ALL ABOARD / FRANCESCO – Split 7″

Eigentlich sträube ich mich ja dagegen, hier Platten zu besprechen, deren erster Geburtstag näher liegt als der ursprüngliche Release-Termin. Aber wenn der Chef von Bakraufarfita Records höchstpersönlich aus Berlin zu Besuch kommt und mir bei der Gelegenheit solch ein hübsches retro-designtes Presswerk-Erzeugnis in die Hand drückt, dann mache ich schon mal eine Ausnahme. Vetternwirtschaft rules, höhö…
Aber zurück zum Thema: Zwei Bands teilen sich diesen Siebenzoller, FRANCESCO aus Berlin und die mir bislang gänzlich unbekannten ALL ABOARD aus Mönchengladbach. Wie es der Zufall so will, landet die ALL ABOARD-Seite zuerst auf dem Plattenteller und sorgt mit dem Stück „Odysey to a better life“ zunächst für ein wenig Verwirrung: Was ist das denn für ein lahmer Haufen? Wurde mir die Scheibe nicht großspurig als „Punkrock“-Platte angepriesen?! Doch spätestens beim zweiten Durchlauf hat mich diese folkig angehauchte Midtempo-Nummer endgültig geflasht: Hätten THE GASLIGHT ANTHEM diesen Song geschrieben, würde er garantiert als Singleauskopplung die Charts stürmen. Mörder Gänsehaut-Refrain sag ich nur. In „Broken LPs in the backyard“ zieht die Band das Tempo dann doch ein wenig an und setzt alles auf die Singalong-Karte, kann ihren vorangegangenen Hit allerdings nicht mehr toppen.
FRANCESCO gehen im direkten Vergleich dagegen etwas druckvoller zu Werke, liefern ihrerseits zwei Stücke ab, die aufgrund des kräftigen Gesangs und der Gitarrenarbeit mit Sicherheit den einen oder anderen Fan von HOT WATER MUSIC ansprechen dürften. „Never give up“ und „The call of the wild“ klingen durchaus vielversprechend und lassen erahnen, welche Energie die Berliner live an den Tag legen.
Fazit dieser handlichen Schallplatte: Ein richtiger Knaller und drei weitere gute bis sehr gute Lieder. Und das alles zum Preis einer Schachtel Kippen. Gute Ausbeute, würde ich sagen.

Bewertung: 7/10

Veröffentlichungsdatum: 11.06.2010

Über Bernd Cramer 1594 Artikel
Konzert-Junkie & Vinyl-Liebhaber. Schreibt über Musik, ohne zu Architektur zu tanzen.