht. Von dem Können des Hamburger Duos zeigte sich sogar schon das britische Q Magazine beeindruckt – und wenn die Briten gar über den Ärmelkanal schauen, will das schon was heißen. (7,5)
http://www.myspace.com/collapseempire

CHRIS LEO´S VAGUES ANGELS – "The sunny day I caught Tintarella di Luna for a picnic at the cemetary" (Label: Expect Candy, VÖ 28.05.2010)
(jg) Chris Leo hat zweifelsohne Großes geschaffen. Alleine für THE VAN PELT kann ich ihm noch heute danken, und auch THE LAPSE wird in der Musikgeschichte eine wichtige Rolle zuteil. Die VAGUE ANGELS waren ursprünglich als Buch geplant, dem letztendlich aber eine CD beilag, und inzwischen scheint es sich doch um sein Solo-Ding zu handeln. Mir persönlich erscheint die musikalische Mischung aus Americana, Orientalik, Indie und Disco aber ein wenig zu schräg. (6)
http://www.myspace.com/vagueangels

DAS ACTIONTEAM – "Die Platte, von der alle reden” (Label: Klink, VÖ 14.05.2010)
(jg) Na, versucht hier jemand auf den DEICHKIND-Zug aufzuspringen? Natürlich, verkauft sich ja gut! Selbst bei den unsäglichen ATZEN hat´s geklappt. Und dazu noch ein Prise BONAPARTE und ein lustiger Albumtitel, dann läuft´s von selbst. Zum Glück nicht! Denn DAS ACTIONTEAM ist sogar noch unlustiger als BÜRGER LARS DIETRICH. Und da gehört schon was zu… (1)
http://www.myspace.com/dasactionteam

DEAD WESTERN – "Suckle at the supple teats of time” (Label: Soulfood Music, VÖ 26.03.2010)
(mb) Über weite Strecken sehr ansprechender, atmosphärischer Folk-Rock. Dem ich gern noch intensiver zugehört hätte. Wenn da nicht diese Stimme wäre. Die ist wirklich außergewöhnlich, wenn nicht sogar einzigartig. Und ungenießbar! (4)

http://www.myspace.com/soundsofloveandspace

DON VITO – "IV" (Label: Discorporate Records, VÖ 08.04.2010)
(jg) Als ich die ersten Releases von Discorporate Records hörte, war ich von dem Dresdner Label so begeistert, dass ich mir gleich ein Lesezeichen setzte. Aber wo ich bei THE SEASON STANDARD trotz aller Komplexität auch einige schöne Stellen entdecken konnte, fand ich viele nachfolgende Bands nur noch anstrengend. DON VITO mit ihrer Mischung aus Stresscore, Noise und Experimental ebenso. Aber wer Bands wie HELLA oder LIGHTNING BOLT mag, kann’s ja mal versuchen! (3)
http://www.myspace.com/donvitorockt

DRINK TO ME – "Brazil” (Label: Unhip Records, VÖ 12.03.2010)
(jg) DRINK TO ME sind ein Trio aus Italien, das Nils mir empfehlen würde, wenn sie in der Astrastube spielen würden. Nils steht nämlich auf nerdige Musik, und DRINK TO ME bieten eine krude Mischung aus Synthie, Noise und Pop. Ich kann die Genialität hier zwar erkennen, aber ganz drauf einlassen kann ich mich leider nicht. Eigentlich schade. Unentschlossene (5) Sterne.
http://www.myspace.com/drinktomeband

ELIN RUTH SIGVARSSON – "Cookatoo friends” (Label: Popup Records, VÖ 07.05.2010)
(mb) Das hier ist nix für mich. Man kann es in Zeiten von LADY GAGA nicht einmal mehr Mainstream nennen, denn es gibt gar nicht mehr so viele Bands oder Künstler, die sich dieser Art von Musik annehmen. Nennen wir es also Standard, Rock, Soul, Blues, was immer. 1A-Produktion, handwerklich gut, aber leider absolut uninteressant. (3)

http://www.myspace.com/elinruth

HOLMES – "Have I told you lately that I loathe you" (Label: Black Star Foundation, VÖ 18.06.2010)
(jg) HOLMES aus Schweden sind ganz sicher angenehme Zeitgenossen. Wenn sie auf Tour sind und noch eine Übernachtungsmöglichkeit suchen, kann man ihnen getrost den Wohnungsschlüssel überlassen. Da kommt nix weg, vielleicht machen sie sogar noch deinen Abwasch. Und diese Höflichkeit drückt sich auch in ihrer Musik aus. Die ist verträumt, emotional, melancholisch, leicht kitschig, aber am Ende auch etwas öde. Zwischen SOPHIA, SONGS:OHIA und den WEAKERTHANS anzuordnen. (5)
http://www.myspace.com/holmezzz

IKARIA – "Luxembourg" (Label: Cobretti Records, VÖ 25.06.2010)
(jg) Vor einem Jahr erschien das Debüt-Album von IKARIA, für das Michael nur lobende Worte fand, und wenn man sich nun den Nachfolger "Luxembourg" anhört, kann man eine klare Weiterentwicklung erkennen. Sie sind erwachsener geworden, die Stimme ist tiefer, die Musik ernster. Aufgenommen bei Mathias Oldén von LOGH hat man für solche Prozesse den richtigen Mann an Bord geholt. Im Prinzip gibt es nichts auszusetzen, aber mir gefällt das Debüt irgendwie besser. (6,5)
http://www.myspace.com/ikariamusic

IROHA & FRAGMENT – "Bittersweet” (Label: Denovali Records, VÖ 18.06.2010)
(mb) Eine interessante Kombination. Ein tendenziell eher ruhiges Nebenprojekt mehrerer in Metalbands aktiver Musiker namens IROHA suchte für diese Veröffentlichung die Kollaboration mit dem französischen Ambient- und Shoegaze-Künstler FRAGMENT. Auf den Tonträger geschafft haben es zwei Stücke der erstgenannten Band, zwei von FRAGMENT und zwei Stücke, in denen beide zusammen agieren. Und überdeutlich wird, dass, wo immer FRAGMENT beteiligt ist, hervorragende Musik herausgekommen ist, IROHA allein dagegen äußerst blass aussehen. Für FRAGMENT gibt es acht Punkte, für IROHA vier. (6)
http://www.myspace.com/irohamusic
http://www.myspace.com/fragmentmonolith

JAVELIN – "No mas”
(Label: Luaka Bop, VÖ 14.05.2010)
(jg) JAVELIN aus Brooklyn machen seichten Disco-Atari-Pop mit etwas Soul, zu dem man mitwippen kann, aber der einen nicht gerade vom Hocker und schon gar nicht auf die Tanzfläche reißt. Als Hobbys geben Teenies heutzutage ja gern "chillen und shoppen" an. Zur Berieselung für beides sicherlich geeignet, aber für einen Vergleich mit HOT CHIP reicht´s noch nicht. (3,5)
http://www.myspace.com/hotjamzofjavelin

JÜRGEN UFER – "Kopf in den Sternen”
(Label: Labelship / Popup Records, VÖ 14.05.2010)
(jg) Und noch eine seichte Platte, diesmal allerdings in Richtung Singer/Songwriter, Deutschrock tendierend. An der Aufnahme gibt es hier absolut nichts zu mäkeln, die Songs sind schön arrangiert, warm in der Produktion, aber das ändert nichts an der Langeweile, die die Musik und die Texte ausstrahlen. (4)
http://www.myspace.com/juergenufer

KERRETTA – "Vilayer”
(Label: Golden Antenna, VÖ 11.06.2010)
(jg) Mit Neuseeland verbinden die meisten gutes Wetter und Urlaub. Ob es dort eine bestimmte musikalische Szene gibt, weiß ich nicht, aber die Musik von KERRETTA würde man diesem Land sicher eher nicht zuschreiben. Die ist nämlich sehr massiv und dramatisch, gleichzeitig aber auch recht melodisch. Produziert hat kein Geringerer als Bob Weston (SHELLAC). Grob kann man KERETTA mit ISIS und den Abkömmlingen vergleichen, aber zwischendurch blitzen auch Momente aus Metal und Prog Rock auf, die bei mir gelegentlich für Stirnrunzeln sorgen. (5,5)
http://www.myspace.com/kerretta

KOM – "Berry White”
(Label: Denovali Records, VÖ 18.06.2010)
(mb) Eine gute halbe Stunde seichter Gitarrenmusik findet man auf diesem Album. Leider auch mit dem etwas negativen Beigeschmack, den das Wort "seicht" in sich trägt. Sicherlich, dies hier ist ganz bewusst zurückhaltend, melancholisch und all das, was bei einer guten Platte auf "schön" hinausläuft, diese ist aber in erster Linie langweilig, weil ihr die guten Songs fehlen. (4)
http://www.myspace.com/wwwkomkomnet

L.A.LOVE – "Don´t mess with my th" (Label: Timezone, VÖ 19.02.2010)
(jg) Was L.A.LOVE wohl mit dem Opener bezwecken wollen? Zeigen, dass sie noch immer jugendlich losrocken können? Das hätte ich besser sein lassen, zählt dieser Song doch wie auch das punkrockige "Cincinnati" zu den schwächeren Songs. Ansonsten erinnern mich L.A.LOVE sowohl musikalisch als auch von der Außendarstellung ein wenig an STELLA. Nicht ganz deren Qualität erreichend, aber zumindest eigen. (5)
http://www.myspace.com/losangelesloveleipzig

MANTLER – "Monody” (Label: Tomlab, VÖ 02.04.2010)
(mb) Eine wunderschöne Veröffentlichung hätte dieses Album werden können. Alle Zutaten sind vorhanden. Schöne Melodien, ein tolles musikalisches Geschick, tolle, überwiegend ruhige Arrangements, einzig, die guten Songs müssen noch kommen, um das Ganze zu einem wirklich guten Ende zu bringen. Von allen Kurzreviews, die ich dieses Mal zu besprechen hatte, hätte ich es mir bei dieser am meisten gewünscht. (5)
http://www.myspace.com/mantler

MARIO PERCUDANI – "New day" (Label: Tanzan Music / Sony, VÖ 16.04.2010)
(bc) Da ahnst du nichts Böses, schiebst eine CD in die Anlage, und ehe du dich versiehst, wirst du mit langweiligem Songwriter-Bluespop gequält. Sorry, aber da klingt selbst das monotone Getröte einer Vuvuzela spannender als das, was MARIO PERCUDANI hier abliefert. (1,5)

http://www.myspace.com/mariopercudani

METTE DAMM – "Where’s the extravagance for me…?" (Label: Divine Records, VÖ 23.04.2010)
(jg) Ähnlich wie L.A.LOVE geht es bei METTE DAMM um die Besonderheit der Musik und die Form der Darstellung. Das drückt bereits der Albumtitel aus. Allerdings scheint hier alles etwas ausgefeilter. Präsentiert sich die Dänin vor allem in edlen Renaissance-Kleidern, klingt die Musik nicht minder klassisch. Aber da ich nicht so sehr auf Musicals etc. stehe… (3)
http://www.myspace.com/mettedamm

MIDAS FALL – "Eleven. Return and revert" (Monotreme Records, VÖ 09.04.2010)
(jg) MIDAS FALL kommen aus Edingburgh und machen atmosphärischen Post-Rock mit weiblichem Gesang. Das gibt es meines Wissens noch nicht allzu oft und macht die Band an ihren guten Stellen, die sich irgendwo zwischen PORTISHEAD, BAT FOR LASHES, und RADIOHEAD bewegen, durchaus interessant. Aber meistens steht der Gesang ganz unangenehm im Vordergrund und weckt Erinnerungen an EVANESCENCE und MELISSA ETHERIDGE. (4)
http://www.myspace.com/midasfall

MIDRIFF – "Grassman´s cottage" (Eigenvertrieb, out now)
(bc) Es gibt doch tatsächlich noch Bands, die so richtig schön klassischen Hardrock spielen. MIDRIFF gründeten sich im Sommer 2008 in Tirol, spielten zunächst Coversongs, sammelten erste Tourerfahrungen in Österreich und Bayern und begannen schließlich, eigene Songs zu schreiben. Fünf davon befinden sich auf dieser komplett in Eigenregie produzierten EP. Technisch und in Sachen Songwriting gehen die Österreicher in Anbetracht ihrer noch recht jungen Bandgeschichte erstaunlich versiert zu Werke, vor allem der Sänger verleiht den Songs mit seiner kräftigen Stimme eine zusätzliche raue Note. Von daher gibt´s hier eigentlich nichts zu meckern. Bleibt nur die Frage, wer sich heutzutage tatsächlich noch für klassischen Hardrock begeistern kann?! Ich persönlich kenne jedenfalls niemanden… (4,5)
http://www.myspace.com/midriffrock

MY EDUCATION – "Sunrise" (Label: Golden Antenna, VÖ 25.06.2010)
(jg) My education sagt mir, dass es Bands wie diese inzwischen tausendfach gibt, und dass ich hier beim besten Willen keinen Ansatzpunkt finde, der sie positiv aus dem Gros der orchestralen Postrock-Bands hervorhebt. Da hilft es erst recht nicht weiter, dass MY EDUCATION irgendwie "schief" klingen. Sorry. (4)
http://www.myspace.com/myeducation

NO HAWAII – "Snake my charms" (Parallel Music, VÖ 09.06.2010)
(bc) Der Sound von NO HAWAII ist gleichermaßen chaotisch, atmosphärisch und zerstörerisch: Die Schweden spielen ein abwechslungsreiches Gebräu aus Metal, Progressive-Rock und düsterem Post-Hardcore. Dabei kommt es schon mal vor, dass bei einem Song schon mal die Zehnminutenmarke geknackt wird, was alleine deutlich macht, dass man schon ein Faible für harte, abstrakte Musik haben muss, um mit "Snake my charms" glücklich zu werden. Fans von NEUROSIS oder TOOL können ja zumindest mal reinhören… (6)
http://www.myspace.com/nohawaii

PETE AT THE STARCLUB – "Parliaments (Promo-EP)" (Eigenvertrieb)
(bc) Genaugenommen handelt es sich bei dieser CD um keine offizielle Veröffentlichung, sondern um eine Promo-EP, mittels derer PETE AT THE STARCLUB nach einem Plattenlabel für die Veröffentlichung einer kompletten LP suchen. Sie selber bezeichnen ihre Musik als Post-Punk, ich würde es aber eher als Indie-Rock bezeichnen. Und ich muss ehrlich sagen, mich hat diese Truppe mit ihrer vier Song starken Kostprobe überzeugt! Angetrieben von knackigen Downstrokes wird munter drauf losgerockt, und trotz vieler poppiger Momente sind PETE AT THE STARCLUB immer noch sperrig genug, um sich das Prädikat "Band mit Eiern" zu verdienen. Damit sollte sich doch sicherlich jemand finden lassen, der das kommende Album veröffentlicht. Ich drücke jedenfalls die Daumen! (7)
http://www.myspace.com/peteatthestarclub

RED SPAROWES – "The fear is excruciating but therein lies the answer” (Label: Conspiracy Records, VÖ 09.04.2010)
(mb) Post Rock. Nicht schlecht, nicht überragend. Weißte Bescheid. (6.5)

http://www.myspace.com/redsparowes

SUKILOVE – "Stativ moves" (Label: Sukiloves Records, VÖ 21.05.2010)
(jg) Traurige Musik aus Belgien. SUKILOVE klingen wie MUSE ohne Rock-Attitüde und Pomp. Manchmal kommen einem auch die melancholischen BEATLES in den Sinn oder RADIOHEAD. Experimentell sind SUKILOVE auch, aber alles im erträglichen Bereich. Oder wie das Info sagt: "Schwieriges Easy Listening." (5)

http://www.myspace.com/sukilove

SWEET SWEET MOON – "Pompidou" (Label: Siluh Records, VÖ 04.06.2010)
(jg) Eigentlich handelt es sich hierbei um eine wirklich schöne CD, da Matthias Frey, der sich hinter SWEET SWEET MOON versteckt, eine tolle Stimme hat, seine Songs für Singer/Songwriter-Verhältnisse sehr abwechslungsreich arrangiert, und sich neben diversen Streichern auch mal an einen Offbeat-Rhythmus heranwagt. Das Problem dabei ist jedoch, dass ich die ganze Zeit das Gefühl habe, dass hier jemand den Leuten gefallen möchte. Dazu passt das charmante Artwork, sein gutes Aussehen und der Hinweis, dass der Wiener gerne "für Stadtführungen samt Unterbringung bereitssteht – Bett oder Boden". Vielleicht verstehe ich hier aber auch nur einen Gag nicht oder aus mir spricht der pure Neid… (6)
http://www.myspace.com/sweetsweetmoon

TEN VOLT SHOCK – "78 hours" (Label: X-Mist, Salon Alter Hammer, Bakery Outlet Records, Screaming Mimi Records, VÖ 15.02.2010)
(jg) Ein guter Freund von mir sprach kürzlich vom besten Hardcore-Album, das er in diesem Jahr gehört hat. Dem mochte ich zwar nicht zustimmen, aber TEN VOLT SHOCK agieren zumindest konsequent in dem, was sie machen. Hier wird nämlich nicht auf ausgefeilte Rhythmiken oder Harmonien Wert gelegt – nein, es soll einfach in die Fresse gehen. Entsprechend muss man sich darauf einlassen können, dass hier eher minimalistisch vorgegangen wird. Oder das Ganze als Noiserock verstehen. Das trifft es vielleicht besser. (6)
http://www.myspace.com/tenvoltshock

THE CHAP – "Well done Europe" (VÖ 21.05.2010)
(jg) Diese Band aus London und Berlin lässt sich von allem und nichts beeinflussen. Ich tat mir ja schon mit dem letzten Album "Mega breakfast" schwer, und da hat sich auch mit "Well done Europe" nichts geändert. Zwar klingen THE CHAP für ihre Stilvielfalt erstaunlich nachvollziehbar, aber Gefallen finde ich daran noch immer nicht. (4)

http://www.myspace.com/thechap

THE CRAZY CRAZY WORLD OF MR. RUBIK – s/t (Label: Locomotiv Records, VÖ 25.02.2010)
(jg) Bereits das Cover, auf dem drei Musiker an Haken hängend über ihren Instrumenten schweben, lässt erahnen, dass hier nicht nicht nur der Bandname ungewöhnlich ist. Und tatsächlich setzt sich das auch in der Musik fort, die anfangs nach Math Rock Aerobic klingt, später eine stoische Monotonität à la SHELLAC erzeugt, sich zwischendurch an schöne Melodien heranwagt und oftmals auch einfach nur nervt. Dazu die italienischen Version eines Hank von Helvete, der predigt, singt, schreit und erzählt. Ein sonderbarer Haufen… (5,5)
http://www.myspace.com/tccwomr

THE FORUM WALTERS – "Rejected" (VÖ 19.06.2010)
(bc) Was ist denn das für ein seltsamer Bandname?! Naja, wie auch immer… THE FORUM WALTERS kommen aus Wien und spielen melodischen Midtempo-Streetpunk, wobei sie auch mal den ein oder anderen Ska-Offbeat einstreuen. So wirklich überzeugen kann mich das Ergebnis, das die drei Jungs und das Mädel hier abliefern, allerdings nicht: Der Gesang leidet unter einem deutlichen Akzent und kommt meist recht kraftlos rüber, darüber hinaus stellen die Songs an sich (mit Ausnahme der wirklich hitverdächtigen Hymne "Modern Transylvania"!) maximal mittelmäßige Punkrock-Hausmannskost dar. Unabhängig davon ist die Band jedoch derzeit unermüdlich auf Tour, was zumindest die Hoffnung nährt, dass die Österreicher über gute Livequalitäten verfügen. (5,5)
http://www.myspace.com/theforumwalters

TOUCH THE SPIDER – "Tales of woe" (Label: Whereareyoufrom Records, VÖ 26.03.2010)
(bc) Wenn sich zwei besessene Musiker zusammentun und gemeinsam ihren Hang zu düsterer Musik ausleben, dann kommt wohl zwangsläufig ein Projekt wie TOUCH THE SPIDER dabei heraus. Ihr Sound erweist sich als giftiger Cocktail aus Wave, Gothic, Stonerrock und Doom Metal und zeichnet sich durch eine zumeist beklemmende Atmosphäre aus. Auch die Texte eignen sich nicht gerade dazu, kleinen Kindern als Gutenachtgeschichte vorgetragen zu werden: "Depressions crawl like worms – they pierce my skin – black clouds rain down on me – i´m hopeless within." Oha. Zugegeben, das Ganze ist musikalisch recht gut umgesetzt, doch insgesamt ist "Tales of woe" doch eine Spur zu dunkel für die tendenziell eher sonnigen Blueprint-Gemüter. (5)
http://www.myspace.com/touchthespider

UFOMAMMUT – "Eve" (Label: Supernatural Cat, VÖ 07.05.2010)
(jg) Diese CD besteht im Grunde nur aus einem Track, der 45 Minuten lang ist und in fünf Kapitel unterteilt wurde und der Eva, der ersten Frau auf der Erde, gewidmet wurde. Das hat ja fast etwas Biblisches, und tatsächlich klingt die Musik entsprechend. Oder aber man führt Vergleiche mit ISIS und NEUROSIS an. Nicht viel Neues also, aber in der Bibel sucht man danach ja auch vergebens. (4,5)
http://www.myspace.com/ufomammut

UNTIED STATES – "Instant everything, constant nothing" (Label: Distile Records, VÖ 30.04.2010)
(jg) Wenn UNTIED STATES (kein Schreibfehler) wollen, können sie richtig schöne Indie-Songs schreiben. Etwas schräg und schrammelig zwar, aber trotzdem gut und leicht melancholisch. Irgendwo zwischen den LIARS, THE VAN PELT und SONIC YOUTH. Aber oftmals wollen sie nicht. Leider. Und dann wird es so arty, dass es zumindest mir auf den Zeiger geht. (6)
http://www.myspace.com/untiedstates

VIDOLL – "Bastard" (Label: Gan Shin Records, VÖ 04.06.2010)
(jg) Eines muss man VIDOLL ja lassen: Einzigartigkeit. Die Japaner vermischen alles, was man sich aus den Bereichen Poppunk, Metal, Prog und Rock vorstellen kann, klingen dabei für meine Ohren zwar zu metalig und zu perfekt produziert, aber ich kenne mich in der "Visual-kei-Szene" auch überhaupt nicht aus. Vielleicht erwartet man das dort. (3)

http://www.myspace.com/vidooru

Über Bernd Cramer 1594 Artikel
Konzert-Junkie & Vinyl-Liebhaber. Schreibt über Musik, ohne zu Architektur zu tanzen.