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	<title>Christian Müller, Autor bei .:blueprint fanzine:.</title>
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		<title>MALM &#8211; Hüllenlos</title>
		<link>https://blueprint-fanzine.de/malm-huellenlos/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Jun 2013 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tonträger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#8222;Lauter! Schneller! Härter!&#8220; Ganz früher hat man so Knüppelbands angefeuert, wenn man sich wünschte, dass sie live über ihre Grenzen gehen sollten. Vermutlich ist MALM (die es schon seit 15 Jahren gibt, nervt mich ziemlich, dass das bislang an mir vorbeigegangen ist) das nie passiert, denn obwohl es eine Menge schnellerer Bands gibt, kann ich [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Lauter! Schneller! Härter!&#8220; Ganz früher hat man so Knüppelbands angefeuert, wenn man sich wünschte, dass sie live über ihre Grenzen gehen sollten. Vermutlich ist MALM (die es schon seit 15 Jahren gibt, nervt mich ziemlich, dass das bislang an mir vorbeigegangen ist) das nie passiert, denn obwohl es eine Menge schnellerer Bands gibt, kann ich mir gerade kaum was Härteres vorstellen. Nun münden solche Überlegungen meist umweglos in den Bereich des Schwanzvergleichs (wo sich eine Band, die Verse wie &#8222;Meine Birne (?) ist so weich, dafür ist mein Schwanz umso härter, was für eine Nacht!&#8220; brüllt, gar nicht so unwohl fühlen dürfte), was in Zeiten, in denen wahrscheinlich so ziemlich jedes Subgenre mit jedem anderen schon auf möglichst schmerzhafte Weise kombiniert worden ist und dank moderner Technik selbst in Jugendzimmern akustische Tornados erzeugt werden können, noch weniger Sinn ergibt als ohnehin schon. Wenn ich hier also von Härte rede, dann meine ich damit die Fähigkeit dieser Band, meinen Blick auf sich zu lenken, ihn festzuhalten und mich dann vierzig Minuten niederzustarren. Und es fühlt sich auch noch gut an. Härte im Sinne von Konsequenz, die irgendwann in Aufdringlichkeit umschlägt, aber das ist dann auch schon egal, man kann sich ohnehin nicht mehr aus der eisernen Umklammerung lösen.<br />
MALM spielen Noiserock, eher die kontrollierte Variante in der Tradition von BIG BLACKs Klassiker &#8222;Songs about fucking&#8220;, wenn auch nie so steril. Lieder mehrheitlich im Midtempo-Bereich, grobschlächtig, wie dreibeinige Herrscher voranschreitend, stark verzerrter Bass, häufig klirrende Gitarren, das Schlagzeug wird ohne große Fisimatenten verdroschen. Soweit, so halbwegs normal – auch wenn es sehr gut und liebevoll gemacht ist, hat man Ähnliches schon von einer Reihe von Bands gehört, UNSANE kommen dem hier von den mir bekannten Gruppen aus dieser Ecke am nächsten. Distinktionsgewinn verschafft ihnen vor allem der völlig durchgeknallte Gesang. Das Album klingt dadurch im Ganzen so, als hätte man einem Borderliner, der normalerweise U-Bahn-Abteile leerpredigt, eine therapeutische Sitzung verordnet, die dieser jetzt auch durchzieht, obwohl er den Psychiater schon ganz am Anfang in einen Schrank gesperrt hat. Und hier liegt wohl der eigentümliche Reiz dieser Stücke, im Kontrast zwischen seinem manischen Gebrüll und dem beherrschten Zusammenspiel der drei Instrumentalisten, das immer ein bisschen so klingt, als müssten sie ganz fest den Deckel auf diesen Topf mit siedender Suppe drücken und sich nur manchmal gegen Ende der Lieder ein bisschen Eskalation gönnen, ohne je in völliges Chaos abzudriften (z.B. bei &#8222;Entzug&#8220; und &#8222;Anker&#8220;, einem regelrecht ergreifenden Liebeslied). Insgesamt variiert die Band zwischen epischeren Nummern mit gewissem Spannungsaufbau (wie &#8222;Blass und aufgebläht&#8220; oder eben &#8222;Anker&#8220;) und Liedern, die durchgehend knallen (&#8222;Abgehackt&#8220; und das ein bisschen an PARTY DIKTATOR erinnernde &#8222;Alles Fassade&#8220;).<br />
In den Texten geht’s – für das Genre ja nicht unüblich – oft um das Verzweifeln des Einzelnen an der Gesellschaft, wobei man sich auch selbst nicht schont (&#8222;Als Mann geboren, als Lusche gelebt, als Nichts gestorben – geiles Leben&#8220;). Dem Albumtitel entsprechend werden einem hier ständig irgendwelche nicht immer angenehmen Geständnisse um die Ohren gehauen. Vermutlich haben sich die Leute, die in den Siebzigern festgestellt haben, das Private sei politisch, das irgendwie anders vorgestellt.<br />
Leider ist Noiserock ein Genre, das schon nicht besonders viele interessiert hat, als es Anfang der Neunziger seinen Zenith erreichte – so dass nicht anzunehmen ist, dass &#8222;Hüllenlos&#8220; reihenweise Leute hinter ihren Öfen hervorlocken wird (obwohl es diese Öfen eigentlich komplett zerlegt), sonst wären MALM für Noiserock im Moment vielleicht das, was TURBOSTAAT für Deutschpunk sind. Vielleicht kommt ja mal jemand auf die Idee, sie mit den PISSED JEANS auf Tour zu schicken, dafür würde ich anreise- und übernachtungstechnisch einiges in Kauf nehmen, denn ich will MALM unbedingt mal live sehen.</p>
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		<title>MOZES AND THE FIRSTBORN &#8211; I got skills</title>
		<link>https://blueprint-fanzine.de/mozes-and-the-firstborn-i-got-skills/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Apr 2013 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tonträger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es geschieht nichts Neues unter der Sonne. Und nicht mal diese Erkenntnis ist neu, man findet sie dort, wo MOZES AND THE FIRSTBORN auch ihren Bandnamen herhaben: im Alten Testament. Glücklicherweise ist der Name das einzig Alttestamentarische an dieser Band. Und was das im ersten Satz angerissene Problem betrifft, also dass dem Kanon der Rock- [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es geschieht nichts Neues unter der Sonne. Und nicht mal diese Erkenntnis ist neu, man findet sie dort, wo MOZES AND THE FIRSTBORN auch ihren Bandnamen herhaben: im Alten Testament. Glücklicherweise ist der Name das einzig Alttestamentarische an dieser Band. Und was das im ersten Satz angerissene Problem betrifft, also dass dem Kanon der Rock- und Popmusik heutzutage eigentlich nichts Entscheidendes mehr hinzuzufügen ist: damit scheinen MOZES AND THE FIRSTBORN völlig unbekümmert umzugehen, als würden sie sagen: &#8222;Unsere Songs sind so gut, dass es völlig latte ist, an wen sie unsere Hörer erinnern.&#8220; Ob die Jungs tatsächlich so lässig, selbstbewusst und fröhlich sind? Keine Ahnung, zumindest klingen sie so.<br />
Die Musik an sich? Erinnert erstmal insgesamt an die Siebziger-STONES. Wobei sich die vier Stücke hier dann noch einmal deutlich voneinander unterscheiden. Im ersten Lied (das gleichzeitig auch der Namensgeber dieser EP ist) gibt’s Sprechgesang, der zugleich nölig, blasiert und sympathisch rüberkommt, meiner Freundin zufolge auch auf &#8222;Some girls&#8220; hätte sein können und so für den oben genannten Eindruck verantwortlich ist. Allerdings sind MOZES AND THE FIRSTBORN viel minimalistischer als die STONES. Vermutlich ist das auch der Grund dafür, dass im Bandinfo und in diversen Besprechungen im Netz immer der Begriff &#8222;Garage Punk&#8220; auftaucht, denn mit Punk hat das hier ansonsten nicht so viel zu tun.<br />
Beim zweiten Lied denkt meine Freundin wegen der Melodie (aufgrund des erwähnten instrumentalen Minimalismus’ steht in allen Songs der Gesang weit im Vordergrund) an THE SHINS, beim dritten kommt mir NIRVANAs &#8222;Incesticide&#8220; in den Sinn (vor allem wegen des Schlagzeuggeböllers hier, aber auch Riffs und wieder die Gesangsmelodie haben Ähnlichkeit mit dem Frühwerk von Kurt und seinen Freunden). Der letzte Song, &#8222;Burn burn burn&#8220;, kommt dann ohne Schlagzeug aus und hat wegen seiner Mitsingqualitäten was Gemeinschaftsstiftendes, ich kann mir sowas gut auf einem Antifolk-Festival vorstellen. Hin und wieder bilde ich mir ein, den niederländischen Akzent der Musiker heraushören zu können, was die Sache zusätzlich charmant macht.<br />
Mag sein, dass es an der nur selten unterbrochenen Extrem-Metal-Diät liegt, der ich mich seit Jahren aussetze, weil mich Indie fast nur noch anödet, aber die EP hier kommt gerade richtig gut und alle Stücke haben was Zwingendes für mich. Ich kann mich nicht erinnern, seit dem Debüt der STROKES so souverän vorgetragene, gleichzeitig abgehangen und frisch klingende Songs gehört zu haben. Wenn sie das Niveau halten können, wird ihr im Herbst erscheinendes Debüt-Album hoffentlich ganz viel Aufmerksamkeit erhalten.</p>
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		<title>WATERTANK &#8211; Sleepwalk</title>
		<link>https://blueprint-fanzine.de/watertank-sleepwalk/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Apr 2013 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Auf dem Cover von &#8222;Sleepwalk&#8220; sieht man die sich auf einer regennassen Straße spiegelnden Schemen mehrerer Menschen, darüber einen dicht mit Sternen übersäten Nachthimmel. Erst nach ein paar Sekunden merkt man, dass das Bild auf dem Kopf steht, und entdeckt dann noch einen Gulli mitten im Bild. Das Cover passt, denn seine Themen – Distanz [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Auf dem Cover von &#8222;Sleepwalk&#8220; sieht man die sich auf einer regennassen Straße spiegelnden Schemen mehrerer Menschen, darüber einen dicht mit Sternen übersäten Nachthimmel. Erst nach ein paar Sekunden merkt man, dass das Bild auf dem Kopf steht, und entdeckt dann noch einen Gulli mitten im Bild. Das Cover passt, denn seine Themen – Distanz und Verlorenheit, Bedrückt- und Erhabenheit – finden sich alle auch in WATERTANKs Sound wieder.<br />
Die fünf Franzosen spielen eine recht eigene Mischung aus metallischem Hardcore und Alternative Rock, die mich an Bands wie JAWBOX oder BLUETIP erinnert. Die kühle, manchmal fast befremdliche Melodik dieser Bands wird mit schweren Gitarren angereichert, wie man sie aus dem Sludge kennt, wobei diese Elemente – mit wechselnden Schwerpunkten (eher heavy: &#8222;Holy tranquilizer&#8220; und &#8222;Fear over the city&#8220;; eher poppig: &#8222;Ants in suits&#8220;, &#8222;Pro crook&#8220; und &#8222;Sleepwalk&#8220;) – immer gekonnt verbunden werden. Im Ergebnis hat man ein Album, das im besten Sinne zwischen allen Stühlen sitzt: weder Pop noch Rock, weder sentimental noch kalkuliert brutal.<br />
WATERTANK spielen seit bereits zehn Jahren zusammen und das merkt man: Vom (Indie-) Rockzeitgeist dieser Dekade weitestgehend abgekoppelt, ziehen sie ihr Ding durch und haben ein bei allem Abwechslungsreichtum enorm kohärentes Album eingespielt, das zwar vielschichtig, dabei aber schnörkellos und nie selbstverliebt daherkommt. Der Albumtitel verweist gleichzeitig auf die Arbeitsweise der Band, denn obwohl WATERTANK bereits mit etlichen Größen die Bühne geteilt haben (u.a. BARONESS und KYLESA) und ganz offensichtlich wissen, was sie tun, ist &#8222;Sleepwalk&#8220; (nach zwei EPs) erst ihr Debüt: Ambition sieht anders aus, aber sympathisch ist das natürlich.<br />
In seinen besten Momenten ist &#8222;Sleepwalk&#8220; anrührend und hymnisch zugleich, dann klingen WATERTANK auf eine Weise sehnsüchtig, wie man sie auch bei den FOO FIGHTERS schon manchmal gehört hat, allerdings verbinde ich die hier eingefangene Stimmung zu sehr mit bestimmten Platten, die ich viel in den späten Neunzigern gehört habe (gemeint sind die zu jener Zeit aktuellen Bands des Washingtoner Labels Dischord), um hier ob eines völlig neuen Sounds in Euphorie zu verfallen. Dennoch: Leute, die ihren (Alternative) Rock gerne etwas abgeklärter mögen und z.B. CAVE-INs &#8222;Jupiter&#8220; für eine großartige Platte halten (und davon gibt es ja eine ganze Menge), sollten hier mal ein Ohr riskieren.</p>
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		<title>MUDHONEY &#8211; Vanishing point</title>
		<link>https://blueprint-fanzine.de/mudhoney-vanishing-point/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Apr 2013 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tonträger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Keine Lust, hier mühselig die üblichen Sub Pop-/Grunge-/NIRVANA-Verweise einzeln unterzubringen und zu erläutern – wer 2013 den Kauf eines MUDHONEY-Albums erwägt, weiß, was auf ihn zukommt. MUDHONEY haben in den Achtzigern angefangen, Rock in der Tradition der STOOGES oder BLUE CHEER zu spielen – also wildes, dreckiges Zeug, das immer wieder mit Punk in Verbindung [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Keine Lust, hier mühselig die üblichen Sub Pop-/Grunge-/NIRVANA-Verweise einzeln unterzubringen und zu erläutern – wer 2013 den Kauf eines MUDHONEY-Albums erwägt, weiß, was auf ihn zukommt. MUDHONEY haben in den Achtzigern angefangen, Rock in der Tradition der STOOGES oder BLUE CHEER zu spielen – also wildes, dreckiges Zeug, das immer wieder mit Punk in Verbindung gebracht worden ist. Daran hat sich seit 25 Jahren nichts geändert und die Frage, ob das (Traditionsverbundenheit oder Stilwille?) gut so ist, wurde im Laufe der Jahre unterschiedlich beantwortet, spielt aber keine Rolle mehr, denn nach so langer Zeit ist man ohnehin jenseits von Gut und Böse, was irgendwelche Trends betrifft. Bleibt die Frage, ob &#8222;Vanishing point&#8220; ein gutes MUDONEY-Album ist.<br />
Obwohl ich ihr Schaffen seit &#8222;Piece of cake&#8220; nur noch sehr unzuverlässig verfolgt habe (der &#8222;Vanishing point&#8220;-Vorgänger &#8222;The lucky ones&#8220; hat’s bei mir auf höchstens drei Durchläufe gebracht, war mir zu eintönig, in die Alben davor habe ich jeweils nur kurz reingehört – wahrscheinlich ein Fehler), behaupte ich mal, dass &#8222;Vanishing point&#8220; unter ihren Alben ein Highlight ist. Zumindest gefällt’s mir gerade genauso gut wie &#8222;Every good boy deserves fudge&#8220; – und die hab ich früher rauf- und runtergehört. Gerechnet hatte ich damit nicht unbedingt, aber MUDHONEY klingen auf ihrem neunten Album so frisch und kraftvoll wie in den frühen Neunzigern und bestätigen eigentlich nur, dass ihr rotzig vorgetragener, HENDRIX- und 70er-STONES-lastiger Bluesrock tatsächlich eher mit dem (sicherlich fragwürdigen) Adjektiv &#8222;zeitlos&#8220; belegt denn als Grunge-Eintagsfliege betrachtet werden sollte. Die Gitarren (natürlich twangy und fuzzy) ziehen ihre Schlieren wie eh und je; Frontmann Mark Arm singt auf seine unnachahmlich begeistert-gequälte Weise so grandios schief, als lägen Großtaten wie die EP &#8222;Superfuzz bigmuff&#8220; Monate und nicht Jahrzehnte zurück.<br />
Ihr Alter gereicht ihnen eher zum Vorteil – man hört eine Band, die richtig zusammenspielt, und die klare, unprätentiöse Produktion dient ausschließlich dem Ausstellen dieses Zusammenspiels. Dennoch wird Routine vermieden – recht typische, immer noch funktionierende MUDHONEY-Rocker wie &#8222;Slipping away&#8220; oder &#8222;The final course&#8220; wechseln sich ab mit etwas langsameren Stücken wie &#8222;What to do with the neutral&#8220; (das mit seinem überkandidelten Sprechgesang und schrägen Groove noch einmal deutlich macht, dass MUDHONEY mehr mit Noiserock-Bands vom Schlage JESUS LIZARD oder sogar KILLDOZER zu tun haben als mit erfolgreichen Co-Grungern wie PEARL JAM), &#8222;Sing this song of joy&#8220; oder der Hymne &#8222;I like it small&#8220;. Mit Versen wie &#8222;And I’ve got big enough balls to admit that I like it small&#8220; wird hier die Haltung der Band unverschnörkelt auf den Punkt gebracht (zum Ende des Songs hin sogar mit Chor!): das trotzige Festhalten am Althergebrachten, lieber weiterhin &#8222;minimal production&#8220;, &#8222;dingy basements&#8220; und &#8222;no expectations&#8220; als etwas vermeintlich Neues, aber im Grunde nur Aufgepumptes, Substanzloses wie so viele gehypte Indiebands, die im Laufe von MUDHONEYs Karriere kurz aufgeglüht, dann aber genauso schnell wieder erloschen sind.</p>
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		<title>AMERICAN HERITAGE &#8211; Sedentary</title>
		<link>https://blueprint-fanzine.de/american-heritage-sedentary/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Dec 2012 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Von AMERICAN HERITAGEs neuem Album gibt es offenbar zwei Versionen mit verschiedenen Covers: Eines zeigt eine Waldlandschaft im Dämmerlicht, passend zum Albumtitel &#8222;Sedentary&#8220; (= sesshaft, ortsgebunden) sieht man vor allem Felsen und Baumwurzeln. Doch was zunächst nach einer Feier von Bodenständigkeit aussieht, ist, wie man in Interviews mit der Band nachlesen kann, eigentlich als deren [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Von AMERICAN HERITAGEs neuem Album gibt es offenbar zwei Versionen mit verschiedenen Covers: Eines zeigt eine Waldlandschaft im Dämmerlicht, passend zum Albumtitel &#8222;Sedentary&#8220; (= sesshaft, ortsgebunden) sieht man vor allem Felsen und Baumwurzeln. Doch was zunächst nach einer Feier von Bodenständigkeit aussieht, ist, wie man in Interviews mit der Band nachlesen kann, eigentlich als deren Gegenteil gemeint: Der Verlust von Freiheit und Menschlichkeit, den das Dasein in sesshaften Gesellschaften mit sich bringen kann, ist hier ein der Thema der Liedtexte. Zivilisationskritik also mal wieder; entsprechend stürmisch geht man musikalisch zu Werke: AMERICAN HERITAGE klingen roh und erdig und bewegen sich in der häufig &#8222;Sludge&#8220; genannten schmutzig-schlammigen Grauzone zwischen Punk, Hardcore und Metal, sind allerdings erheblich schneller und rhythmisch anspruchsvoller als viele andere Bands, die sonst mit dieser Genrebezeichnung bedacht werden. Ohnehin wird der knappe Raum, den einem dieses Genre bietet, optimal genutzt: Zwischen sehr schnellen punkigen Nummern wie &#8222;Fetal attraction&#8220; oder &#8222;Kiddie pool&#8220; und etwas schleppenderen, metallischen Quasi-Epen wie &#8222;Vessals/Vassals&#8220; oder dem fast nachdenklichen, aber dennoch gebieterischen &#8222;Abduction cruiser&#8220; wird hier das Terrain erneut umgepflügt, an dem sich in den letzten zwanzig, ach, sogar fast dreißig Jahren so unterschiedliche Bands wie BLACK FLAG, KILLDOZER, JESUS LIZARD, die MELVINS, KARP und neuerdings HIGH ON FIRE, BIG BUSINESS, TRAGEDY und PISSED JEANS abgearbeitet haben. All das bekommen AMERICAN HERITAGE durchaus stimmig unter einen Hut und schaffen es auch noch, bei aller Breitbeinigkeit trotzdem irgendwie melancholisch rüberzukommen (immer dann z.B., wenn der manchmal mehrstimmige, immer sehr gefühlvolle Männergesang von sich überschlagendem Gebrüll in fast trauriges Gegröle umschlägt). Gänzlich Neues findet sich auf &#8222;Sedentary&#8220; nicht, aber das permanente Zerren an der Zwangsjacke des eigenen Genres (ist ja auch eine Art von Bodenständigkeit, gegen die sich rebellieren lässt) überzeugt durchgehend und sei somit all jenen ans Herz gelegt, die der Ansicht sind, MASTODON seien nach &#8222;Leviathan&#8220; zu verschnörkelt geworden.</p>
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