KOMMANDO SONNE-NMILCH – Pfingsten

KOMMANDO SONNE-NMILCH hören, ist wie Mettbrötchen essen: Im Grunde abstoßend und ekelerregend, aber trotzdem schmeckt´s ausgezeichnet! "Pfingsten" ist das mittlerweile fünfte Album der Band von Hamburgs Punkrock-Ikone Jens Rachut (ehem. BLUMEN AM ARSCH DER HÖLLE, DACKELBLUT, OMA HANS etc.), und wer ihn und seine Bands kennt, der hat schon vor dem ersten Hören zumindest eine grobe Ahnung davon, was einen erwartet…
Zunächst gibt es allerdings einen Besetzungswechsel zu vermelden: Stephan Mahler hat die Trommelstöcke an Alex Tsitsigias übergeben. Vielleicht ist das neue Bandmitglied ja auch einer der Gründe, weshalb "Pfingsten" weniger geradlinig ausgefallen ist als die beiden vorausgegangenen Veröffentlichungen des Kommandos, schließlich fiel der ehemalige SCHROTTGRENZE-Musiker in der Vergangenheit bereits unter anderem durch eher experimentelle Solo-Projekte auf. Oder war es unabhängig davon einfach mal wieder Zeit für einen kleinen Kurswechsel beim KOMMANDO SONNE-NMILCH? Wie auch immer, an Abwechslung mangelt es "Pfingsten" nicht. So entpuppt sich der Opener "Grunz-Rauch" überraschend als Reggae-Song, mit "Das Spiegelei" wagt man sich an ein Akustik-Stück, und der Song "Habichtseier" wird mit einer bedrückenden Klanglandschaft aus Piano und Kirchenglocken unterlegt. Dennoch gibt es natürlich wieder einige bandtypische, treibende Punksongs wie "Bubenglück", "Meine Schwester" oder "Laura: Lawinengefahr", die auch die eher soundkonservative Hörerschaft befriedigen dürften, natürlich stets garniert mit Jens Rachuts unverwechselbaren, gleichermaßen beklemmenden, skurrilen, schizophrenen und wirren Texten. Ganz ehrlich: Wer nach einem Lied wie "Pohl hat´s gerettet" nicht völlig verstört vor der Anlage sitzt, muss wohl ein seelischer Krüppel sein. Somit ist "Pfingsten" wieder mal der optimale Soundtrack für die Einweisung in die Psychiatrie. Oder für ein gepflegtes Mettbrötchen-Frühstück.

Bewertung:

Veröffentlichungsdatum: 28.05.2010

Über Bernd Cramer 1594 Artikel
Konzert-Junkie & Vinyl-Liebhaber. Schreibt über Musik, ohne zu Architektur zu tanzen.