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DROPKICK MURPHYS – Neues von den alten Dudelsäcken

Nachdem die DROPKICK MURPHYS mit ihrem Songbeitrag zu Martin Scorseses „The Departed“ ein wenig Hollywood-Luft schnuppern durften, konzentrieren sich die Bostoner Punkrocker wieder auf das, was sie am besten können: Touren und Platten produzieren. Mit „The meanest of time“, in Deutschland seit dem 21. September erhältlich, präsentieren sie erstmals unter eigenem Label (Born & Bred Records) ihr neustes Album. Ihrem Stil, eine Mischung aus Punkrock und irischer Volksmusik, sind sie seit elf Jahren Bandbestehens nach wie vor treu geblieben.
Al Barr, Frontman der DROPKICK MURPHYS, plauderte mit uns über das neue Album, Martin Scorsese und wie es ist, vor 35.000 Zuschauern als Headliner aufzutreten.

[F] Ich hab gehört, deine Mutter ist Deutsche, und du hast eine Zeit lang in Deutschland gelebt?
[A] Ja, 75/76 in Westberlin. Ich ging dort in die erste und zweite Klasse. Mein Vater war Lehrer an der John-F.-Kennedy-Schule (zweisprachige Schule in Berlin-Zehlendorf; Anm. d. Red.).

[F] Also sprichst du deutsch?
[A] Ein bisschen.

[F] Dann kannst du ja auf Deutsch antworten!?
[A] Lieber auf Englisch. Wenn man nicht regelmäßig in Deutschland ist, dauert es eine Zeit, um wieder reinzukommen. Mein Vokabular ist ziemlich schlimm.

[F] Ich finde, du redest ziemlich gut deutsch.
[A] So gut ist es wieder nicht.

[F] Du bist hier, um euer neues Album „The meanest of time“ zu promoten. Den Song „Flannigan’s ball“ konnte man bereits auf eurer myspace Seite downloaden. Über den Song sagt ihr, dass er drei Generationen irischen Punkrocks vereinigt.
[A] Richtig, wir haben den Song zusammen mit Ronnie Dew von den DUBLINERS und Spider Stacy von den POGUES aufgenommen.
Der zweite Song, den wir im Internet veröffentlicht haben ist, glaub ich, „State of Massachusetts“.

[F] Die beiden singen den Song auf der Albumversion, aber die Internetversion von „Flannigan’s ball“…
[A] Ja, da singen ich und Kenny.

[F] Warum?
[A] Ich weiss nicht so genau. Wir wollten noch was anderes und dachten, so sei es vielleicht interessanter, wenn die Leute erst uns singen hören, die Platte kaufen und dann Ronnie Dew und Spider Stacy hören.

[F] Besteht denn die Möglichkeit, dass ihr den Song als B-Site veröffentlichen werdet?
[A] Vielleicht, je nachdem wie groß das Interesse nach der Veröffentlichung noch ist.

[F] Mit „The meanest of time“ habt ihr euer eigenes Plattenlabel ins Leben gerufen. Wieso habt ihr euch entschlossen Born & Bred Records zu gründen?
[A] Es war schon immer im Interesse der Band, selbstständig zu sein. Wir haben zehn Jahre mit Epitaph/ Hellcat zusammengearbeitet.
Es gab ein paar Dinge, die sie über die Band nie verstanden haben. Das war allerdings nicht der Hauptgrund, sie zu verlassen. Epitaph Records ist ein anständiges Label, die Leute machen ihre Sache gut. Wir wollten nach zehn Jahren die Dinge ein wenig aufrütteln und einfach ein neues Kapitel in der Geschichte der DROPKICK MURPHYS starten.

[F] Aber ihr arbeitet zusammen mit Warner Music, ist das richtig?
[A] Ja, aber sie sind nur der Vertrieb. Es ist unser Label, niemand außer uns ist daran beteiligt oder mischt sich in unsere Arbeit ein.

[F] Wird diese Kooperation einen Unterschied für die Band oder die Fans ausmachen?
[A] Wir bringen immer noch DROPKICK MURPHYS- Alben raus, nur unter einem anderen Label, nicht Epitaph, sondern unser eigenes Label. Das ist der einzige Unterschied. Wir sind immer noch die gleiche Band, die gleichen liebenswerten Jungs wie vorher.

[F] Ihr habt den Titelsong für „The Departed“ geschrieben.
[A] Eher gesagt wurde es zum Titelsong. „Shipping up to Boston“ ist auf „Warriors code“ (2005) erschienen. Es ist noch nicht mal ein richtiger Song, sondern nur Lyrics, die wir auf einem Stück Papier gefunden haben, während wir das „Blackout“-Album aufgenommen haben. Wir haben nur ein wenig Struktur hineingebracht. Nur ein paar gekritzelte Wörter:

I’m a sailor peg, and I’ve lost my leg
Climbing up the top sails, i lost my leg
I’m shipping up to Boston

Wow

Also haben wir den Zettel mitgenommen, obwohl wir noch nicht genau wussten, was wir damit anfangen sollten. Als wir den Song dann auf die Platte „Warriors code“ nahmen, waren wir uns immer noch nicht sicher, ob wir ihn drauf lassen sollten. Der Song ist so kurz, dass er schon wieder vorbei ist, bevor er richtig angefangen hat.
Und dann hat Robbie Robinson von THE BAND, ein Freund von Martin Scorsese und ein Fan von den DROPKICK MURPHYS, den Song Scorsese vorgespielt. Er war begeistert und sagte: „Ich muss den Song für meinen Film haben“. Der Rest kam von selbst.
Ich bin ein großer Scorsese-Fan und die anderen Bandmitglieder auch. Also war es eine Ehre für uns, bei diesem tollen Film mitzuwirken. Dann kamen die ganzen Reviews zum Film raus und alle sprachen über den Song. Die Aufmerksamkeit auf den Song war fast so groß wie auf den Film. Alle wollten wissen, wer zur Hölle, ist diese Band. Der Song ist fantastisch, blablabla, Jesus. It was pretty cool…
Sind wir jetzt Soundtrack-Schreiber? Nein. Sind wir reich und berühmt geworden? Nein. Wir sind immer noch dieselbe Band wie vorher. Wir haben diese Möglichkeit genutzt und sind stolz darauf. Etwas, worauf man zurückblicken kann. Aber wir werden nichts an unserem Kurs ändern. Der Song hat uns ein größeres Publikum gebracht, und ein wenig mehr Aufmerksamkeit auf uns gelenkt. Das ist alles.

[F]Aber es war nur ein Song?
[A] Es war nur ein Song, der zweimal im Film zu hören war.
Ich war mit meiner Frau bei der Premiere. Als das Lied zum ersten Mal zu hören war, zerquetschte sie mir fast die Hand, weil es so laut war. Am Ende spielten sie das Lied nochmals, und ich dachte die ganze Zeit nur, das ist verrückt. Wir haben schon mal ein Lied für einen Film geliefert („Fever Pitch“). Das war auch sehr aufregend, aber das hier, das ist Martin Scorsese, Matt Damon, Marc Wahlberg, all die ganzen berühmten Schauspieler, blablabla.

[F]Hattet ihr auch ein Treffen mit Martin Scorsese?
[A] Nein. Wir hatten Kontakt mit ihm, als wir um Erlaubnis baten, Filmszenen für unseren Videoclip zu verwenden. Wir waren uns sicher, er würde nein sagen, wollten es aber trotzdem versuchen. Wir bekamen von ihm eine E-Mail, in der stand: „Sag der Band, ich liebe ihre Musik, ich liebe den Song. Sie dürfen alles haben, was sie wollen! Marty.” Und als er den Acamedy Award gewann, sagte er: „Und ich möchte mich außerdem bei den DROPKICK MURPHYS bedanken, der großartigen Band aus Boston und allen Bostonern.
Es wurde im Radio gespielt. Wir waren auf Tour, deswegen konnten wir es nicht hören, aber meine Schwester rief an, und meinte: „Oh mein Gott, Alex, das glaubst du nicht. Ihr seid im Radio.“ Anschließend sagten sie: „WBCN, herzlichen Glückwunsch an unsere Bostoner Jungs, den Dropkick Murphys.“ Es war wahnsinnig cool.

[F] In den letzten zwei Jahre seid ihr immer berühmter geworden. Inzwischen tretet ihr sogar auf Festivals als Headliner auf. Wie fühlt sich das an?
[A] Wir haben uns in den elf Jahren unseres Bestehens langsam und stetig weiterentwickelt, es war nie ein plötzlicher Sprung in die Top Ten. Was wir auch gar nicht wollen, wir sind keine kommerzielle Radiohit-Band. Selbst wenn wir imstande dazu wären, was wir nicht sind, denke ich, dass ein solcher Erfolg eine Menge Kehrseiten mit sich bringen würde. Wenn du völlig unbekannt bist, niemand hat jemals von dir gehört …plötzlich bist du auf einmal in jeder Radiostation, auf MTV, jeder redet über dich, und am nächsten Tag bist du wieder ein ausgelutschtes Kaugummi. Das ist die Gefahr dabei, wenn man über Nacht berühmt wird. Bei uns war es ein allmählicher Prozess. Wir nehmen uns viel Zeit und versuchen, unser Bestes zu geben. Das hat uns voran gebracht.
Auf dem Hurricane-Festival spielten wir zeitgleich mit PLACEBO. Wir waren so laut, dass sie ihren letzten Song nicht zu Ende spielten. Und PEARL JAM weigerte sich aufzutreten, bevor wir unseren Auftritt beendet hatten. Das war cool. Es ist toll zu sehen, wie groß in Deutschland die Begeisterung für unsere Festivalauftritte ist.

[F] Sind Festivals in den USA anders?
[A] Es gibt nicht wirklich viele Festivals dort, das Chill-Out in Kalifornien, die Warp-Tour, auf der wir auch schon gespielt haben. Aber die sind alle sehr kommerziell. So was wie in Holland würde uns in den Staaten nie passieren. Dort haben wir auf einem Metal-Festival gespielt zwischen all diesen Bands (grölt), mit denen wir in den USA niemals auftreten würden. Und nicht nur, dass viele Fans von uns dort waren, auch die anderen Bands fanden uns gut.
Wir haben mal vor SLAYER gespielt. SLAYER ist so eine Band, vor der möchte niemand spielen, die Fans sind verrückt nach ihnen. Es ist schwer, vor so einer Band zu spielen.
Auf dem Dour-Festival in Belgien haben wir als Headliner gespielt. Das war Wahnsinn! Es waren 35.000 Leuten vor der Bühne. Das war Wahnsinn! Zu Hause haben sie uns für verrückt erklärt, sie wollten es nicht glauben…

[F] Auf dem Lowlands-Festival in Holland habt ihr vor FOO FIGHTERS und QUEENS OF THE STONE AGE gespielt. Ich hatte das Gefühl, dass ihr eine ziemlich grosse und treue Fangemeinde habt.
[A] Wir haben in Norwegen ein Festival gespielt, als erste Band. Wir standen auf der Bühne und es standen 300.000 Leute vor dieser riesigen Bühne. Da hab ich nur gedacht „Wow, this sucks“.
Ich denke, es ist auch so, dass auf Festivals oft Leute zu deinem Konzert kommen, die deine Musik gar nicht kennen. Aber unsere Musik kommt halt live besonders gut an, man muss sie nicht gut kennen und kann trotzdem darauf feiern.

[F] Was die Fans so mögen, ist wohl euer spezieller Stil…
[A] Ich hoffe es, ich hoffe.

[F] …und mit eurem neuen Album verfolgt ihr diesen Stil ja weiter. Habt ihr mal überlegt, was anderes auszuprobieren?
[A] Wir haben überlegt, die Tuba mit rein zu nehmen, aber ich glaube, die Tuba wäre unser Karrierekiller. Wir haben unseren Stil, wie AC/DC oder die RAMONES ihren Stil haben. Wir versuchen immer, das beste Album zu machen, das wir je gemacht haben. Mit dem neuen Album haben wir versucht, mehr Verbindung zu schaffen, ich meine, wir haben eine größere Verbindung zwischen Punkrock und Folkmusik hinbekommen. Eine Verbindung, die durch jeden Song geht. Bei unserem letzten Album hat das gefehlt. Ich liebe unser letztes Album, aber das neue ist durchgängig eins. Es läuft einen roter Faden durch das Album.

[F] Ich hab eine andere Frage. Ich hab gehört, dass ihr manchmal nach euren Konzerten die amerikanische Flagge schwenkt. Stimmt das?
[A] Hm, wir haben das einmal gemacht. Das war auf einer St. Patricks Day Show in 2001, glaube ich.
Es herrscht scheinbar einige Verwirrung, was den Patriotismus der Band betrifft. Wenn wir sagen, dass wir stolz sind, Amerikaner zu sein, heißt das nicht, dass wir denken, wir seien was Besseres als andere. Ist nicht jeder ein bisschen stolz auf seine Herkunft? Für uns heißt Patriotismus nicht, dass wir anderen was überstülpen wollen.[

[F] Auf der „Blackout“ ist ein Song, „Time out“, über Eishockey. Wenn du ein Hockeyteam aus bekannten Musikern zusammenstellen könntest, wen würdest du mit reinnehmen?
[A] Ich würde den Sänger von GOOD RIDDANCE nehmen, ich glaube, er kann spielen. Bei uns ist eigentlich Ken Casey der Eishockeyexperte, er behauptet auch, spielen zu können, aber alle seine Freunde sagen mir immer, dass er überhaupt nicht fahren kann. Ich wäre auf keinen Fall dabei, ich wär der Wasserträger.

[F] Ihr produziert am laufenden Band, seid jedes Jahr in Europa auf Tour. Das ist doch wahnsinnig viel Arbeit.
[A] Ja, das stimmt. Aber das ist unsere Arbeit. Unser Job. Und er macht uns verdammt viel Spass.

[F] Wie würde dein Leben aussehen, wenn du nicht so einen Erfolg mit den Murphys gehabt hättest?
[A] Ich würde trotzdem Musik machen. Ich habe schon vor den Murphys Musik gemacht. Das ist mein Leben. Ich würde es weiter versuchen.

[F] Wann werdet ihr wieder auf Tour gehen?
[A] Im Januar/ Februar werden wir in Europa sein und mit Sicherheit auch einige Konzerte in Deutschland spielen.

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