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FONDERMANN – Quiddje

Wer in Hamburg lebt und sich für Punk-Musik interessiert, der dürfte bereits in mehreren Zusammenhängen über den Namen Ritchy Fondermann gestolpert sein. Seit einer gefühlten Ewigkeit spielte er in Bands wie ANTIKÖRPER, THE VARANES oder HIGHSCHOOL NIGHTMARE und zeichnet sich zudem als Besitzer des K-Klang Studios für unzählige Hamburger Punkrock-Veröffentlichungen mitverantwortlich. Dass er darüber hinaus auch eine Vorliebe für Pop-Musik hat, mag im ersten Moment vielleicht verwundern, doch wenn man sich das Album seines schlicht FONDERMANN getauften Solo-Projektes anhört, merkt man schnell, wie viel Herzblut er auch für diese Art von Musik übrig hat. Neben der schrammeligen Indiepop-Nummer „Taxi“ gibt es überwiegend chansoneske Pop-Songs zu hören, die anstelle verzerrter Gitarren lieber auf Steelguitar-Effekte, Orgelklänge oder auch mal eine Trompete setzen und zwangsläufig Erinnerungen an Bands wie ELEMENT OF CRIME oder die AERONAUTEN wecken. Das „Quiddje“ dabei von vorne bis hinten stimmig wirkt, ist nicht zuletzt Ritchies zumeist sehr persönlichen Texten zu verdanken: Die Flucht aus der Provinz nach Hamburg, die Sehnsucht nach dem Meer oder das Hinterfragen des eigenen Lebensweges sind Themen, die den Liedern eine zusätzliche Prise Melancholie verleihen und dem Gesamtkonzept des Albums durchaus gut tun. Denn dem spröden norddeutschen Charme kann man ja bekanntlich nur schwer widerstehen…

Bernd Cramer

Konzert-Junkie & Vinyl-Liebhaber. Schreibt über Musik, ohne zu Architektur zu tanzen.