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JUD – Sufferboy

Mit JUD verbindet mich bereits eine lange Geschichte. Deshalb ganz von Anfang an:
JUD sind mir erstmals mit „Buffalo“ auf einem Introducing-Sampler begegnet. Das muss vor etwa zwölf Jahren gewesen sein, denn es war noch einer der ersten Intro-Sampler, die ich mir damals pflichtbewusst einen nach dem nächsten kaufte. In der Tat mit der Absicht, mich musikalisch fortzubilden. Das Internet was noch in der Mache, und CD-Beilagen zu den Musikmagazinen Mangelware. Und da Plattenreviews die Musik oftmals nicht vorstellbar umschreiben können, waren diese Intro-Sampler eine selige Erfindung. Es bleibt zu bedenken, dass Intro und Visions damals mehr oder weniger die einzigen alternativen Musikmagazine waren.
JUD fielen mir positiv auf, erinnerten mich an meine damaligen Lieblinge KYUSS. Das dazugehörige Debütalbum dieser kalifornischen Band kaufte ich mir kurze Zeit später im Second Hand-Shop, brachte es aber auch schnell wieder zurück, da der Opener „Buffalo“ für meinen Geschmack der einzige gute Song war.
Zeitsprung. Etwa fünf Jahre später gab es das Internet und ich hatte gerade angefangen für newwind.de, den Vorläufer von blueprint zu schreiben. „The perfect life“ von JUD war eine der ersten Promos, die ich zugeschickt bekam, ich hörte es rauf und runter, es gefiel, und wenn mich nicht alles täuscht, war JUD auch die erste englischsprachige Band, die ich interviewte. Nette Jungs!
Zeitsprung. Vor ein paar Wochen erhielt ich mit „Sufferboy“ das neue Album der mittlerweile Wahl-Berliner. In der Tat das erste Lebenszeichen seit „The perfect life“. Guido Lucas erzählte uns im Studio, dass David Judson Clemmons, der Sänger und Gitarrist von JUD, einer der wachsten und kritischsten Musiker sei, mit denen er bisher zusammengearbeitet habe und der stets genau wisse, was er will. Das neue Album wurde jedoch nicht in der blubox aufgenommen, sondern von Jon Caffery (u.a. EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN, JOY DIVISION!). Ich musste nachträglich noch mal die „The perfect life“ anhören, um festzustellen, warum JUD und ich uns mittlerweile so weit voneinander entfernt haben. Stoner Rock höre ich eigentlich kaum noch, Rock auch nur selten – wenn schon hart, dann eher frickeligen Postcore. Von daher kann ich die damalige Begeisterung für dem Vorgänger zwar auch nicht mehr so recht nachempfinden, hinzu kommt jedoch, dass sich JUD eher in die andere Richtung entwickelt haben: noch rockiger, noch fetter, und bloß nicht den Pathos vergessen! Gerade die ersten Songs machten es mir da sehr schwer. Zur Mitte des Albums hoffte ich, dass ich mich nur wieder in die Musik reinhören müsste. Da verbergen sich nämlich durchaus ein paar songwriterische Perlen und schöne Melodien. Und einfallsreiche Ideen gibt es hier allemal. Aber wer sich nicht mindestens für die QUEENS OF THE STONE AGE und ihre Ableger begeistern kann, wird es schwer haben mit „Sufferboy“. Auch wenn sich die restliche Presse wahrscheinlich wieder überschlagen wird – ich bin da leider raus.