THE FAMILY’S REMOTE – Die Vorband!!

Dies ist eine Review über eine Vorband. Ungewöhnlich zwar, aber in diesem Fall angebracht.
Doch zunächst einmal sei eingegangen auf den Haupt-Act des Abends:
BLACK LIPSTICK spielten und klangen dabei sehr verdächtig nach VELVET UNDERGROUND. Braves Auftreten, Collage-Bands amerikanischer Schnulzen drängten sich auf. Leicht psychedelisch angehaucht, ging es doch eher gesittet zu. Ausnahme lediglich der glatzköpfige Bassist, der kaum über ein Mikro verfügend einen Kalauer nach dem anderen ins Publikum warf (auf deutsch von einem Zettel ablesend: „Entschuldigen Sie Fräulein: Stehen Sie auf glatzköpfige Männer?“). Nette anderthalb Stunden versetzten in die sechziger Jahre zurück und ließen einen wundern, was damals als verrucht gegolten hat.
Das wäre alles durchaus in Ordnung gegangen, hätte nicht zuvor diese fantastische, in St. Pauli ansässige Band THE FAMILY’S REMOTE ihren Auftritt gehabt. Mittlerweile mit dem Status „Hausband der Weltbühne“ versehen, war dies ihr bislang vierter Auftritt auf ebendieser Bühne. Einer Band bestehend aus mehreren Nationalitäten: Alan, Sänger und Gitarrist, ein Engländer; Hélène, die Bassistin, eine Französin; und der deutsche Schlagzeuger Frank.
Auch bei ihnen fanden sich Spuren von LOU REED, zumal gesanglich. Doch hatten sie noch vieles mehr zu bieten: SONIC YOUTH, YO LA TENGO, SEBADOH, THE STONE ROSES, THE CHARLATANS fielen da als Ideengeber ein. Von allen wurde nur das Beste genommen. Das Ergebnis war atemberaubend: das Publikum lauschte gebannt und reagierte mit zunehmend stärker ausfallendem Applaus. Jeder Song steigerte sich zu einem musikalischem Rausch, der Sänger schien entrückt in andere Welten, während er seine Melodien auf die Gäste losließ. Von seinem Aussehen her konnte man ihn für einen Verwanden von TOM WAITS halten, was dem Erscheinungsbild der Band nur zugute kam.
Fast eine Dreiviertelstunde dauerte ihr Auftritt und wurde noch gekrönt durch eine lautstark eingeforderte Zugabe.
Bleibt zu hoffen übrig, dass aus diesem Geheimtipp der Hamburger Musikszene bald etwas wesentlich Bekannteres wird. Verdient zumindest hätten sie es – allemal!