HELGI JONSSON – Big spring

Jetzt mal ganz ehrlich: gegenüber Musik aus Island kann man doch nur positiv eingestellt sein – so viele andere Bands haben es bereits bewiesen, dass das Gen „Talent“ via Muttermilch leibhaftig eingeflossen zu werden scheint und Kinder bereits im Kindergartenalter Instrumente perfekt beherrschen, die ich nicht einmal richtig halten kann.
Dass HELGI JONSSON nicht bloß ein „einfacher“ Musiker mit ein wenig Herzblut ist, lernt man schnell. Nicht nur, wenn man sich ein paar Hintergrundinformationen verschafft und erfährt, dass Herr Jonsson an dem Reykjavik Conservatory of Music und der Universität der Künste in Graz studiert hat, sondern auch, wenn man „Big Spring“ hört und mit jedem erneuten Anhören feststellen muss, dass vielmehr dahinter steckt als man auf dem ersten Blick erahnen könnte.
Ähnlich wie das Albumcover schon andeutet, besteht „Big spring“ aus einem groben, fein gespannten Gewebe fragiler Töne, standhafter Popsongs und verträumter Melodien, zu denen man erstmal einen Weg finden muss. Doch ist dieser einmal gefunden, dann weiß man ziemlich schnell, womit man es zu tun hat – es ist nicht einfach nur ein simples Pop-Album, was HELGI JONSSON da geschaffen hat, sondern ein kleines Universum.
Mal schnell und imposant, mal leise und mit sanften Klaviertönen. Helgi wird nicht müde, zu zeigen, was er alles kann. Und das mögen wir sehr – lassen wir uns doch gern von den Isländern beeindrucken. Ein Song entstand aus der Kollaboration mit der dänischen Künstlerin Tina Dico, auf drei weiteren steuerte sie ihre Lyrics dazu.
Nach einigen Malen Durchhören realisiere ich jedoch nach und nach, dass das Album ungewöhnlich zurückgehalten wird. Vielleicht könnte HELGI JONSSON viel mehr, man erwartet ein Orchester, großes Tamtam und ein Paukenregen, aber er hält sich bedeckt und konzentriert sich viel mehr auf die kleinen Töne, den Moment und – wie viele seiner Landsleute – seine Stimme als Instrument. Vermutlich möchte er das Amateurohr nicht verschrecken, sondern mit Einfachheit anstatt mit Wagemut punkten. Bei mir hat er das auf jeden Fall geschafft.

Bewertung: 7/10

Veröffentlichungsdatum: 16.09.2011