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CULT OF LUNA / JULIE CHRISTMAS – Mariner

Gehört habe ich CULT OF LUNA schon lange, doch bevor aus Zuneigung Leidenschaft wurde, dauerte es einige Zeit. Mit der Leidenschaft folgte die Erkenntnis. Jede Veröffentlichung ein Unikum, man fordert sich bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus, um nicht auf der Stelle zu stehen und den Horizont kontinuierlich zu erweitern. Eine Band aus Künstlern oder Künstler, die sich zu einer Band zusammengeschlossen haben. Wie auch immer man es sehen möchte, was ich mag, ist, dass man sich Zeit nehmen muss, um in die Musik abzutauchen, damit sie sich vollständig erschließt, was nicht zwangsläufig nach den ersten zehnmal Hören geschehen muss, aber kann. Es gibt immer viel zu erleben und viele Details zu entdecken. Auf „Mariner“ wird die Band von Julie Christmas (Ex-MADE OUT OF BABIES, Ex-BATTLE OF MICE) verstärkt. Die Kollaboration liest sich auf dem Papier ungewöhnlich, verschmilzt nach dem mehrmaligen Hörgenuss allerdings ganz natürlich zu einer Einheit, als wäre es niemals anders gewesen. „Mariner“ ist eine neue Reise, die Welt ist nicht genug, eine Odyssee ins All in fünf Akten. So mutet das Eröffnungsstück „A greater call“ noch als der im CULT OF LUNA-Universum bodenständigste Track an, ist jedoch ein musikalischer Hochkaräter, der nach knapp dreiminütiger Eröffnungsphase seine volle Kraft entfaltet, wobei gerade der Wechselgesang zwischen Johannes und Julie hier perfekt ist. Auf den weiteren Stücken wird Julie mehr Anteile übernehmen. Die folgenden Stücke „Chevron“ und „The wreck of S.S. needle“ transportieren schwankende Stimmungen und sind dabei epochal und musikalisch ausufernd. Eine kurze Pause wird dem Hörer zu Beginn des sich langsam steigernden „Approaching transition“ gewährt, bevor Johannes im Finale („I crack the surface and continue on“) den Hörer regelrecht niederschreit, um den Track leise ausklingen zu lassen. Einen weiteren Höhepunkt dieser Platte bietet dann „Cygnus“, welches auch die CD-Version abschließt. In knapp fünfzehn Minuten wird hier alles vorher Gehörte noch einmal zusammengeführt und auf die Spitze getrieben, der schwere Sound, das Zusammenspiel, die Gitarren(!!!), der Wechselgesang, die Stille und die Gefühlsausbrüche.
Die-Hard-Nerd-Facts: Das grüne, gesprenkelte Doppel-Vinyl sieht klasse aus, und das Artwork kommt auf 12“ Gatefold-Cover ausgezeichnet zur Geltung. Zusätzlich gibt es auf der Vinyl-Version einen weiteren exklusiven Song. „Beyond the redshift“ ist der stimmenlose Ausklang, ein wunderschöner Ambient-Track, der ein versöhnlicheres Ende für „Mariner“ bietet als „Cygnus“. Ein Alternativ-Ende sozusagen. Das Gesamtkonzept von „Mariner“ funktioniert bis in die Ecken dieser Veröffentlichung so klasse, dass auch die Farben des Gatefold-Covers bzw. der Innersleeve-Seiten (Lila, blau, grün und gelb) gleichzeitig die bislang veröffentlichten Vinylfarben darstellen.

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