SUBVASION – Lost at funfair

Wirkt das Album-Cover eher wie ein düsterer New Metal-Einfall, wird man beim ersten Hören schnell eines Besseren belehrt. Da gibt es Harmonien, schnelle Bässe, dumpfes Dröhnen, stilvolle Klaviere und das stets sich wie ein roter Faden durchs Ambiente ziehende Cello, das mal in den aufbrausenden Geräuschwellen dieses Albums untergeht oder die Kulisse eilig vorantreibt.
Vermutlich ist es deshalb so schwer, darüber zu schreiben – diese Musik ist schwer zu greifen und doch ist sie da, glasklar und blitzschnell zieht sie sich durch die Boxen und verdampft, nachdem sie hoch angeschwollen ist, in mein Gehirn, welches einige Töne selbst im Alltag des Bürolebens nicht vergessen kann. Das ist Musik für schnelle Fahrradfahrten durch das nächtliche, mit Sprühregen belebte Hamburg oder die Autofahrt durch graue Landschaften.
Unweigerlich stellt sich die Frage: wer ist das, was genau machen die und wie lang machen die das schon? Diese Fragen sind dank digitalen Fortschritts schnell geklärt. Subvasion, ein Nebenprojekt der bereits seit vielen Jahren musizierenden und für ihre verschrobenen Vorwärts-Klänge bekannten GUT PIE EARSHOT, versuchen mit „Lost at funfair“ eine Kollaboration, die geschmeidiger kaum sein könnte. Neben dem Korg Electribe, den sich die Künstlerin L.N/A zu Eigen machte, besticht diese Zusammenarbeit vor allem durch die düstere Atmosphäre des Cellos, welches diese Platte doch nicht zu einem Nur-Elektro-Album macht, sondern dieses undefinierbar dastehen lässt. Das dahinter nur drei Menschen stehen, ist umso unglaublicher, je öfter man das Album anhört, je mehr Feinheiten und Details zum Vorschein kommen, welches die acht Songs zu einem anspruchsvollen Ganzen verbindet.
Niemand kann es treffender als die Band selbst formulieren: SUBVASION sind „Beat.Machine.Orchestra“. Was anfangs als Idee am zweiten Abend ihrer gemeinsamen Tour entstand, wurde zwei Jahre später in die Realität umgesetzt: die Vereinigung von GUT PIE EARSHOTs straightem Punk-Einschlag mit den Elektro-Klängen L.N/As, die beim Publikum sofort ankam und fortan als ernsthaftes Projekt betrachtet wurde. Dennoch klingt „Lost at funfair“ keineswegs wie ein Ersatz oder die Erweiterung des anderen – trotz der markanten Einflüsse schafft es das Album, seinen eigenen Sound zu entwickeln und somit auch den Platz in mein sensibles Gehör.

Bewertung: 8/10

Veröffentlichungsdatum: 02.09.2011