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JOEY CAPE / TONY SLY – Acoustic

NO USE FOR A NAME meets LAGWAGON, Tony meets Joey. Und man wird alt… Naja, ich auch, vielleicht mag ich dieses Album auch deswegen. Die zwei Kollegen haben sich gedacht: „OK, machen wir doch mal ein ruhigeres Album, mit Songs, von denen viele eh an der Akustik-Gitarre entstanden sind.“ Gesagt, getan – und hier das Ergebnis:
Den Anfang macht Tony Sly mit „international you day“ – im Original zu finden auf „Hard rock bottom“, und zwar mit einem etwas merkwürdigen Intro, das so gar nicht zum Song passt. Dafür gibt es aber mehr als nur einen Mann und seine Gitarre – Streicher, Percussions und auch eine zweite Gesangsstimme, ziemlich entspannt aber genauso melodisch wie in der schnelleren Version. Die Umsetzung von „not your savior“ (von „More betterness!“) ist da nicht ganz so gelungen. Das Intro wirkt sehr gehetzt und gehackt, halt nicht wirklich westerngitarrenfähig. „Exit“, meiner Meinung nach die beste Umsetzung des NUFAN Frontmannes, kommt mit feiner Instrumentierung daher, bevor dann schon wieder so ein komisches Intro eingebaut wurde. „Stunt double“ – der einzig neue Song von Tony Sly – viel Hall/ Echo in der Stimme und könnte so auch in jeder Indie-Disco laufen, weils so schön klingt. „On the outside“ sollte man sich auch mal anhören, interessante Umsetzung. Singen kann er ja und Songs schreiben auch. Leider wirken die Intros manchmal ein wenig anorganisch und unpassend.
Joey Cape schlägt ganz andere Töne an. Während vorher das Klare, Schöne dominierte, wird es nun düsterer. „Move the car“, veröffentlicht auf der großartigen CD „Hoss“, zeigt klar, dass Herr Cape eher der dunklen Seite der Macht erlegen ist, alleine vom Grundklang der Stimme, was den Song viel interessanter erscheinen lässt. Die Instrumentierung mit Streichern und die kleinen, technischen Effekte im Gesang – einfach brillant. „Violins“ mit Akkordeon, wunderbar, ich bin schon wieder voll des Lobes. Die Songs des kleinen Mannes sind alle herrlich abwechslungsreich wie z.B. auch „tragic vision“, das mal nicht im klassischen Punkrock-Takt ist. Joey Cape könnte mit diesen Songs auch ein Album im Sinne der neueren Singer/Songwriter à la KRISTOFER ASTRÖM veröffentlichen, würde prima passen. Seine Songs sind mehr als nur eine akustische Version der LAGWAGON Klassiker – eine Neuinterpretation wie sie besser kaum sein könnte. „Violet“, der neue Song von Joey, war eigentlich mehr als ein Heiratsantrag gedacht, nun ist er auf einem Album. Welche Frau wünscht sich nicht auch so einen Antrag? (Obwohl sie wohl doch eher die konventionelle Art bevorzugt hätte….).
Fazit: Tony Sly hat sich eher an den Originalen orientiert und voll auf sein Gefühl für Melodien und seine Stimme gesetzt, während Joey Cape einfach Gefühl für die Songs hat. Hier prallen zwei vollkommen verschiedene Werke aufeinander, die beide ihre Vorzüge haben, allerdings mit klarem Punktsieg für Joey Cape.
Auf jeden Fall eine gute Art der Split Alben, vielleicht eine nette Alternative zur BYO Split Series – Nachahmung erwünscht.