CALEXICO – Garden Ruin

Früher oder später musste das passieren. CALEXICO, eine der Bands, welchen von Beginn an ein ganz bestimmter Sound auf den Leib geschrieben war, verlassen ihre selbst getretenen Pfade. Die Mariachis haben sie vom Hof gejagt und irgendwann wohl gemerkt, wie viel Luft da plötzlich ist zum Atmen, wieviel Raum, sich darin umzusehen. Wo kommen denn auf einmal die Indie-Rock-Gitarren her? Ach die, die waren doch eigentlich immer schon da. Zumindest im Hinterkopf.
Selbstverständlich hat sich nicht alles geändert. Alles hier ist zweifelsfrei jede Sekunde CALEXICO. Nach wie vor findet man verlorene, wunderschöne Balladen („Yours and mine“), Soundtrack-hafte Stücke wie aus einem mexikanischen Roadmovie. Und zur großen Familenfeier („Roka“) werden dann naürlich auch die Mariachi wieder eingeladen, doch ist das Fest dieses Mal eher besinnlich.
Aber auf Album Nummer fünf, schon der erste Song deutet es an, ist einiges anders; man ist überrascht von der Unmittelbarkeit von „cruel“, das ungewöhnlich konzentriert mit einem Pop-Beat versehen auf den Punkt kommt und sofort zündet.
Plötzlich sind da sogar richtige Rocknummern von einer Coolness, wie sie ihresgleichen sucht. In „Letter to bowie knife“ erinnert man sich vielleicht, dass die Herren Burns und Convertino früher mal mit HOWE GELB Teile von GIANT SAND waren. Und dann gibt es die großen Momente, die wir in dieser Form noch nicht kannten, es gibt Indie Rock, auf „Deep down“ zum Beispiel, einem Stück von einer Größe, die man im Augenblick vielleicht bei THE ARCADE FIRE findet. Den Abschluss bildet die Single „All systems red“, das zugleich der Höhepunkt dieses Albums ist. Dazu singt Joey Burns, und das gilt durchaus für die gesamte Platte, so gut wie nie zuvor. Und wie er singt. Als hinge sein Leben dran.
Auf dem Cover dieser tollen Platte ist eine Malerei eines Vogels zu sehen, der mit einem Baum verwachsen ist, einige Zweige ragen schon aus seinem Körper. Auch wenn sich CALEXICO stets auf einem sehr hohen Niveau bewegt haben, war doch zu fürchten, dass ihnen einmal dasselbe passieren könnte. Doch wird ihnen dieses Schicksal wohl ein für alle Mal erspart bleiben. Denn dieser Vogel fliegt so frei wie nie. Alle Punkte.

Bewertung: 10/10

Veröffentlichungsdatum: 31.03.2006