THE BLACK PACIFIC – Jim Lindberg

Jim Lindberg sieht angeschlagen aus. Er hat zwar immer noch diesen Sunny Boy Charme und dieses leicht schelmische, aber man merkt doch, dass der Zahn der Zeit auch an ihm nagt. Zudem hat er sich eine Rippe gebrochen – beim Skaten. Rauf auf’s Brett, rüber über die Elektrokabel und es war geschehen.
Was ihn aber nicht daran hindert, diese Tour zu Ende zu spielen „Weißt du, wenn ich jetzt zum Arzt gehen würde, dann würden die das verbinden und mich nach Hause schicken, dafür muss ich mir den Arztbesuch nicht antun.“ Die Eastpack Antidote Tour dauerte knapp 6 Wochen und heute in Hamburg ist einer der letzten Termine. „Das war schon eine lange Zeit. Ich war wirklich lange nicht mehr auf einer solchen Tour, aber als wir das zusagten, mussten wir es auch für die volle Zeit tun.“ Nicht etwa, dass die Kondition oder der Spaß bei Jim nachließe, nein, der Alltag ist eingekehrt. „Ich sehe meine Familie gerade sehr lange nicht. Ich bin froh, dass wir ab und zu skypen können und sie mir so ihre guten Noten zeigen können und ich zumindest ein wenig am Familienleben teilhaben kann.“ Mit PENNYWISE war Jim 20 Jahre unterwegs, für THE BLACK PACIFIC ist dies die erste große Tour. Andere Menschen würden wohl, nachdem sie 20 Jahre in einer Band waren, nicht noch mal bei null anfangen und wieder die ganze Strecke gehen. Für Jim ist das aber selbstverständlich. „Solange ich denken kann, spiele ich in Bands. Und zum Schluß fühlte sich bei PENNYWISE vieles nicht mehr richtig an. Ich konnte den Fans nichts mehr vormachen und fühlte mich eingeengt. Aber ich wollte auf jeden Fall weiter Musik machen und schreibe immer noch unglaublich viele Songs. Teile des Albums entstanden sogar noch während meiner Zeit bei PENNYWISE, fühlten sich aber nicht passend an.“
Das Debütalbum von THE BLACK PACIFIC ist gerade erschienen. Es klingt sehr traditionell und abwechslungsreich, genauso, wie Jim es sich gewünscht hat. Allerdings ist die Band noch nicht zu 100% stabil. Auf Tour hilft ein Freund von den DROPKICK MURPHYS an der Gitarre aus, der Bassist musste kurz vorher absagen. Lediglich Drummer Alan war von vorneherei dabei und Wunschkandidat. „Ich sah ihn bei der Warped Tour spielen und wusste, ich will mit ihm in eine Band. Es ist einfach ein unglaublich guter Drummer.“ Und während Jim im Studio sich um Gesang und Gitarre kümmerte, ist es vor allem jener Schlagzeuger, der einen deutlichen Unterschied macht und für die notwendige Dymnamik sorgt.
Das Interview heute ist kurz, aber THE RIVERBOAT GAMBLERS sind gerade auf der Bühne und wir wollen alle raus. Jim sprintet noch kurz auf die Bühne und singt beim Chorus mit. Er lebt dieses Punkrock Ding einfach immer noch. Das Gemeinsame, das Selbermachen und die Freundschaft. Und das gibt er als Vater weiter „Ich habe so viel auf Tour gesehen, so viele Länder bereist, so viele Menschen getroffen. Und das möchte ich meinen Kindern mitgeben. Es gibt nicht nur die eine, die amerikanische Sicht der Dinge, sondern so viel mehr auf der Welt. Wenn sie diese Weltoffenheit mitnehmen, bin ich sehr glücklich, denn gerade in Amerika ist die Engstirnigkeit und Einseitigkeit ein großes Problem.“