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SIMONE PRATTICO – Oriundo

 
Beim Hören des neuen Albums von SIMONE PRATTICO fällt mir auf, dass ich schon ziemlich lange keinen Jazz mehr live gesehen habe. Natürlich fielen in den letzten anderthalb Jahren auch zahlreiche andere Konzerte aus, aber einzelne Shows im Molotow (Backyard), im Knust (bzw. auf dem Lattenplatz davor), auf dem Reeperbahn-Festival und an anderen Orten fanden zuletzt trotzdem statt, um die musikabstinente Seele zumindest ein wenig zu trösten.
Doch das Elbjazz und das Überjazz haben nun bereits in zwei aufeinanderfolgenden Jahren nicht stattgefunden, und auch neben diesen beiden bedeutenden Festivals für Hamburg konnte man als Jazz-Liebhaber nur wenige Jazz-Konzertgelegenheiten in der Hansestadt wahrnehmen. Ein Konzert fällt mir nun immerhin doch noch ein: ROCKET MEN am 18. Juli 2021 vor dem Knust.
Warum mir dies alles nun ausgerechnet bei SIMONE PRATTICO bewusst wird: der aüßerst begabte Schlagzeuger liefert zusammen mit diversen Mitmusikern ein zeitgenössisches Jazzalbum ab, das sich auch in seiner Stimmung sehr vielseitig zeigt. Mal geht es verträumt und melancholisch zu („Bay ridge“, „Promise me you’ll remember“), mal sehr rhythmisch („Quartieri spagnoli“, „Tanger“), die beiden Stücke „Village debate“ und das abschließende „That’s it“ bestehen sogar nur aus Schlagzeug – ohne dabei zu langweilen. Und dennoch liegt das Augenmerk von „Oriundo“ eindeutig auf Pratticos Schlagzeugspiel, während seine Mitmusiker hauptsächlich der musikalischen Untermalung dienen. Auf Festivals finde ich solche Bands oder Projekte durchaus unterhaltsam, für ein Album zu Hause fehlt mir aber doch ein bisschen das eigentliche „Songwriting“.