RACHUT / LANDERSCHIER – Blinder Mond

Natürlich kennt man Jens Rachut in erster Linie durch seine musikalischen Eskapaden mit Bands wie SONNE-NMILCH etc. Aber er kann auch Hörspiele. Das beweist er mit "Blinder Mond" (ein verweintes Melodrama über einen ehemaligen Banditen, der seine Eier im Eisfach vergessen hat, wie es im Vorspann so schön heißt), dem zweiten Teil seiner Hörspiel-Trilogie gemeinsam mit Jonas Landerschier, der für die Musik verantwortlich zeichnet. In diesem Teil macht sich die Gruppe auf den Weg zum Mond, um dort einen Ritualmord aufzuklären, allerdings einen ohne Leiche. Was sie vorfinden ist hingegen eine Bevölkerung auf dem Mond. Und da fangen die Probleme und die Fragen an.
Hochkarätig besetzt (u.a. Martin Wuttke a.k.a. Andreas Keppler aus dem Tatort) und sprachlich mal wieder alle Grenzen austestend, nimmt einen die Geschichte von "Blinder Mond" sofort für sich ein, überzeugt durch eine mehr als spannende Handlung mit vielen seltsamen Verschlingungen und Verirrungen, bleibt dabei auch immer den Handlungssträngen treu. Ob nun Schampoo-Schmuggel auf den Mond, die Spezialeinheit Erde der Polizei, der Schnitter höchstselbst, spezielle Knäckebrotverzehrangewohnheiten, Linguistikprofessoren, was auch immer an Inhalten in die Handlung eingeworfen wird, Rachut weiß, wie man sie einbindet. Es wäre kontraproduktiv, sich an dieser Stelle über den Inhalt genauer auszulassen, denn "Blinder Mond" muss man hören. Und sich einsaugen lassen. Oder auf den Mond schießen.
"Gletscherspalten voll mit Steinen / darunter liegen Leichen". Viel Spaß beim Hören!
(VÖ: 20.01.2013, majorlabel)

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