THE AUDIENCE – Hearts

2012 ist Vergangenheit und wie jedes Jahr, sind auch wieder viele Bands von uns gegangen. Eine dieser Bands ist THE AUDIENCE. Keine der großen, keine der populären Bands, aber eine, um die es schade ist und die es auch heute noch wert ist, entdeckt zu werden. Als ihr stilprägender Organist seinen Ausstieg bekannt gab, beschloss der Rest der Band, ebenfalls das Handtuch zu schmeißen. Am 29.12.2012 spielten THE AUDIENCE ihren letzten Gig in München.
Im April 2012 erschien mit „Hearts“ noch das dritte Album der Hersbrücker, das hier und heute noch einmal eine besondere Würdigung, stellvertretend für das Gesamtwerk der Band, erfahren soll.
THE AUDIENCE haben nicht erst mit „Hearts“ ihren Stil gefunden. Den gab es auch schon auf dem gelungenen Vorgängeralbum „Dancers and architects“ zu hören. Doch so zwingend, dicht und eigenständig haben sie ihren, mit New Wave, Pop und Melancholie getränkten Post-Punk noch nicht präsentiert. Das Songwriting ist stimmig, kein Gramm zu viel, keine Sekunde zu lang, die Arrangements voller kleiner Kniffe und Ideen, jedes Instrument hat seinen definierten Platz, alles ergänzt sich bestens. Drums und Bass sind haarklein aufeinander abgestimmt und schieben die Songs unermüdlich an. Gitarre und Orgel wechseln sich immer wieder bei den Hooklines, der Begleitung oder beim Schaffen atmosphärischer Backgrounds ab. Über all dem schwebt die unverwechselbare Stimme von Bernd Pflaum, die stets einen Hauch von Sehnsucht, Leid oder Verklärtheit transportiert. Die Produktion ist warm und dicht, dabei aber knackig und drückend genug, um den Popappeal der Songs im Zaum zu halten. Gelegentlich glimmen Erinnerungen an frühe Post-Punk-Großtaten auf, aber auch der gute, alte Krautrock darf mitmischen und ja, man findet auch Zitate aus der großen Zeit des Raves (frühe CHARLATANS). Aber auch zickige Elemente, Double-Bass und postrockige, sphärische Klangräume tauchen auf und machen „Hearts“ trotz des durchgehend ähnlichen Grundsounds zu einem erstaunlich abwechslungsreichen Album. Das verbindende Element bei allen Songs ist der stets zwingende Groove, der „Hearts“ fast schon, wie erwähnt, zu einem Rave-Album macht. „We belong to boys“, „Burning“, „The lesser things“, „We are just the hearts“, „Sirens“, „Looming“ und „We won´t get home“ gehören in jede Indie-Disco, die anderen fünf zumindest auf Mixtapes für ziemliche beste Freundinnen und Freunde. In einer gerechten Welt wären THE AUDIENCE mit diesem Album in aller Munde gewesen und hätten Festivals rund um den Globus bespielt. So hat´s nur zu einer Abschiedstour durch die Republik gereicht. Überleg dir das doch noch mal mit dem Orgeln, Johannes.