You are currently viewing ATLAS LOSING GRIP – Currents

ATLAS LOSING GRIP – Currents

Mit "State of unrest" haben sich ATLAS LOSING GRIP vor vier Jahren in die Spitzengruppe der europäischen Melodic-Hardcore-Bands katapultiert. Seitdem hat die Truppe um Frontmann Rodrigo Alfaro offensichtlich eine weitere Entwicklungsphase durchlaufen, was sich vor allem in der ersten Hälfte des mit 66 Minuten Spielzeit ungewöhnlich lang geratenem Nachfolgers "Currents" abzeichnet. Hier kommen inzwischen nämlich vermehrt Metal- und Alternative-Einflüsse zum tragen, wodurch man als Hörer zwischenzeitlich gar geneigt ist, die Schweden schubladenmäßig eher bei METALLICA als wie noch auf dem Vorgänger bei RISE AGAINST einzusortieren. Mit technisch geprägtem Gitarrenspiel, plötzlichen Breaks und einer gewissen Schwermütigkeit hebt sich das neue Werk relativ deutlich von seinem Vorgänger ab und schreckt auch nicht davor zurück, an geeigneter Stelle Genre-untypische Instrumente wie Cello, Piano oder Trompete erklingen zu lassen. Erst mit weiter hinten angesiedelten Stücken wie "Cast anchor" oder "Downwind" knüpfen ATLAS LOSING GRIP soundmäßig bei ihren früheren Veröffentlichungen an, wobei ich auch ehrlich sagen muss, dass sie mir in diesen Momenten am Besten gefallen. Die letzten beiden Stücke fallen dafür allerdings nochmal so richtig aus dem Rahmen, denn bei "Cold dirt" handelt es sich um eine sphärische Klavier-Ballade, und "Ithaka" fällt mit seiner Spieldauer von über 10 Minuten (!) fast schon in den Bereich Rock-Symphonie. Somit bleibt abschließend die Frage im Raum stehen, ob es in diese Richtung weitergeht, oder ob das nächste Album der Schweden wieder einen Schritt zurück zum straighten Punkrock und Hardcore geht. Möglicherweise hängt dies auch von dem zukünftigen Sänger ab, denn Rodrigo Alfaro hat die ATLAS LOSING GRIP nach den Aufnahmen verlassen, um sich fortan wieder seiner alten und nun wiedervereinten Kapelle SATANIC SURFERS widmen zu können. Es bleibt also weiterhin spannend.

Bernd Cramer

Konzert-Junkie & Vinyl-Liebhaber. Schreibt über Musik, ohne zu Architektur zu tanzen.