ADOLAR – Es riecht nach Ärger

Im Oktober erschien mit „Zu den Takten des Programms“ das zweite Album von ADOLAR, und man war überrascht, wie einig sich die Gazetten in ihrer Meinung waren – hier liegt die Zukunft der deutschsprachigen Gitarrenmusik! Doch das Lob von allen Seiten und die gut besuchten Konzerte ließen nicht erahnen, wie viel Arbeit hinter all dem steckt. Zehn Monate lang feilten die Sachsen an ihren Songs, bis sie innerhalb kürzester Zeit auf ein Album gebannt wurden. Ich traf die Band im Frühjahr, als die Aufnahmen bereits abgeschlossen waren, die Veröffentlichung aber noch bevor stand. Vor ihrem Konzert im Molotow plauderte die Band über bevorstehende Festivals, krude Songtitel und das Feldhasen-Syndrom.

[F] Im Herbst wird der Nachfolger zu „Schwörende Seen, Ihr Schicksalsjahre!“ erscheinen. Wie wird das Album klingen? [A] Das neue Album riecht nach Ärger. Es wird eine Pöbel-Platte werden, viel rotziger als die letzte. Nein, im Ernst, das Album ist sehr durchdacht. Und es ist tatsächlich viel wütender als unser Debüt.

[F] Eure Texte wirken immer sehr privat.
[A] Das sind sie auch und vor allem sehr real. Auf dem Debüt sind die Texte noch sehr zerbrechlich und intim, auf dem neuen Album wollen wir etwas weg vom Wehleidigen. Da wird mehr gekotzt. Und es spielt sicher auch eine Rolle, dass ich damals noch in Magdeburg in einem Wohncontainer lebte und jetzt in Leipzig. Abgesehen davon ist unser neuer Proberaum auch viel besser und heller als der alte.

[F] Als Arbeitstitel für das zweite Album habt ihr in eurem Blog bisher Ideen wie „Detlev Buck“ und „Zigarettenkrieg“ notiert. Wie kommt ihr auf solche Songtitel?
[A] Jaja, die Sache mit den Texten… Tatsächlich dauert die Suche nach Song- und Albentiteln bei uns immer am längsten.

[F] Ihr bedient musikalisch keine vorgefertigte Schublade. Ich finde, dass man bei euch sowohl Hamburger Schule à la TOCOTRONIC als auch Metal-Wurzeln heraushören kann.
[A] TOCOTRONIC würde ich zustimmen, den Metal-Wurzeln nicht. Wenn wir Bands benennen müssen, die uns beeinflusst haben, dann vielleicht die DEFTONES, REFUSED, MUSE, AT THE DRIVE-IN und TRAIL OF DEAD. Bei ADOLAR spielen halt unterschiedliche Geschmäcker mit rein. Das finde ich aber auch gut, weil es sonst schnell langweilig wird. Bei uns trifft man auf das Feldhasen-Syndrom.

[F] Ihr seid ja fast andauernd unterwegs. Ich habe festgestellt, dass ihr noch nie eine so lange Tourunterbrechung hattet wie diese – auch wenn es nur dreieinhalb Monate sind. Wie fühlt sich das an, heute Abend wieder auf der Bühne zu stehen?
[A] Wir sind tatsächlich aufgeregter als sonst und freuen uns total auf heute Abend. Studioarbeit ist zwar auch geil, aber live zu spielen ist einfach lebendiger. Wir haben insgesamt zehn Monate lang nur an den neuen Songs rumgefeilt, jetzt wird es Zeit, auch mal wieder aufzutreten. Und wir sind gespannt, wie die neuen Sachen ankommen.

[F] Im Sommer stehen ja ziemlich viele große Festivals auf eurem Programm. Freut ihr euch darauf, oder bevorzugt ihr kleine Clubs?
[A] Es ist tatsächlich eine zweischneidige Sache. Bei so großen Bühnen ist es natürlich schwieriger, einen Kontakt zum Publikum herzustellen, dafür ist das Essen auf Festival meistens sehr gut. Ach, wir gehen die Sache eigentlich ganz entspannt an und freuen uns drauf.

[F] Wie seid ihr auf die Idee gekommen, BRATZE zu covern?
[A] Das ergab sich einfach so. Wir hatten in Oberhausen ein Konzert mit ihnen und hatten im Studio überraschend noch Zeit. Statt der eingeplanten zehn Tage waren die Songs bereits nach vier Tagen im Kasten. Und wir hatten Bock auf einen Coversong und brauchten noch eine B-Seite. Daraufhin haben wir angefangen, den Song zu proben und haben ihn aufgenommen.

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